Geschützt und gesichert: Auf einem Grundstück in Zorneding wird Geschichte ausgegraben. 
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Geschützt und gesichert: Auf einem Grundstück in Zorneding wird Geschichte ausgegraben. 

Bei Bauarbeitet auf Siedlung gestoßen

In die Frühzeit Zornedings gegraben

  • Robert Langer
    vonRobert Langer
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Wird die Geschichte Zornedings neu geschrieben? Bei Bauarbeiten sind Reste einer frühzeitlichen Siedlung gefunden worden.

Zorneding– Auf dem Grundstück in Zorneding sind kleine weiße Täfelchen auf Stäben in die Erde gesteckt. Nummern und Buchstaben stehen darauf. Verbindungen werden mit bunten Schnüren markiert, Kreise gezogen. Partyzelte halten die Sonne ab. Alles wird genau erfassst und fotografiert.

Wie oft in Dokumentationen im Fernsehen zu sehen sind Mitarbeiter mit Spaten oder kleinen Schaufeln vorsichtig tätig, graben und kratzen den Boden ab, suchen nach kleinsten Hinweisen. Geheimnisse aus früheren Jahrhunderten, gar Jahrtausenden. Was sich auf dem Grundstück offenbart, wird möglicherweise einen neuen Blick auf die Geschichte der Gemeinde Zorneding erlauben.

Reste einer Siedlung gefunden

Auf einem Areal wurden bei Bauarbeiten Reste einer Siedlung gefunden. Zunächst gingen Experten von Hinweisen auf das frühe Mittelalter aus. Es könnte vorsichtig geschätzt um den Zeitraum zwischen den Jahren 500 und 1000 gehen. Die Grabungen leitet die Zornedinger Archäologin Ramona Baumgartner, die eine eigene Firma hat. Die Funde könnten jedoch auf eine sehr viel ältere Besiedelung hindeuten.

Aufgefallen waren die ersten Hinweise einem aufmerksamen Nachbarn. Ein Bagger hatte die Spuren auf der Baustelle freigelegt. „Das ist gar nicht so leicht zu bemerken“, sagt Baumgartner. Es geht um runde dunkle Flecken im Boden. In früherer Zeit wurden Häuser wie Pfahlbauten mit Pfosten errichtet. Die dicken Stämme der Konstruktion wurden im Boden eingegraben. Die Wände der Gebäude bestanden aus pflanzlichem Geflecht, das teilweise verschmiert wurde. Die Spuren der Löcher für die Posten der Häuser sind noch heute erkennbar. Und es wurde auf dem Grundstück noch mehr entdeckt, unter anderem Scherben von Gefäßen.

Ausgrabungen stehen noch am Anfang

Da die Ausgrabung gerade erst begonnen wurden, seien Aussagen zur Datierung noch recht vorläufig, sagt das Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege. „Die Keramik, die momentan gefunden wurde, weist auf eine vorgeschichtliche Zeitstellung ab der späten Bronzezeit oder der Eisenzeit hin.“ Es geht damit um einen Zeitrahmen von 1300 bis 800 vor Christus beziehungsweise um 800 vor Christus bis zur Zeitenwende. „Anders als zunächst angenommen, ist die Fundstelle damit um vieles älter“, heißt es. „Da es sich um ein neu entdecktes Bodendenkmal handelt, ist die Relevanz der Funde für Zorneding als hoch einzustufen“, so die Behörde weiter. Denn in diesem Bereich sei eben bislang noch kein Bodendenkmal eingetragen, es habe auch keine Hinweise auf eine vorgeschichtliche Siedlung gegeben. „Erst mit den Baggerarbeiten wurden die charakteristischen Befunde, für den Laien nur als schwarze Flecken im Boden zu erkennen, aufgedeckt.“ Dabei handele es sich hauptsächlich um Überreste von Häusern, die sich aufgrund ihrer dunklen Verfüllung vom umgebenden Boden abzeichneten. Wie das Landesamt betont, gibt es im Norden von Zorneding mehrere Siedlungsstellen aus der Bronzezeit und der Eisenzeit. Im Süden von Zornerding lägen mehrere vorgeschichtliche Grabhügelfelder. Nicht auszuschließen sei, dass die neu entdeckte Siedlung in Zusammenhang mit einem dieser Grabhügelfelder stehe. „Denn die Menschen, die dort Gräber angelegt haben, haben ja auch hier in der Nähe gewohnt.“

Bürgermeister freut sich über Funde

In diesem Zusammenhang ist auf den Bayerischen Denkmalaltas hinzuweisen. Dort sind die eingetragenen Bodendenkmäler flächenscharf dargestellt und die Lage und eine kurze Information für jedermann abzurufen. Bei der aktuellen Ausgrabung bestand zunächst Hoffnung auf einen Zusammenhang mit dem bereits früher entdeckten Gräberfeld. Die gefundenen Keramikscherben deuteten jedoch laut den Experten auf eine Siedlung eher in vorgeschichtliche Zeit hin. Auch die gefundenen Hausgrundrisse passten nicht so recht zum Frühmittelalter, so das Landesamt. „Aber die Arbeiten laufen ja gerade erst an.“ Es sei nicht auszuschließen, dass auch noch frühmittelalterliche Befunde aufgedeckt würden.

Zornedings Bürgermeister Piet Mayr freut sich über die Entdeckungen und ist sehr gespannt, was die Ausgrabungen noch zu Tage fördern könnten.

Auf dem rund 1400 Quadratmeter großen Grundstück sollen vier Doppelhaushälften entstehen. Verantwortlich für das Projekt ist die WSW Wohnbau- und Verwaltungsgesellschaft in Kirchseeon. Für das Unternehmen bedeutet der Fund eine Unterbrechung der Bauarbeiten. Harald Weidlich betont jedoch: „Glück im Unglück ist für uns die sehr kooperative Zusammenarbeit mit der Firma Baumgartner, die auch die Baustellenunterbrechung so gering wie möglich halten will und sogar in Abstimmung mit dem Denkmalamt eine Teilfreigabe des Grundstücks in Aussicht gestellt hat.“ 

Vom Landesamt heißt es dazu: „In diesem Bereich war bislang kein Bodendenkmal verzeichnet. Es bestand auch keine Vermutung, dass sich dort Siedlungsreste oder Gräber befinden. Deshalb benötigte der Bauherr auch keine denkmalschutzrechtliche Genehmigung.“

Als die ersten Befunde dem Landesamt für Denkmalpflege gemeldet wurden, sei die Ausgrabung veranlasst worden. Diejenigen Flächen, die zum Zeitpunkt der Fundmeldung bereits abgeschoben waren, werden nun auf Kosten des Landesamtes ausgegraben. Für die restlichen Flächen musste der Bauherr eine denkmalschutzrechtliche Genehmigung einholen. Dies sei alles in wenigen Tagen auf den Weg gebracht worden, um eben weitere Verzögerungen für den Bauherrn möglichst zu begrenzen.

Nun bleibt abzuwarten, welche Geheimnisse der Zornedinger Boden noch verbirgt und welche Geschichten über das Leben im ganz frühen Zorneding zu erzählen sind.

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