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Miteinander lachen, sich miteinander freuen und miteinander den Tag genießen. Im Juli 1947 heirateten Ursula und Hans Elsner. Jetzt feierten sie Gnadenhochzeit.

Pöringer feiern Gnadenhochzeit

Sie sind seit 70 Jahren ein Paar 

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„Er hat mich immer auf Händen getragen“, sagt Ursula Elsner (91) und blickt liebvoll zu ihrem Ehemann Hans (92). „Aber gekracht hat es auch manchmal.“ Geheiratet hat das Pöringer Paar im Juli 1947, vor 70 Jahren. Jetzt feierte es Gnadenhochzeit.

Pöring – Es war Liebe auf den ersten Blick, als sich die beiden in Magdeburg das erste Mal trafen, damals, am 10. Februar 1946. Hans Elsner, 21 Jahre alt, war bei der Geburtstagsfeier seines Freunde Erich Mook. Der hatte auch seine 20-jährige Schwester Ursula eingeladen. Es hat sofort gefunkt. „Ich kann mich noch ganz genau an alles erinnern, als ob es gestern gewesen wäre“, erzählt die Jubilarin heute. „Der ist der Richtige“, habe sie sich gedacht. „Die oder keine“, ging es auch Hans Elsner durch den Kopf. Es war ein Jahr nach Kriegsende.

Hans Elsner war seit 1942 auf einem U-Boot eingesetzt gewesen. Wegen der vielen schrecklichen Erlebnisse aus dieser Zeit hat er noch heute Albträume. Als er wegen eines Krankenhausaufenthalts bei einer Feindfahrt nicht dabei war, wurde „sein Boot“ durch ein Torpedo versenkt. Alle seine Kameraden versanken im Meer. Später kämpfte der junge Mann in Ostpreußen gegen die vorrückende Rote Armee.

Ursula Mook hatte in Magdeburg Angst um ihre Brüder, die an der Ostfront waren. Angst hatte sie auch um das Leben ihrer Eltern und ihr eigenes, als bei den Luftangriffen auf die Stadt die Bomben fielen.

Aber als die beiden zwei Jahre nach dem Krieg heirateten, war das Leben für das junge Paar schön. Auch wenn es an vielem fehlte. Die Lebensmittel für die Feier wurden auf dem Schwarzmarkt organisiert, die Brautmutter hatte zum Nähen des Brautkleides Fallschirmseide gesammelt, der Bräutigam trug einen Anzug aus der Familie seines Chefs.

Danach Familienglück. Zwei Töchter kamen zur Welt. Ursula Elsner arbeitete als gelernte Bürokauffrau in der Personalabteilung eines großen Werkes. Eines Tages musste sie ihren Posten räumen, weil sie „politisch nicht tragbar“ sei, so die Begründung. Ehemann Hans Elsner war im gleichen Werk Facharbeiter, verdiente gut, erhielt hohe Prämien, war „Brigadier für hohe Qualität“. Doch dann war er beim Volksaufstand am 17. Juni 1953 dabei. 1955 flüchtete Elsner mit dem Motorrad nach Westen. Seine Frau kam wenig später nach. Sie wollten ihren Kindern die „Erziehung im sozialistischen Geist“ ersparen. Doch zunächst blieben die Mädchen bei Ursula Elsners Mutter in Magdeburg zurück. Getrennt zu sein, „das war das Schlimmste in meinem Leben“, erzählt die Jubilarin heute. Aber als sich die Oma mit den beiden Kindern bei einer Behörde melden sollte, setzte sie die sechs beziehungsweise acht Jahre alten Mädchen kurzerhand in den Zug nach Westen. Wenig später war die Familie wieder vereint. Im Westen kam auch der Sohn zur Welt.

Hans Elsner fand eine gute Anstellung bei der Haarer Firma Wanderer samt Firmenwohnung, seine Frau Ursula wurde Sekretärin bei einer großen Versicherung. Um die Familienkasse aufzubessern, brachte sie oft zusätzliche Arbeit mit nach Hause, um sie in der Nacht zu erledigen. „70 Pfennig bekam ich damals pro Brief“, erzählt sie.

Erst später konnte sich das Paar größere Reisen leisten. Mit dem Wohnmobil war es in ganz Deutschland unterwegs, von Norwegen bis Gibraltar. Hans Elsner widmete sich seinem Hobby, den Uhren. Und der Jubilar ist heute noch sportlich aktiv und mit seinem Elektrofahrrad unterwegs.

2006 zog das Paar nochmals um, nach Pöring, weil dort eine Tochter wohnte. Die neue Wohnung war ebenerdig, nicht im zweiten Stock ohne Aufzug wie in Haar. Gemeinsam schauen sich Ursula und Hans Elsner gerne Nachrichten und politische Magazine an. Sie sind bestens informiert und können überall mitreden. Aber wie schafft man 70 Jahre Ehe? Ursula Elsner hat ein einfaches Rezept: „Die Liebe hört einfach nimmer auf.“ Und ihr Mann stimmt ihr zu.

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