Hält ihr Büro mit einem Hotline-Job über Wasser: Sabine Geyer (61) vom Reisebüro Bernau in Baldham.
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Hält ihr Büro mit einem Hotline-Job über Wasser: Sabine Geyer (61) vom Reisebüro Bernau in Baldham.

Steigende Immunisierung lässt Reisebüros hoffen

Impf-Nebenwirkung: Urlaubsfieber - Reisebüros hoffen auf Kurzentschlossene

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Das Urlaubsjahr 2021 wird, wenn es überhaupt was wird, eines für Kurzentschlossene. Darin scheinen sich die Reisebüros im Kreis recht einig zu sein. Entscheidender Faktor: Der Fortschritt beim Impfen.

Landkreis - „Mehr als zurückhaltend“ beschreibt Astrid Weber von „Palmareisen“ in Zorneding die Buchungslage. Ein paar Kilometer weiter in Baldham (Gde. Vaterstetten) hört Sabine Geyer vom Reisestudio Bernau immer wieder denselben Satz von ihrer Kundschaft: „Bevor wir nicht geimpft sind, buchen wir keine Reise.“ Wer seinen Urlaub vom vergangenen Jahr auf heuer verlegt habe, tendiere mittlerweile oft zu 2022, um ganz sicherzugehen. „Die Älteren fragen momentan gar nicht an“, sagt Geyer.

Dabei gibt sich die Branche Mühe, den Kunden die Sorge vor der vergeblichen Buchung zu nehmen: Flex-Optionen versprechen kurzfristiges kostenloses Stornieren, verpflichtende Schnelltests sollen Sicherheit im Flugzeug bieten. An Reiselust fehle es ebenso wenig, sagt die Zornedingerin Weber: „Die Leute wollen das Meer sehen, die Seele baumeln lassen.“

An Reiselust fehlt es nicht: „Die Leute wollen das Meer sehen“

Zu der Sorge vor einer Ansteckung komme aber auch jene vor Unverständnis im Bekanntenkreis. „Ein gewisser Druck in der Gesellschaft ist da“, sagt Weber. Das habe sie in ihrem Büro, das auf Mallorca-Reisen spezialisiert ist, mitbekommen, seit jüngst wieder die ersten Maschinen in Richtung der Balearen-Insel abhoben. Neben einzelnen Buchungen habe es die eine oder andere Wut-Mail als Reaktion auf den entsprechenden Palmareisen-Newsletter gegeben. Tenor: Wie man jetzt nur in Urlaub fahren könne. Zu Unrecht, findet die Chefin des Büros: Anders als in vielen Medien dargestellt, habe es weder volle Flugzeuge noch einen Massenansturm auf die Insel gegeben. Ihre Kollegin Geyer berichtet, jene die gebucht hätten, hätten den Urlaub nicht bereut – etwas Verständnis für den Unmut im Land habe sie aber schon.

Buchungen hängen vom Impffortschritt in Deutschland ab - aber nicht nur

Im Sommer könnte sich die Reiseskepsis in Reiselust verwandeln, hofft Weber. Mit dem Fortschreiten der Impfkampagne und sinkenden Infektionszahlen, so die Theorie, könnten die Buchungen schnell kräftig anziehen – gerade, wenn die Zielländer auch durchgeimpft seien; weit seien beispielsweise Irland und Island. Etwas skeptischer ist da ihre Kollegin aus Baldham. Sabine Geyer vermutet: „Der Sommer wird sehr verhalten sein.“ Und weil im Winter vor allem Fernreisen gefragt seien, hänge dann der Buchungserfolg mit davon ab, wie der ärmere Süden der Welt mit den Impfungen vorankomme. „Erst nächstes Jahr“, sagt Geyer darüber, wann sie wieder mit einer Art Normalisierung des Reisemarktes rechnet.

Ärgert sich über Kritik an Mallorca-Urlaubern: Astrid Weber (46) von Palmareisen in Zorneding.

Gefragt sind Urlaubsziele in Europa - am besten solche, wo man mit dem Auto hinkommt

Gemeinsam haben die beiden Reise-Maklerinnen also die Hoffnung auf schnelles, flächendeckendes Impfen. Und beide raten eher zur Pauschalreise, wegen besserer Stornierungsmöglichkeiten. Die Zornedingerin Weber beobachtet bei den wenigen Buchungen, die bei ihr eingehen, einen Trend zum kleinen Hotel in der Toskana, der abgelegenen Ferienwohnung in Kroatien oder einem Inlands-Ziel – wo man mit dem Auto hin- und auch schnell wieder heimkomme. „Dank der Schnelltests haben die Leute auch im Flugzeug keine Angst“, sagt wiederum die Baldhamerin Geyer. Auch sie sieht aber einen Fokus auf Reiseziele in Europa – beliebt, falls man das derzeit überhaupt so sagen kann, seien Verwöhn-Urlaube auf den griechischen Inseln.

Beide Reisebüro-Besitzerinnen sind übrigens dem Ebersberger Landratsamt dankbar, dass sie und ihre Mitarbeiter in der aktuellen Reiseflaute für das Corona-Bürgertelefon arbeiten dürfen und dort dank täglicher Updates nicht nur zu Reisethemen beraten – gegen Bezahlung, versteht sich. Sabine Geyer sagt: „Das hält uns über Wasser.“

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