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André Mol übergab an Bürgermeister Piet Mayr einen „Protestball“ und sagte: „Die Gemeinde wächst, da ist es nicht logisch, die Freizeitflächen zu verkleinern.“

Aufstand eines ganzen Ortsteiles in der Bürgerversammlung

„Wir sind Pöring, nicht Poing!“

Mit fast 300 Personen war die Zornedinger Bürgerversammlung heuer so gut besucht wie schon lange nicht mehr. Und es wurde turbulent.

Pöring – Großes Lob gab es zuerst für die Verlegung der Veranstaltung ins barrierefreie Feuerwehrhaus und das Engagieren zweier Gebärdendolmetscher.

Vor allem das geplante Baugebiet an der Tannenstraße brannte den Pöringern auf den Nägeln. Eine Gruppe von Bürgern verteilte Flugblätter und hatte Fußbälle als Zeichen des Protests mitgebracht. Einen Ball übergab André Mol an Bürgermeister Piet Mayr und sagte: „Die Gemeinde wächst, da ist es nicht logisch, die Freizeitflächen zu verkleinern. Für den Bolzplatz gibt es keine Alternativflächen und wir wollen Pörings liebenswerten ländlichen Charakter erhalten.“ Dafür erntete er tosenden Applaus aus dem Publikum.

Mayr hatte schon in seinem Rechenschaftsbericht versucht, die Wogen zu glätten: Rund 650 Flugblätter mit Anregungen seien bei ihm eingegangen. Diese würden ebenso wie die Wortmeldungen in der Bürgerversammlung protokolliert und dem Planungsverband zur Prüfung vorgelegt. Mayr versprach, dann einen öffentlichen Erörterungstermin anzusetzen, bei dem alle interessierten Bürger ihre Einwände vorbringen könnten.

Harald Kummerer fragte, warum hinter der letzten Häuserreihe in der Köhlerstraße gebaut werden dürfe, während Baulücken an zentraleren Stellen des Wohngebiets nicht geschlossen werden können: „Da spricht man von Ortsabrundung und schraubt hinten eine Warze dran.“ Zudem sei es offensichtlich, dass die Fläche des Bolzplatzes um ein Drittel kleiner werde, während das Bauamt von einer optischen Täuschung spreche. Aus dem Publikum kam ein Zwischenruf: „In Zorneding werden die Sportplätze immer mehr und in Pöring weniger!“

Georg Wimmer schimpfte, die Gemeinde habe das Mehrfamilienhaus am Köhlerweg, das nun abgerissen werde, absichtlich verkommen lassen, woraufhin Mayr vorrechnete, dass die Kosten der Sanierung nach energetischen Vorschriften selbst in über 40 Jahren nicht von den Mieteinnahmen aufgefangen werden könnten.

Um das geplante Baugebiet in der Georg-Münch-Straße ging es in dem Antrag, den Christian Baretti zusammen mit weiteren Anwohnern in der Versammlung stellte. Sie sorgen sich um den Ortscharakter: „Wir wollen keine Messestadt light, wir sind Pöring, nicht Poing!“ Deshalb solle die Geschossfläche der Häuser verringert werden und soziale Infrastruktur geschaffen werden: „Bei der Kinderbetreuung heißt das, nicht nur Plätze für das neue Wohngebiet zu schaffen, sondern auch den bestehenden Bedarf zu decken“, so Baretti.

Der Antrag wurde mit großer Mehrheit befürwortet, der Gemeinderat muss sich daher in den nächsten drei Monaten damit befassen. Zudem versprach Mayr auch hier, den Antrag als Einwendung an den Planungsverband weiterzureichen.

Auch das Thema Verkehr erregte die Gemüter: Robert Sonntag beklagte, dass Lastwagenfahrer statt der Umgehungsstraße die Abkürzung durch den Ort und die Bucher Straße nutzen, Willem Wieringa bemängelte, dass die Autos in der Herzog-Albrecht-Straße viel zu schnell unterwegs seien und Yvonne van der Linden kritisierte die häufig ausgeschaltete Ampel am Radweg an der Ingelsberger Straße.

Franz Köppl klagte, dass er schon seit über einem Jahr vergeblich bei der Gemeinde vorstellig werde, um die Schulwegsituation an der Ecke Grünlandstraße/Summererstraße zu entschärfen. Mayr räumte ein, dass es im Rathaus Abstimmungsprobleme gegeben habe, versprach aber eine baldige Abhilfe.

Klagen gab es auch zum Zornedinger Bahnhof. Eine Rollstuhlfahrerin fasste es so zusammen: „Der Bahnhof ist scheiße!“ und erntete dafür großen Applaus. Mayr äußerte großes Verständnis für die Klagen, gab aber zu bedenken, dass ein Aufzug über sieben Millionen Euro kosten würde. Auch gegen das teils regelwidrige Parken der Abholer habe er leider kein Patentrezept. Die Bürgerversammlung endete nach über drei Stunden und mehr als 20 Wortmeldungen. Die Verwaltung hat jede Menge Hausaufgaben bekommen.

Von Susanne Edelmann

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