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Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende (66) im Gottesdienst.

Beschimpfungen und Morddrohungen

Nach dem Rücktritt: So geht es dem Zornedinger Pfarrer

Zorneding - Der aus dem Kongo stammende Zornedinger Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende hat um Verständnis für seinen Rücktritt nach rassistischen Beschimpfungen und Morddrohungen gebeten.

Olivier Ndjimbi-Tshiende (66) fühle sich nun erleichtert, nachdem er der Gemeinde am Sonntag seinen Weggang angekündigt habe, teilte das Erzbistum München-Freising am Montag mit. Die Situation sei für ihn sehr belastend gewesen, gleichwohl blicke er nun ohne Verbitterung auf seine Zeit in Zorneding zurück.

Der Priester hatte sich gegen rassistische Äußerungen der ehemaligen CSU-Ortsvorsitzenden Sylvia Boher positioniert. Deren Vize Johann Haindl hatte Ndjimbi-Tshiende als „Neger“ beschimpft.

Ndjimbi-Tshiende, der seit 2012 an der Spitze der katholischen Gemeinde des im Münchner Umlands gelegenen Zorneding steht, hatte seine Gemeinde am Sonntag darüber informiert, zum 1. April zu gehen. Er begründete dies unter anderem damit, dass er fünf Morddrohungen bekommen habe. Das Erzbistum des Münchner Kardinals Reinhard Marx erklärte, die Entscheidung sehr zu bedauern, diese aber mit zu tragen und an der Seite des Pfarrers zu stehen.

Wie das Erzbistum mitteilte, begannen die rassistischen Beschimpfungen im vergangenen Herbst. Damals hatte sich Ndjimbi-Tshiende offen gegen die Spitzen der örtlichen CSU gestellt. Deren damalige Vorsitzende hatte in einem Parteiblatt Flüchtlinge als "Invasoren" bezeichnet, der Vize-Vorsitzende beleidigte den Pfarrer nach dessen Kritik an dem Artikel als "Neger".

In die Affäre hatte sich im Herbst auch die oberbayerische CSU-Bezirksvorsitzende Ilse Aigner eingeschaltet. Die beiden kommunalen Mandatsträger mussten ihre Ämter mittlerweile aufgeben. Die kommissarische CSU-Ortsvorsitzende Jutta Sirotek sagte dem "Münchner Merkur", sie sei "extrem erschüttert", dass es auch noch zu Morddrohungen gegen den Pfarrer gekommen sei.

Ende März scheidet der 66-Jährige als Pfarrer der nahe München gelegenen Gemeinde aus und übernimmt eine neue Aufgabe in der Erzdiözese. In seiner Erklärung erinnerte er daran, dass er sich 2012 in der Gemeinde gut und freundlich aufgenommen gefühlt habe. Er wisse, dass viele seinen Weggang bedauerten, blicke nun aber nach vorne und freue sich auf den vor ihm liegenden Dienst an einem anderen Ort.

Gegen den Weggang des Pfarrers gibt es inzwischen eine Online-Petition, die den Geistlichen zum Bleiben bewegen soll. Bis Dienstagmittag erhielt der Aufruf mehr als 45.000 Unterschriften.

dpa/AFP/ja

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