+
 Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende am Sonntag im Gottesdienst

Zorneding

Pfarrer verlässt Gemeinde - wegen Morddrohungen

  • schließen

Zorneding - Der aus dem Kongo stammende Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende der katholischen Pfarrei St. Martin verlässt die Gemeinde, weil er Morddrohungen erhalten hatte. Ndjimbi-Tshiende hatte sich klar gegen rechtspopulistische Äußerungen der ehemaligen CSU-Ortsvorsitzenden gestellt.

Erst zum Ende des Sonntagsdottesdienstes rückte gestern Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende mit der weitreichenden Entscheidung heraus: Er wird zum 1. April Zorneding (Kreis Ebersberg) verlassen. Und nannte als Grund für die überraschende Nachricht: „Erfahrungen in der letzten Zeit“. Dass es sich bei diesen „Erfahrungen“ nach Informationen unserer Zeitung um Morddrohungen gegen ihn handelt – in mündlicher wie in schriftlicher Form – erwähnte der Geistliche nicht. Der Pfarrer, der 2012 in die Gemeinde gekommen war, wollte sich auch gegenüber unserer Zeitung dazu nicht äußern und verwies auf das Erzbischöfliche Ordinariat in München. Die Kirchengänger reagierten zum Teil geschockt auf die Information. 

Am Freitag noch hatte eine Delegation des Erzbistums unter anderem den Pfarrgemeinderat von der Entscheidung informiert. Der Weggang des Pfarrers hat eine dramatische Vorgeschichte. Der Seelsorger hatte im vergangenen Jahr fremdenfeindliche Äußerungen der damaliger CSU-Ortsvorsitzenden Sylvia Boher kritisiert. Darin hatte die Kommunalpolitikerin Flüchtlinge unter anderem als „Invasoren“ bezeichnet. Als Reaktion auf die deutliche Kritik des Priesters hatte Bohers Stellvertreter Johann Haindl gesagt: „Der muss aufpassen, dass ihm der Brem (Zornedings Altpfarrer; Anmerkung der Redaktion) nicht mit dem nackerten Arsch ins Gesicht springt, unserem Neger.“ Diese Äußerung löste im vergangenen November großen Wirbel aus  und führte dann zu den Rücktritten von Boher und Haindl von der örtlichen CSU-Spitze. Boher blieb aber Gemeinderätin. 

Dass es in den vergangenen fünf Monaten nun auch noch zu Morddrohungen gegen den gebürtigen Kongolesen gekommen ist, sorgt in Zorneding für Betroffenheit. „Ich bin extrem erschüttert“, sagte Jutta Sirotek, kommissarische CSU-Ortsvorsitzende. „In keinem Fall kann ich nachvollziehen, was einen Menschen dazu bringt, so etwas zu tun.“ Sie bedauere den Weggang zutiefst. Bürgermeister Piet Mayr (CSU) macht für die Drohungen „Psychopathen“ verantwortlich. 

Wohin Olivier Ndjimbi-Tshiende als Pfarrvikar wechseln wird, konnte er gestern noch nicht sagen. Heute wird das Ordinariat offiziell den Weggang des Pfarrers mitteilen. Ohne Hinweis auf die Morddrohungen.

Mittlerweile hat sich Pfarrer Ndjimbi-Tshiende zu seiner Zeit in Zorneding und seinem bevorstehenden Weggang geäußert.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Betreuungs-Schock in Ebersberg: Über 50 Kinder gehen leer aus
So schlecht sah es für Ebersberger Familien seit vielen Jahren nicht mehr aus: Nach Grafing ist nun auch in der Kreisstadt der Betreuungsnotstand ausgebrochen.
Betreuungs-Schock in Ebersberg: Über 50 Kinder gehen leer aus
Streit um parkende Fahrzeuge: 34-jährigem Autofahrer Messer in den Bauch gerammt
Ein 34-jähriger Mann aus dem Landkreis Ebersberg hat einen Streit mit zwei Bauarbeitern mit schweren Verletzungen bezahlen müssen. Ihm wurde ein Messer in den Bauch …
Streit um parkende Fahrzeuge: 34-jährigem Autofahrer Messer in den Bauch gerammt
Werden Bäume für Kinderhaus gefällt? 
Die Gerüchteküche brodelt. Und es gibt ersten Widerstand. Werden Bäume für ein Kinderhaus gefällt?  Was wird aus dem Schulwäldchen in Vaterstetten? 
Werden Bäume für Kinderhaus gefällt? 
Gestürzt: Frau will 25 000 Euro von Grafinger Geschäft
Sie wollte für ihre Schwiegertochter ein Oberteil kaufen und brach sich beide Füße. Jetzt hat eine 70-Jährige ein Bekleidungsgeschäft in Grafing wegen mangelnder …
Gestürzt: Frau will 25 000 Euro von Grafinger Geschäft

Kommentare