Susanne Ospelkaus schreibt über Gefühle.
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Susanne Ospelkaus schreibt über Gefühle.

Susanne Ospelkaus stellt neues Buch vor

Zornedingerin schreibt ihre Geschichte auf: Eine Reise durchs Trauerland

  • Sabine Heine
    vonSabine Heine
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Ihre Geschichte ist traurig, aber sie macht Mut. Die Zornedinger Autorin Susanne Ospelkaus hat einen biographischen Roman über ihre Trauer geschrieben.

Zorneding – „Mama, wenn du viel weinst, musst du auch viel trinken.“ Das raten Susannes kleine Söhne ihr, als sie innerhalb eines Jahres erst selbst schwer erkrankt und dann mit 31 ihren Mann verliert. Ihr Leben löst sich auf und geht trotzdem unaufhaltsam weiter. Die Aufgabe scheint unlösbar: Wie soll Susanne mit ihren widersprüchlichen Gefühlen umgehen und gleichzeitig zwei Kinder durch diese schwierige Zeit bringen? Doch die Trauer entpuppt sich als unerwartete Mentorin. Susanne Ospelkaus erzählt in ihrem neuen Werk, einem biografischen Roman, ihre eigene Geschichte über eine Familie im Ausnahmezustand, die im Angesicht des größten Verlustes lernt, jedes Quäntchen Glück wertzuschätzen und die Lebensfreude zu bewahren.

Den passenden Umgang mit Gefühlen finden

„Gefühle begleiten und beeinflussen uns. Sie können uns beflügeln oder herunterziehen.“ Susanne Ospelkaus sucht nach dem passenden Umgang mit ihnen. „Es tönen viele Stimmen in uns. Wenn es uns gut geht, heißen die Stimmen Freude und Stolz, Zufriedenheit und Glück. Doch wenn wir bedrückt sind, herrscht Aufruhr in uns. Da krakeelt und schnattert, flüstert und lamentiert es in unseren Gedanken“, sagt Susanne Ospelkaus. „Es sind die Stimmen von Sorge oder Neid, Zweifel oder Scham, Angst, Wut oder Trauer.“ Man könne sie nicht einfach abstellen. Selbst sie zu ignorieren, sei keine Lösung, weiß Susanne Ospelkaus als Betroffene zu allzu gut.

Ospelkaus: „In uns streiten viele Stimmen. Den alten Mystikern war dies bewusst. Sie rieten, diese Stimmen wie kleine Kinder zu stillen. Weder Autorität noch Befehle bringen sie zum Schweigen, sondern Zuwendung und Aufmerksamkeit – eben wie bei Kindern.“

Sorgen und Ängste – Sie klammern sich wie freche Kinder an uns. Sie drängen sich in jedes Gespräch und in jeden Traum. Sie nehmen uns die Luft zum Atmen und rauben uns die Lebensfreude. „Stopp!“, sagt die Expertin. „Sorgen und Ängste sollte man ernst nehmen, aber dann müssen wir ihnen ihre Grenzen aufzeigen, bevor sie uns begrenzen.“ Fakt sei: Die meisten Befürchtungen werden niemals eintreffen. Sorge und Angst können uns warnen, aber sie sind keine guten Wegbegleiter.

Neid und Zweifel übertönen alles Schöne

Und weiter geht es mit den Miesmachern: Wenn Neid und Zweifel in uns laut werden, übertönen sie alle Schöne. Der Neid gönnt niemanden Erfolg und Gelingen außer sich selbst. Ospelkaus: „Doch Selbstzweifel zerfurcht die Seele, bis unser Talent verschüttet ist. Das einzige, was Neid und Zweifel zum Schweigen bringt, ist die Fähigkeit, sich selbst nicht in den Mittelpunkt zu stellen. Wenn unsere Mitmenschen anfeuern, uns mit ihnen freuen, wird Neid stumm. Wenn wir uns daran freuen können, dass wir den Alltag bewältigen, wird Zweifel kleinlaut.“

Auch Trauer und Schmerz sind sehr mächtige Gefühle. Sie stürmen in unser Seelenhaus und nisten sich ein. Sie berühren alles, was uns berührt. Während der Schmerz quälend in uns hallt, vermag die Trauer zu trösten. Sie ist heilsam und gütig. Geplatzte Träume, Pläne und Abschiedserfahrungen sortiert sie aus. „Es tut weh, weil es schön war“, sagt sie. Behutsam legt sie die Erinnerungen in ein Schatzkästen. Je mehr Ordnung sie schafft, umso ruhiger wird der Schmerz.

Die Trauer bekommt eine Stimme und eine Gestalt

„Erst, wenn es ruhig in uns wird, nehmen wir unsere Gefühle wahr“, weiß Susanne Ospelkaus. „Wir spüren sie auf und können ihnen begegnen. Jedes Gefühl hat eine Bestimmung und daran können wir lernen und reifen. Doch es kostet Zeit, Kraft und Ausdauer. Gefühle kann man weder ignorieren, noch beschönigen, irgendwann fordern sie ihr Recht, gehört zu werden. Unerhörte Gefühle machen uns krank: Sie liegen uns im Magen, stören uns den Schlaf, lassen unser Herz rasen. Sie rauben uns den Atem, die Nerven und den Verstand. Seelenfrieden beginnt, wenn die vielen Stimmen gestillt wurden.“

In dem Roman „Meine Reise durch das Trauerland“ gibt die Autorin der Trauer eine Stimme und Gestalt.

Susanne Ospelkaus wurde 1976 in Frankfurt (Oder) geboren, lebt mit ihrem zweiten Mann Alexander und den zwei Söhnen in Zorneding. Sie ist Autorin, Dozentin für pflegerische und pädagogische Berufe und Therapeutin in der Pädiatrie. „Meine Reise durch das Trauerland“ ist ihre persönliche Geschichte. Das Thema Umgang mit Trauer und Tod beschäftigt sie seit langem literarisch. Erst vergangenes Jahr hat sich Kinderbuch dazu veröffentlicht: „Auf Wiedersehen, Elias“.  

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