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So wie in der Nachbargemeinde Vaterstetten soll nach Vorstellungen der SPD in Zorneding ein Bus auch die Dörfer anfahren. 

Streit um Zornedinger Buslinie

SPD gegen alle

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Die Zorndinger SPD ist enttäuscht, dass ihr Vorschlag für einen Rundbus ausgebremst wurde und kritierte nun die anderen Fraktionen im Gemeinderat.  Die Grüne werfen den Genossen allerdings vor, die Fakten zu verdrehen.

Zorneding – Die Zornedinger SPD ist enttäuscht über die Entwicklung bei ihrem Vorschlag zu einem Rundbus, mit dem neben Zorneding und Pöring auch die Orte Ingelsberg und Wolfesing angebunden hätten werden sollten. Werner Hintze, SPD Gemeinderat und Ortsvorsitzende der der Sozialdemokraten, greift alle anderen Fraktion im Gremium an, vor allem aber die Grünen. Die wehren sich und halten ihrerseits Hintze vor, er verdrehe nicht nur die Fakten, er zitiere auch noch „wissentlich falsch“ und versteige sich zu beleidigenden Äußerungen.

Das Landratsamt hatte Vorarbeit geleistet und Rahmendaten zusammengestellt. Die Fahrzeit für eine Tour im Ringverkehr würde etwa 37 Minuten betragen. An Werktagen könnte der Bus zwischen sechs und 19 Uhr fahren, mit einem 40-Minuten-Takt innerhalb der Hauptverkehrszeiten, ansonsten mit einem 60-Minuten-Takt. Die Kostenschätzung für die Buslinie liegt zwischen 147 500 und 180 000 Euro im Jahr, wobei noch keine Folgekosten berücksichtigt sind, die etwa durch Umbaumaßnahmen an den Haltestellen erforderlich würden. Der Antrag der SPD wurde im Gemeinderat mit deutlicher Mehrheit abgelehnt (wir berichteten).

Die SPD kritisiert jetzt die Grünen. „Meine Familie braucht den Bus nicht, dann braucht ihn Zorneding auch nicht.“ So lasse sich zusammenfassen, wie Grünen-Fraktionssprecher Helmut Obermaier Zweifel an hinreichenden Fahrgastzahlen begründete, „um den Antrag für eine Buslinie kaltschnäuzig abzulehnen“, so Hintze. Die Kommentare der anderen Fraktionen hätten ähnlich geklungen. Wer nicht Auto fahren könne, solle zu Fuß gehen oder ein Taxi nehmen. Das seien die Ratschläge an die Bürger gewesen, die sich eine Verbesserung ihrer Lebensqualität erhofft hätten, heißt es bei der SPD. „Unsere Vorstellungen zum Umgang mit Kindern, Senioren und weniger Begüterten sehen anders aus und die allseits beklagten Folgen des zunehmenden Autoverkehrs bekommt man so auch nicht in den Griff.“

Alle Fraktionen hätten den Antrag der SPD als Einstieg für eine Prüfung, wie ein innerörtlicher öffentlicher Personennahverkehr realisiert werden könnte, sehr hilfreich gefunden, konterte Obermaier am Donnerstag. Er habe argumentiert, dass das vorgelegte Konzept durchaus wünschenswert sei, „nur es fehlt mir der Glaube, dass die Buslinie auch angenommen wird“. Untermauert habe er dies mit der Aussage, „dass ich mich im Bekanntenkreis und der Nachbarschaft umgehört habe und von dort kein besonderer Bedarf signalisiert wurde“.

Hauptargument seien jedoch die Kosten gewesen, so Obermaier. Die Buslinie würde der Gemeinde in der vierjährigen Erprobungsphase über eine halbe Million Euro an Zuschüssen abverlangen. Für deutlich weniger Geld gäbe es die Möglichkeit eine viel effizientere Lösung zu verfolgen, nämlich die Einführung eines sogenannten Ruftaxis. Dies hätten die Fraktionen der FWG, FDP und CSU genauso gesehen. Der Gemeinderat einigte sich darauf, zunächst eine Bedarfserhebung durchzuführen und danach eine Entscheidung zu treffen, welche Lösung, also Ruftaxi oder Buslinie, weiterverfolgt werden soll.

Die Einführung eines Ruftaxisystems hätten die Grünen bereits gefordert, als der Gemeinderat die Installierung eines Aufzuges am Bahnsteig wegen der immensen Kosten abgelehnt habe, betonte Obermaier. „Ich verwahre mich also ausdrücklich gegen die Äußerungen des SPD-Sprechers Werner Hintze.“ Auch die von der SPD dargestellten Redebeiträge der anderen Fraktionen seien so nicht gefallen, werfen die Grünen Hintze vor.

Aufgeben wollen die Genossen beim Ringbus nicht. „Wir werden der Verwaltung auf den Fersen bleiben und die versprochene Bedarfsermittlung kritisch begleiten, damit dieses ÖPNV-Projekt nicht dasselbe Schicksal erleidet wie der seinerzeit von Grün-Schwarz vollmundig angekündigte Transportservice anstelle von Liften am Zornedinger Bahnhof“, kündigte Hintze an. 

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