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Der Pfarrer hat Zorneding bereits verlassen - auch eine Online-Petition wird ihn nicht aufhalten.

Er hat die Gemeinde bereits verlassen

Pfarrer von Zorneding: Mehr als 50.000 Unterschriften für Petition

Zorneding -  Am Montag verlies der Zornedinger Pfarrer seine ehemalige Gemeinde. Am Sonntag hatte er dies nach langer rassistischer Hetze ihm gegenüber verkündet. Auch eine Petition dürfte den dunkelhäutigen Priester kaum umstimmen.

Der nach Morddrohungen zurückgetretene dunkelhäutige Pfarrer von Zornedinghat die Kirchengemeinde bereits verlassen. Olivier Ndjimbi-Tshiende habe um seine sofortige Beurlaubung gebeten, teilte ein Sprecher des Erzbischöflichen Ordinariats am Dienstag in München mit: „Er ist weg.“ Die bayerische Staatsregierung verurteilte die Morddrohungen scharf. Auch der Landkreis Ebersberg solidarisierte sich mit dem Priester.

Nach mehreren rassistisch motivierten anonymen Morddrohungen hatte der aus dem Kongo stammende katholischen Geistliche am Sonntag der Pfarrgemeinde mitgeteilt, dass er den Dienst in Zorneding bei München quittieren werde. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Volksverhetzung, Bedrohung und Beleidigung gegen unbekannt.

Die Kirchenleitung rechnet nicht damit, dass eine Online-Petitionden katholischen Priester umstimmen kann. Bis Dienstagnachmittag hatten mehr als 50 000 Menschen die von einer Zornedinger Bürgerin initiierte Aufforderung „Unser Pfarrer soll in Zorneding bleiben“ unterschrieben. Zur Begründung heißt es: „Wenn wir den Weggang des Pfarrers nun stillschweigend akzeptieren, überlassen wir kriminellen Nationalsozialisten das Feld. Wir signalisieren, dass es in Deutschland wieder so weit ist, dass eine Gruppe, die Angst verbreitet, nicht mit Gegenwehr zu rechnen hat.“

Verständnis für den Rücktritt innerhalb der Pfarrei

Der Bistumssprecher nannte den Schritt des 66-Jährigen jedoch „eine persönliche Entscheidung“. Kardinal Reinhard Marx habe dies akzeptiert. Auch in der Pfarrei herrsche Verständnis für den Rücktritt des Priesters.

Das bayerische Kabinett verurteilte die Morddrohungen am Dienstag scharf. Morddrohungen und rassistische Briefe seien „etwas Abscheuliches und Fürchterliches“, sagte Staatskanzleichef Marcel Huber (CSU) nach der Ministerratssitzung in München. „Wir sind zutiefst betroffen, wie viel Hass und Menschenverachtung sogar bei uns hier in Altbayern möglich sind.“ Gegenüber derartigen Vorfällen gebe es „null Toleranz“.

Bayerns SPD-Generalsekretärin Natascha Kohnen erwartet, dass die CSU Oberbayern mit Wirtschaftsministerin Ilse Aigner als Bezirksvorsitzender an der Spitze Klarheit schafft, welche Konsequenzen nach dem Weggang des Pfarrers notwendig sind.

Eine Solidaritätsbekundung kam auch vom Landkreis Ebersberg, zu dem die 9000 Einwohner zählende Gemeine Zorneding gehört. Darin äußern Landrat Robert Niedergesäß (CSU) und alle 21 Bürgermeister des Landkreises ihr Entsetzen über die Morddrohungen gegen den Geistlichen. „Dieses verabscheuungswürdige Verhalten Einzelner verurteilen wir auf das Allerschärfste“, heißt es in dem Brief. „Wir schämen uns für dieses unwürdige und inakzeptable Verhalten einzelner Menschen in unserem Landkreis.“ Die Bevölkerung „in ihrer sehr breiten Mehrheit“ verurteile die rassistische Hetze ebenfalls.

Bürgermeister hofft, dass die Drohbriefe nicht aus Zorneding stammen

Der Zornedinger Bürgermeister Piet Mayr (CSU) hatte die Morddrohungen bereits am Montag „auf das Schärfste“ verurteilt. „Ich hoffe, dass die Täter ermittelt werden“, sagte der Rathauschef. Er wünsche sich, dass die Drohbriefe nicht aus der Bevölkerung von Zorneding stammen, fügte Mayr hinzu. Er erinnerte aber auch daran, dass die Hetzkampagne gegen den Pfarrer erst nach ausländerfeindlichen Äußerungen von Zornedinger CSU-Mandatsträgern begonnen hatte. „Die Vorgeschichte erklärt, woher die Morddrohungen nach der bundesweiten Berichterstattung kommen könnten.“

Die damalige CSU-Ortsvorsitzende Sylvia Boher hatte im vergangenen Herbst im Partei-Mitteilungsblatt geschrieben, Bayern werde von Flüchtlingen überrannt. Sie sprach gar von einer Invasion. Als Ndjimbi-Tshiende die Äußerungen verurteilte, beschimpfte Bohers Stellvertreter Johann Haindl den Pfarrer als „Neger“, der aufpassen müsse, „dass ihm der Brem (früherer Pfarrer von Zorneding) nicht mit dem nackerten Arsch ins Gesicht springt“. Boher und Haindl mussten den Vorsitz der Zornedinger CSU auf Druck der Parteispitze abgeben. Ihr Gemeinderatsmandat behielt Boher aber, Haindl legte es nieder. In wenigen Wochen soll die Nachfolge im CSU-Ortsverband geregelt werden.

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dpa

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