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Irgendwann landet jede Art von Plastik in der Nahrung. Es geht auch anders – zum Beispiel mit Glasflaschen. 

Fachgespräch in Zorneding stößt auf ungewöhnlich großes Interesse

Plastikmüll vermeiden ist gar nicht so schwer

Plastikmüll ist ein weltweites Problem: Über die Nahrungskette und das Grundwasser gelangt Mikroplastik in den menschlichen Organismus. Doch wie kann man Plastikmüll vermeiden? Ganz geht es nicht.

Zorneding –  Die Energieagentur Ebersberg lud zu einem Fachgespräch ins Zornedinger Rathaus und traf damit offensichtlich einen Nerv, denn der Sitzungssaal platzte aus allen Nähten.

Rund 70 Zuhörer waren zum Vortrag von Manuela Gaßner gekommen. Sie ist Autorin und Dozentin und hat ihren Selbstversuch, Müll zu reduzieren, auf ihrem Blog www.einfachzerowasteleben.de festgehalten. Sie stellte klar: „Zero Waste ist unrealistisch. Aber man kann klein anfangen.“

Die Gründe für den Anstieg von Plastikmüll sieht Gaßner in der Zunahme von Singlehaushalten, dem Trend zu Fertiggerichten und to-go-Produkten, dem Onlinehandel und der allgemeinen Wegwerf-Mentalität. Das Problem: „Plastik verrottet nicht. Es zerfällt nur zu Mikroplastik.“

Dabei kann man im Alltag viel Plastik vermeiden, etwa, indem man beim Einkauf unverpackte Waren bevorzugt und Stoffbeutel von zuhause mitbringt, statt Plastiktüten zu kaufen. Übrigens: „Sogenannte Bioplastiktüten gehören nicht in den Biomüll. Sie verrotten viel langsamer und werden von den Sortieranlagen nicht erkannt“, so die Referentin.

Zum Thema Brot meinte Gaßner: „Die Brotkultur in Deutschland ist Weltkulturerbe. Statt plastikverpackte, im Ausland hergestellte Aufbacksemmeln zu kaufen, sollten wir lieber mit dem Stoffbeutel zum Bäcker gehen.“ Deckelgefäße statt Alu- oder Frischhaltefolie, Küchenutensilien aus Holz, Glas oder Metall statt aus Plastik seien außerdem hygienischer und gesünder: Die in Plastik enthaltenen Weichmacher lösen sich nämlich durch Kontakt mit Fett oder Speichel.

Auch in Kosmetik ist viel Mikroplastik enthalten. Hier helfen beim Einkauf Apps wie ToxFox oder CodeCheck: Mit dem Handy scannt man den Strichcode und erfährt, ob ein Produkt Mikroplastik oder allergene Stoffe enthält. Auch vom BUND gebe es einen entsprechenden Einkaufsratgeber.

Im Haushalt sind Essig, Natron, Salz und Seife die besten Reinigungsmittel, Waschpulver könne man im Großkarton statt in der Hartplastikflasche kaufen, beim Trinken auf Wasser in Glasflaschen setzen.

Müllvermeidung muss auch nicht teuer sein. Gaßner nannte Beispiele: Ein to-go-Müsli kostet pro Kilo über 22 Euro und damit ein Vielfaches einer normalen Müsli-Packung im Großkarton. Kaffeekapseln kosten pro Kilo bis zu 90 Euro, Coffee to go sogar bis zu 300 Euro pro Liter. Hingegen ist ein Kilo fair gehandelter Bio-Pulverkaffee für unter 20 Euro zu haben. Überhaupt: „In München werden pro Tag 190 000 to-go-Becher weggeworfen“, so die Expertin. Kaffeebecher aus Bambus, momentan sehr im Trend, seien keine Alternative: „Auch die sind kunststoffbeschichtet und verrotten nicht.“ Stattdessen empfiehlt sie: „Setzen Sie sich ins Café, nehmen Sie sich die Zeit zum Genießen.“ Zu Wort kamen auch die Zornedinger Corinna Dörr, die einen Plastikfrei-Stammtisch gegründet hat, und Falk Skeide, der die Initiative Plastikmüllpiraten in Kindergärten und Schulen propagiert (wir berichteten). Skeide appellierte an die Zuschauer: „Seien Sie Vorbild!“

VON SUSANNE EDELMANN

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