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Olivier Ndjimbi-Tshiende wurde mit sofortiger Wirkung vom Dienst in der Pfarrei beurlaubt.

Nach Rücktritt wegen Morddrohungen

Erzbistum: Pfarrer kehrt definitiv nicht nach Zorneding zurück

Zorneding - Der nach Morddrohungen gegen ihn zurückgetretene Pfarrer von Zorneding wird trotz einer Welle der Solidarität definitiv nicht in die Gemeinde zurückkehren.

Auch eine noch so große Welle der Solidarität für den vom Mord bedrohten Pfarrer aus Zorneding ändert nichts: Der dunkelhäutige Priester wird definitiv nicht mehr in seine oberbayerische Gemeinde zurückkehren. Das machte das Erzbistum München-Freising am Mittwoch unmissverständlich klar. Der 66-Jährige befindet sich an einem geheimen Ort und wird von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Olivier Ndjimbi-Tshiende wolle sich nicht zu seinem Rücktritt äußern, teilte die Kirchenleitung mit. Am Mittwochabend war in Zorneding eine Kundgebung mit Polit-Prominenz geplant. Unterdessen wurde bekannt, dass es auch gegen den Bamberger Erzbischof Ludwig Schick Morddrohungen gibt.

Immer mehr Bürger solidarisieren sich mit dem Geistlichen von Zorneding. Eine von einer ehemaligen Gemeindebürgerin initiierte Online-Petition „Unser Pfarrer soll in Zorneding bleiben“ unterschrieben bis Mittwochnachmittag mehr als 65 000 Menschen. Zur Begründung hieß es: „Wenn wir den Weggang des Pfarrers nun stillschweigend akzeptieren, überlassen wir kriminellen Nationalsozialisten das Feld.“

Zu der Kundgebung (18.00 Uhr) unter dem Motto „Rassismus entgegentreten“ wurden neben dem Zornedinger Bürgermeister Piet Mayr (CSU) die bayerische SPD-Generalsekretärin Natascha Kohnen und die Fraktionsvorsitzende der Landtags-Grünen, Margarete Bause, erwartet. Nach mehreren Reden sollte es eine Lichterkette geben, die sich von der katholischen zur evangelischen Kirche zieht.

Pfarrer Ndijmbi-Tshiende hat sich mit Sylvia Boher (CSU) versöhnt

Der aus dem Kongo stammende katholische Priester hatte nach mehreren rassistisch motivierten anonymen Morddrohungen am Sonntag seinen Rücktritt als Pfarrer der Gemeinde erklärt. Tags darauf zog er aus dem Pfarrhaus aus. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Volksverhetzung, Bedrohung und Beleidigung gegen unbekannt.

Ndjimbi-Tshiende schlug derweil versöhnliche Töne an. Er blicke ohne Zorn oder Verbitterung auf seine Jahre in der Pfarrei zurück, ließ der 66-Jährige vom Erzbistum verbreiten. Er habe sich sogar mit der ehemaligen CSU-Ortsvorsitzenden Sylvia Boher versöhnt. Deren ausländerfeindliche Äußerungen hatte der Pfarrer im vergangenen Herbst kritisiert, woraufhin die rassistische Hetze gegen ihn samt mehreren anonymen Morddrohungen überhaupt erst ins Rollen kam.

Die Hassparolen gegen den Geistlichen sind auch Thema der Freisinger Bischofskonferenz. „Ich gehe davon aus, dass sich Kardinal Marx zum Abschluss der Frühjahrsvollversammlung am Donnerstag zu diesem Thema äußern wird“, sagte sein Sprecher Bernhard Kellner. Seit Mittwoch sitzen Bayerns katholische Bischöfe in Passau bei ihrer Frühjahrsvollversammlung beisammen. Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx ist der Vorsitzende der Freisinger Bischofskonferenz.

Grüne kritisieren "bigotte Haltung" der CSU

Kritik am Verhalten der CSU im Fall des Pfarrers kam von Grünen-Fraktionschefin Bause: „Nach außen verurteilen, intern beschwichtigen - mit dieser bigotten Haltung darf die CSU im Fall des Pfarrers von Zorneding nicht durchkommen.“ Entgegen der Darstellung von Ministerpräsident Horst Seehofer sei die Angelegenheit vor Ort gerade nicht sauber aufgearbeitet worden. So werde Boher im Internet nach wie vor als Mitglied des CSU-Bezirksvorstands Oberbayern geführt.

Unterdessen wurde bekannt, dass auch der Bamberger Erzbischof Schick Todesdrohungen bekommt. Der Kirchenmann bezieht immer wieder Stellung gegen Ausländerfeindlichkeit. Seit Ende 2014 erhalte Schick Hasskommentare auf Facebook oder werde in anonymen E-Mails bedroht, sagte eine Bistumssprecherin am Mittwoch. Die Drohungen seien nie konkret, erläuterte die Sprecherin. Dennoch wurde die Polizei eingeschaltet.

Zorneding sorgt für internationales Medienecho

dpa

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