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Amelie Fried liest in Zorneding aus ihrem neuen Roman „paradies“ vor.

Journalistin Amelie Fried stellt in Zorneding ihren neuen Roman vor

Lesung aus dem Paradies

Journalistin, Moderatorin und Bestsellerautorin Amelie Fried war zu Gast beim „Literarischen Herbst in Zorneding“ und stellte dort den rund 50 zumeist weiblichen Zuhörern ihren neuen Roman „Paradies“ vor.

Zorneding – In dem Buch geht es um vier sehr unterschiedliche Frauen, die zufällig zeitgleich Wellness-Urlaub auf einer Insel machen. Innerhalb der Reisegruppe treffen die verschiedensten Charaktere aufeinander und als ein Sturm die Insel vom Festland abschneidet, spitzt sich die Situation dramatisch zu.

„Das war mein schwierigster Roman wegen der vielen Erzählperspektiven“, erzählte Fried und gestand, dass sie zwischenzeitlich sehr gekämpft habe. Unterstützung erhielt sie von ihrem Mann, dem Drehbuchautor Peter Probst: „Seine Kritik ist für mich sehr, sehr wertvoll.“ In mehreren Leseabschnitten machte Fried neugierig auf das Buch: Zwischen Yoga, Körpererfahrung und Tantra ließ sie die Protagonistinnen die ersten zwischenmenschlichen Spannungen aufbauen. Erotik kam dabei ebenso vor wie Gesellschaftskritik, als eine der Figuren ein Flüchtlingslager hinter den Luxushotels entdeckt. Die Idee zum Roman sei ihr auf einer Yogamatte gekommen: „Ich lag da mit Blick aufs Meer und dachte an all die Missstände auf dieser Welt, spürte den krassen Kontrast und dachte, daraus muss ich was machen.“

Dann kam der Autorin die Idee einer Gruppe, die auf engem Raum eingeschlossen ist: „Das war eine spannende Versuchsanordnung.“ Jedes ihrer Bücher habe ein ernstes Thema, unterhaltsam verpackt. „Hier ist die Botschaft: Wenn jeder sich um sich selbst kümmert, ist noch längst nicht jedem geholfen.“ Auf amüsante Weise beantwortete Fried die Fragen des Publikums, etwa die, ob sie sich Anregungen für ihre Romanfiguren aus dem Freundeskreis hole. Dazu hatte sie eine Anekdote von ihrem ersten Roman „Traumfrau mit Nebenwirkungen“ parat: „Ich habe einen Ex-Freund im Buch verewigt, aber er hat sich selbst nicht erkannt.“ Wichtig sei ihr, alle ihre Figuren zu mögen, auch wenn sie ambivalent seien, was ja gerade das Spannende an ihnen sei. Nur bei einer Figur in „Paradies“ habe sie Probleme gehabt, nämlich bei der esoterisch angehauchten Larissa: „Persönlich bin ich ein sehr rationaler Mensch. Ich lief Gefahr, Larissa zu überzeichnen und lächerlich zu machen.“ Zum Glück fand sie einen guten Weg, Larissa glaubhaft zu beschreiben, dabei half ihr auch eine gründliche Recherche: „Da bin ich ganz Journalistin.“ Gefragt nach dem Spagat zwischen Fernsehen und Bücherschreiben, gestand sie: „Irgendwann kam der Punkt, wo im TV keine Herausforderungen mehr kamen. Das Fernsehen wird ja auch nicht besser.“ Zum Schreiben kam sie über ihren Mann. Als der Trend Frauenliteratur aufkam, meinte er zu ihr: „Amelie, das kannst Du besser.“ Überhaupt Frauenliteratur: Kritik daran pariert sie mit einem Zitat von Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki. Der habe einmal gesagt: „Frauenliteratur, was soll das sein? Es gibt nur gute oder schlechte Literatur.“ „Paradies“ ist im Heyne-Verlag erschienen und im lokalen Buchhandel erhältlich. 

Von Susanne Edelmann

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