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Im Verein mitwachsen: Der neue Vorsitzende der Bianga, Michael Tristl (26), und sein langjähriger Vorgänger im Pöringer Ortsverein Willi Ficker ( 59).

Generationwechel bei den Biangern

Ein Verein, ein Ziel: Hauptsache Pöringer

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Der Erhalt und die Förderung der örtlichen Gemeinschaft ist das Hauptziel des Vereins. Die Rede ist von die Biangern, die einen Generationswechsel vollzogen.

Pöring – Den Versuch der „Revolution“ hatte es vor ein paar Jahren gegeben. „Doch das war schnell vorbei“, sagt Michael Tristl (26), von Beruf Elektromeister, neuer Vorsitzender der „Bianga“. Auch unter ihm bleibt es dabei: Frauen dürfen nicht Mitglieder im Pöringer Orts-Verein werden. Eine weitere strenge Regel bleibt ebenfalls unangetastet. Beitreten können nur Männer, beziehungsweise männliche Jugendliche ab 16 Jahren, die auf dem Gebiet der ehemaligen Gemeinde Pöring wohnen, inklusive Ingelsberg und Wolfesing, also vor der Eingemeindung nach Zorneding. Andere Streitthemen spielen keine Rolle wie beispielsweise die Frage, ob 1860 oder Bayern, ob Blau oder Rot. „Wir sind alles Blaue, nur der Willi, der ist ein Roter“, meint Tristl und lacht.

Geographische Herkunft spielt keine Rolle

Willi, das ist Willi Ficker (59), Entwicklungsingenieur in der Luftfahrtbranche, über 30 Jahre im Vorstand und ab 2003 bis zum Wechsel Vorsitzender. „Wir haben natürlich beide Lager. Im Verein gibt es auch Nürnberger oder Frankfurter.“ Die geografische Herkunft spielt ebenfalls keine Rolle. „Wir haben Leute aus Mecklenburg-Vorpommern, und wir hatten sogar einen Dänen als Mitglied“, erzählt Ficker. Also egal, ob alteingesessen oder zugezogen. Hauptsache Pöringer. Nicht hinziehen lassen will sich der Verein in die immer wieder aufkommende Debatte, ob das eingemeindete Pöring von Zorneding schlecht behandelt wird oder andere Debatten dieser Art. „Wir reden intern darüber“, so Ficker, der auch Gemeinderat ist. „Jeder hat seine Meinung. Aber der Verein bezieht da offiziell keine Position.“

Entstanden am Stammtisch

Entstanden ist die Organisation 1963 aus einem Stammtisch. Dann gab es einen Burschenverein. Als viele der jungen Männer heirateten, durften sie satzungsgemäß nicht mehr mit dabei sein. Also wurde die Struktur geändert. Seitdem ist als Vereinszweck festgeschrieben: Pflege der dörflichen Gemeinschaft über die Generationen hinweg. Organisiert werden Faschingsveranstaltungen, das Weinfest, das „Weihnachtsstandl“ (Ficker: „Das machen die Frauen, die Männer unterstützen“), und alle fünf Jahre stellen die „Bianger“ den örtlichen Maibaum auf. Das war auch der Grund für Willi Ficker, dem Verein beizutreten. „Damals wurden Helfer für die Maibaumwache gesucht. Mein Bruder hat mich angemeldet. Und seitdem bin ich dabei.“ Dieser traditionelle bayerische Brauch ist für den Verein ein Jungbrunnen. Jedesmal mit dem Maibaum kommen neue Mitglieder. Die Arbeit am Baum, das Maibaustüberl, die Wachen, das Gemeinschaftsgefühl. „Das ist immer ein großes Ereignis“, sagt auch Tristl.

Keine Nachwuchssorgen

Nachwuchssorgen gibt es nicht. „Bei der Jahreshauptversammlung waren 65 von 100 Mitgliedern da. Das könne sich andere Vereine gar nicht vorstellen“ freut sich Ficker. Auch der Generationswechsel im Vorstand war ohne Probleme. „Wir haben alles ausgesprochen“, betont Tristl. „Wir hätten keinen besseren Übergang haben können.“ Es muss von den Neuen ja nicht „zwingend alles besser sein“, meint er nachdenklich. „Wir dürfen schon noch mitreden“, ergänzt Ficker. Natürlich gebe es auch im Verein Konflikte, auch zwischen Jung und Alt. „Es gibt immer Diskussionen. Der Austausch ist ja nicht verkehrt“, sagt Tristl. „Wichtig ist, dass man sich hinterher wieder gegenseitig anschauen kann. Das haben wir.“ 

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Das gehört ja auch zum Vereinsziel. „Wenn sich beispielsweise beim Jahresessen ein 16-Jähriger mit einem 80-Jährigen unterhält oder sie gemeinsam Karten spielen, dann ist das doch schön“, so Ficker. Ein Aspekt ist dem neuen Chef auch ganz wichtig. „Die Jungen können im Verein mitwachsen, lernen Verantwortung zu übernehmen.“ Und: „Den Leuten wird inzwischen wieder bewusster, wie wichtig Fragen sind wie: Wo gehöre ich hin? Wo komme ich her?“, sagt Tristl. „Halt finden in einer Zeit, die immer schnelllebiger wird.“

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