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Bald Geschichte: Die Zornedinger Brennerei.

Brennerei Zorneding

Ausräumen, abreißen

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Zorneding - Ende der Brennerei Zorneding: Gemeinderat berät über Nachfolgenutzung des Grundstücks im Ortszentrum. Die Genossenschaft als Eigentümerin will an einen Bauträger verkaufen. Derzeit wird ausgeräumt.

Zorneding – Jakob Festl steht zwischen Abbruchtrümmern und glänzenden Metalltanks. „Wir haben immer noch gehofft, dass es weiter gehen könnte, aber das hat sich endgültig zerschlagen“, sagt er und es schwingt ein bisschen Wehmut mit. Die ehemalige Brennerei in der Anton-Grandauer-Straße in Zorneding wird ausgeräumt. Auf der Straße steht ein Container. Oben im Haus sind Fenster geöffnet, um etwas hinunter werfen zu können.

Das Gebäude im Eigentum der Genossenschaft soll abgerissen werden. „Schade ist es schon“, so Genossenschaftsvorsitzender Festl. Der Standort ist zentral und prägend für das Zornedinger Ortsbild Und das Gebäude in der Nähe der Kirche symbolisiert einen Teil der Zornedinger Gemeindegeschichte. Als es das deutsche Branntweinmonopol noch gab, war der Aufkaufpreis für den auch von den traditionellen Genossenschafts-Brennereien hergestellten Alkohol staatlich garantiert. Mitglieder der Genossenschaften sind meist örtliche Landwirte. Als das Monopol abgeschafft wurde, konnten sich die kleinen Brennereien nicht mehr halten. Zu billig ist beispielsweise der aus Zuckerrohr hergestellte Alkohol aus Südamerika.

Seit drei Jahren steht das Gebäude leer

Seit drei Jahren steht die Zornedinger Brennerei leer. Vorbei sind die Zeiten als hier aus Kartoffel oder Mais Alkohol wurde. In anderen Gemeinden werden die zum Teil historischen Gebäude der Genossenschaften künftig anders genutzt. In Weißenfeld (Gemeinde Vaterstetten) ist die dortige ehemalige Brennerei, ergänzt durch einen neuen Anbau, jetzt ein Kindergarten. 

Im Gemeinderat Zorneding geht es am kommenden Donnerstag um eine Bauvoranfrage zur örtlichen Brennerei. „Wir wollen wissen, was man grundsätzlich machen könnte“, so Festl. Die Genossenschaft will die Immobilie an einen Bauträger verkaufen. Doch um verhandeln zu können, müssen die Genossen wissen, wie das Grundstück entwickelt werden kann.

Denkmalschutz ist kein Hindernis

 „Damit muss sensibel umgegangen werden“, sagt Zornedings Bauamtsleiterin Diana Saiger. Das Gebäude selbst sei nicht mehr im besten Zustand und könne abgerissen werden. Bedenken in Bezug auf den Denkmalschutz bestünden nicht. „Das ist keine alte Whiskey-Brennerei mit historischen Gewölben. Das war ein reiner Zweckbau.“ Wichtig sei, dass für das Areal Baurecht bestehe. Und das orientiert sich für einen Neubau auch am bisherigen Gebäude. Gleichzeitig gehe es um das Ortsbild, so Saiger. Schließlich sind prägende Gebäude in der Nähe. Das müsse bei allen Entscheidungen berücksichtigt werden.

„Der Gemeinderat ist sich seiner Verantwortung bewusst“, betont Saiger. „Da braucht man Geschick und Fingerspitzengefühl.“ Über das Thema habe man im Gremium schon länger nachgedacht. „Jetzt ist es aktuell.“ Ein neues Gebäude müsse mehr als ein „08/15“-Bau werden, so Saiger. Man müsse den Spagat schaffen zwischen den Ansprüchen und Vorstellungen der Eigentümer und der Kommune. Nötig sei ein Konzept zu finden, das allen Seiten entgegenkäme. Und man müsse jemanden finden, der dieses Konzept auch umsetzt.

Nutzung als Gewerbe- oder Wohnraum möglich

Grundsätzlich möglich sind laut Bauamtsleiterin Saiger sowohl Gewerbe als auch Wohnen. Offen ist auch noch die Frage, ob man für das Areal einen eigenen Bebauungsplan aufstellen müsse. „Vielleicht holen wir uns ja auch einen externen Fachmann mit ins Boot, der das Vertrauen beider Seiten genießt.“ Auf alle Fälle sieht Saiger in der aktuellen Entwicklung eine „große Chance“ für den Ort.

Derweil wird das Gebäude ausgeräumt. Im Büro steht noch ein alter Schreibtisch und ein alter Schrank. Auch eine Wohnung für den Brennmeister gab es, der keine Heizung brauchte, wie Festl erzählt. „Da waren es auch im Winter immer 24 Grad. Der musste die Fenster aufreißen.“

Ein Teil der früher für das Brennen benötigte Technik wurde bereits verkauft, manches auch noch nicht. „Wir hatten erst vor acht Jahren einen Teil der Anlage erneuert“, erzählt Festl. Damals glaubten die Genossen noch an eine längere Laufzeit des Monopols. Das ist jetzt vorbei. Wie alt das Gebäude selbst ist, ist nicht bekannt. Früher soll dort eine Schmiede gewesen sein. 1918 entstand die Brennerei. Danach wurde immer wieder angebaut.

Sanieren ist zu teuer

Das Haus für eine andere Nutzung zu sanieren und umzubauen, das können sich die Mitglieder der Genossenschaft auch aus finanziellen Gründen nicht vorstellen. „Es gibt im Gebäude viele verschieden Ebenen“, erklärt Festl. Das Objekt im Eigentum der Genossenschaft zu belassen und selbst zu investieren und etwas zu entwickeln, kam ebenfalls nicht in Frage. Also sollte ein Schlussstrich gezogen werden. Heißt: An einen Bauträger verkaufen. „Da waren wir uns einig. Es gab keine großen Diskussionen.“

 Die Vorgaben aus dem Gemeinderat wirken sich natürlich auf den Preis aus, den die Genossenschaft erzielt. Die Mitglieder sind sich ihrer Verantwortung für das Ortsbild durchaus bewusst. „Aber zu verschenken hat auch niemand etwas“, meint Festl.

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