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Beim Kindergarten St. Georg in Pöring wurden in einem feierlichen Akt Friedenspfähle enthüllt.

Naturkindergarten St. Georg in Pöring enthüllt Mahnmale

Friedenspfähle erinnern an ein Urbedürfnis

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Kerzengerade stehen die Stelen auf einem Hügel, dem Schlittenberg, gut sichtbar von der Straße von Eglharting nach Pöring, am Naturkindergarten St Georg. Symbol für Frieden.

Pöring - Verschiedene Elemente schmücken die Kunstwerke, die vor allem von den Kindern gestaltet wurden. Zudem gibt es Schrifttafeln an den Pfählen mit Sprachen aus den Ländern, aus denen die Mädchen und Buben in der Einrichtung (Krippe, Kindergarten und Hort) kommen: Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Rumänisch, Arabisch, Chinesisch, Vietnamesisch, Griechisch, Spanisch, Japanisch.

Fröhliche Veranstaltung - trotz ungemütlicher Temperaturen

Eltern lasen den Text in ihrer Muttersprache vor. Am Wochenende wurden die „Friedenspfähle“ offiziell enthüllt, mit einem Friedensfest, singenden Kindern und offiziellen Reden. Eine fröhliche Veranstaltung, trotz ungemütlicher Temperaturen. Auch weiße Tauben stiegen auf.

Die „World Peace Prayer Society“, von der diese Idee der Stelen ausgeht, ist eine Nichtregierungsorganisation bei der UNO. Die Gesellschaft sieht ihre Aufgabe darin, Menschen auf der ganzen Welt im Friedensgebet „Möge Friede auf Erde sein“ zusammenzubringen. Gegründet wurde sie 1955 vom japanischen Lehrer, Dichter und Philosophen Masahisa Goi (1916 – 1980). Tief bewegt von den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges suchte er nach Wegen zum Frieden und kam zu dem Ergebnis, dass die schlichten und doch kraftvollen Worte „Möge Friede auf Erden sein“ gleichermaßen eine Zusammenfassung der Friedenssehnsucht aller Menschen sei, auf die sich Angehörige aller Nationen, Traditionen und Religionen einigen könnten. Insgesamt stehen derzeit bereits weit über 250 000 Friedenspfähle in mehr als 160 Ländern auf der ganzen Welt. Sie finden sich in Tempeln, Kirchen, Klöstern, Stadtzentren, Universitäten, Schulen und auch Kindergärten. Sie fungieren als stummes Friedensgebet und ermahnen, stets den Frieden zu visualisieren und für möglich zu halten.

Die „Friedenspfähle“ gefallen nicht allen

Die Pöringer sprechen von Stelen. Offiziell heißen die Gebilde „Friedenspfähle“, was nicht allen gefällt. „Der nächste von hier steht in Waldtrudering. Im Landkreis sind die hier die ersten“, erklärte Dagmar Berkenberg von der Organisation, die sich über die Einweihung und vor allem über das Kinderprogramm freute. Da wurde „Wir sind Kinder dieser Welt. In Asien, in Afrika, überall sind Kinder da.“ gesungen oder der Klassiker: „Give Peace a Chance“ von John Lennon.

Am Anfang war ein Video mit Udo Lindenberg über eine Leinwand geflimmert. Gleich zu Beginn der Veranstaltung schlug Gaby Lindinger, Leiterin des Naturkindergartens, den großen Bogen: „Wenn wir nicht Frieden machen mit unserer Schöpfung, dann hat sich das andere sowieso erledigt.“ Sie sagte auch: „Frieden ist ein Urbedürfnis der Menschen.“

Weiße Tauben als ein schönes Zeichen

Zornedings Bürgermeister Piet Mayr sah in den weißen Tauben, die lange über dem Gelände kreisten und offenbar gar nicht nachhause fliegen wollten, ein schönes Zeichen. Dass es bei uns 70 Jahre Frieden gebe, sei nicht selbstverständlich, so Mayr. Das müsse man sich immer wieder vergegenwärtigen und den Kindern zeigen.

„Das ist das erste Mal, dass ich so etwas erleben darf“, freute sich Landrat Robert Niedergesäß. Er wies darauf hin, dass gleich gegenüber des Kindergartens Menschen in Containern lebten, die „zu uns geflüchtet sind“. Dass hier die Stelen stünden, sei auch ein gewisses Symbol, „ein wunderbares Zeichen, das in die Region ausstrahle“, so Niedergesäß. Die Aktion passe zudem zu der derzeit laufenden „Woche der Toleranz“. Und an alle Beteiligten gewandt lobt der Landrat: „Ihr seid ein Symbol des friedlichen Miteinanders.“

Oft gebraucht, aber nicht erfüllt

„Frieden ist das Wort, das am häufigsten gebraucht, aber nicht gefüllt wird“, so Pfarrer Mathias Häusl. Er dankte für das Engagement und hob die Verantwortung in der Erziehung der Kinder hervor. Und der erinnerte an das große Friedensfest, das fast schon vor der Tür steht: Weihnachten..

Eine weitere Stele wurde vom Künstler Leonhard Krebs gestaltet. Weil die Bewegung in Japan ihren Ausgang genommen hatte, beschäftigte er sich mit Land Sprache und Kultur, ließ sich davon beeinflussen. „Weltoffenheit, sich mit anderen Kulturen auseinandersetzen, ist das wichtigste“, sagt er.

Nach dem offiziellen Teil wurde gemeinsam gegessen. Es gab unter anderem heißen Apfelsaft und verschiedene Suppen.

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