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Wegen des verdachtes der Brandstiftung muss sich ein 23-jähriger Syrer vor Gericht verantworten. Laut Anklage hat er in einem Zornedinger Asylbewerberheim Feuer gelegt. 

23-jähriger Syrer wegen Vorwurfs der Brandstiftung vor Gericht

In Zornedinger Asylbewerberheim Feuer gelegt - aus Frust

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Siban K. wusste genau, was er tat. Laut den Ausführungen der Anklage wollte er bei seinem mutmaßlichen Versuch, das Zornedinger Asylbewerberheim anzuzünden, nichts dem Zufall überlassen.

Zorneding– Der 23-jährige Syrer hat an jenem Juniabend 2018 in seinem Zimmer gezielt den Rauchmelder von der Decke gerissen und die Stromzufuhr gekappt, trägt der Staatsanwalt am Montag vor dem Münchner Landgericht vor. Um 23.30 Uhr soll der Angeklagte dann einen Karton angezündet und unter seine Decke gelegt haben. „Der Angeschuldigte nahm dabei zumindest billigend in Kauf, dass der Brand auf das restliche Mobiliar und dann auch auf das Gebäude übergreift“, sagt der Anklagevertreter.

Feuerwehr konnte Übergreifen der Flammen verhindern

Nur, weil drei Bewohner den Brand bemerkten, und versuchten, diesen notdürftig einzudämmen, konnte die Feuerwehr ein Übergreifen auf andere Zimmer verhindern. Vier der 35 Bewohner erlitten eine leichte Rauchvergiftung. Der Sachschaden belief sich auf 25 000 Euro.

Angeklagter wächst in Aleppo auf

Am ersten Prozesstag ging es zunächst um den Lebenslauf des jungen Manns. Der anerkannte Asylbewerber wuchs nach eigener Aussage im syrischen Aleppo auf. Mit 13 Jahren habe er die Schule ohne Abschluss verlassen. Anschließend habe er regelmäßig Fußball gespielt. „Ich habe die Klubs mehrfach gewechselt“, erzählt er, als sei er ein Profispieler gewesen.

Vor Assads Bomben geflohen

Wenn Siban K. Zeit hatte, half er seinem Vater im Shisha-Café als Bedienung aus. Mit 17 Jahren sei er dann mit seiner Familie vor Assads Bomben in die Türkei geflohen. „Vor unseren Augen wurden Leute von Bomben zerfetzt“, trägt sein Übersetzer vor. Dort sei die Familie, die zuvor sogar eine eigene Immobilie hatte, bettelarm gewesen. Der junge Mann arbeite bei der Aprikosenernte. „Das war mir aber zu hart.“

Mit dem Gummiboot nach Griechenland

Ende 2015 setzte er deshalb ohne die Eltern mit dem Gummiboot nach Griechenland über, über die Balkan-Route ging es dann nach Bayern. „Ich dachte, vielleicht kann ich als Krankenpfleger oder bei BMW arbeiten.“ Aber die Behörden hätten ihn hier bei der Stellensuche im Stich gelassen, klagt er. Mit der staatlichen Unterstützung sei er gut über die Runden gekommen, konnte sogar Geld in die Türkei schicken. Siban K. kiffte viel, trank mitunter. Er habe die Sehnsucht nach der Familie und die schrecklichen Erinnerungen abtöten wollen. Manchmal wurde er gewalttätig – Siban K. gilt als polizeibekannt. „Haben Sie ein Problem mit Aggression?“, fragt der Richter. Er habe sich mehrfach falsch verstanden gefühlt, und die Drogen hätten ihn verändert, begründet er sein Verhalten, das er mittlerweile bereue. 

Angeklagter wollte Tauben züchten

Auch im Januar 2018 soll es Ärger gegeben haben – damals noch in einer Flüchtlingsunterkunft in Aßling. Er hatte einen Bretterverschlag gebaut, um Tauben zu züchten. „Er wollte etwas tun, was ihm das Leben hier angenehmer macht“, sagt sein Verteidiger. Als ihm eine Mitarbeiterin mitteilte, dass dies verboten sei und er ihn abbauen müsse, schleuderte er einen Stuhl durch ein Fenster. Ein anderes Mal soll der Arbeitslose Polizisten bedroht und attackiert haben. Den Großteil der Vorwürfe räumt er ein. Aktuell sitzt der Syrer in Untersuchungshaft. Das Feuer habe er gelegt, damit man ihn „überhaupt wahrnimmt“, sagt sein Verteidiger. Der Prozess wird fortgesetzt.

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