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Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende (67) vor dem Amtsgericht Ebersberg, wo am Dienstag der Prozess gegen den Mann stattfinden sollte, der dem Geistlichen Morddrohungen geschickt hatte. Der Angeklagte war nicht erschienen.

Ex-Pfarrer von Zorneding massiver bedroht als bisher bekannt

"Wir wissen, wo du wohnst"

Zorneding - Der aus dem Kongo stammende frühere Pfarrer von Zorneding, Olivier Ndjimbi-Tshiende (67), ist massiver bedroht worden als bisher bekannt. So habe er nicht nur Postkarten mit Morddrohungen erhalten, sondern auch Briefe, sagte er in einem Interview mit der SZ.

Dabei zitierte der Geistliche aus einem Schreiben: „Wir kennen das Kennzeichen deines Autos, wir wissen, wo du wohnst, wir wissen auch, wohin du gehst, kennen deine Wege.“ Daran habe er natürlich gedacht, wenn er abends alleine in die Filialkirchen seiner Pfarrei gegangen sei, sagte der Geistliche.

Der Prozess gegen einen Rentner am Amtsgericht Ebersberg, der sich wegen Beleidigung, Bedrohung und Volksverhetzung hätte verantworten sollen, war am Dienstag geplatzt. Der 74-jährige Münchner war nicht erschienen, gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen. Ihm wird vorgeworfen, entsprechende Postkarten an Ndjimbi-Tshiende geschrieben zu haben.

Der Pfarrer, der die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, hatte im März die oberbayerische Pfarrei verlassen. Seit Oktober ist er Mitglied einer Forschungsgruppe am Zentrum Migration und Flucht der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU). Außerdem hilft er als Seelsorger im Raum Ingolstadt aus.

Den Entschluss, Zorneding zu verlassen, habe er im Februar gefasst, berichtete der Priester. Damals hätten sich die Morddrohungen verstärkt. So habe er einen Brief mit den Worten erhalten: „Jetzt ist es Zeit, dass du weg von Zorneding kommst. Sonst passiert dir das Gleiche wie dem anderen Pfarrer.“ Darunter sei ein Artikel über einen Pfarrer aufgeklebt gewesen, der von Rechtsradikalen fast zu Tode geprügelt worden wäre. Der Zusatz habe gelautet, „dass man bei mir treffsicher sein würde“, so der Pfarrer.

Bis dahin habe er in Zorneding keine Probleme mit Rassismus gehabt, betonte der Geistliche. Von der Bevölkerung habe er sich seit 2012 gut aufgenommen gefühlt. „Mehrheitlich bekam ich Zuspruch. Dass ich ein Pfarrer bin, der die Leute eher zusammenbringt anstatt zu spalten.“ Zugleich räumte Ndjimbi-Tshiende ein, dass es Meinungsverschiedenheiten in Fragen der Verwaltung der Pfarrei gegeben habe. „Das ist normal und hat mit rassistischer Ablehnung nichts zu tun.“ Nach kleineren internen Auseinandersetzungen habe er allerdings früher schon mal um seine Versetzung gebeten gehabt. Zur Zeit der Drohbriefe sei dies aber längst Geschichte gewesen.

Der Zornedinger Fall hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Vorausgegangen war eine Kontroverse zwischen dem Seelsorger und der örtlichen CSU wegen der Flüchtlingspolitik. Nach den Worten von Ndjimbi-Tshiende sollte sich ein Pfarrer nicht in jede politische Frage einmischen. Wenn es aber um das Wesentliche gehe, müsse das Wort erhoben werden „für die Wahrheit, für Gerechtigkeit und Frieden“. Dabei gelte es vorsichtig zu sein und die Worte klug abzuwägen.

kna

Zorneding sorgt für internationales Medienecho

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