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Otto Kulzer war leidenschaftlicher Lokführer. Hier ist er im Transrapid in Shanghai zu seh en.

Trauer um Otto Kulzer (79)

Vom Heizer bis zum Transrapid

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Ich bin der einzige Deutsche, der als Heizer angefangen hat und zum Schluss den Transrapid fahren durfte.“ Darauf war Lokführer Otto Kulzer stolz. Jetzt ist der Zornedinger gestorben.

Zorneding – Die Krebsdiagnose, so berichtet seine Frau Johanna (79), hatte Kulzer (79) vor drei Jahren bekommen. „Die Ärzte gaben ihm damals noch drei Monate bis drei Jahre, wenn alles gut geht. Dann sind es noch dreieinhalb Jahre geworden“, berichtet sie.

Der Zornedinger war ein leidenschaftlicher Eisenbahner, der so ziemlich alles gefahren hat, was sich auf Schienen vorwärts bewegt – von der Diesellok bis zum E-Zug.

Meister seines Fachs

Und weil er ein Meister seines Fachs war, fiel die Wahl auf ihn, als der Transrapid nicht zwischen München und dem Flughafen fuhr, sondern die modernste Eisenbahntechnik von den Chinesen gekauft wurde und in Shanghai zum Einsatz kam. Der Zornedinger kannte den Zug von Testfahrten im Emsland bereits, die Technik war ihm deshalb geläufig.

Kulzer war der Einzige, dem zugetraut wurde, das dortige Personal in China in der Handhabung des Hochgeschwindigkeitszugs anzulernen. Und das hatte seinen Grund. Denn der Zornedinger hatte damals bereits viele Auslandseinsätze als Ausbilder für Triebfahrzeuge in seinem persönlichen Kursbuch.

Viel im Ausland

„Wir waren viel im Ausland“, berichtet seine Ehefrau. Zuerst drei Jahre in Jordanien, dann zwei Jahre in Westafrika, ein Jahr in Vietnam sowie fast drei Jahre in Ägypten. Immer begleitete seine Frau ihren Mann auf seinen beruflichen Einsätzen, nur nach Schanghai kam sie lediglich öfter zu Besuch, „dann nämlich, wenn sein Kühlschrank wieder einmal ganz leer war“, berichtet die 79-Jährige.

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Als Kulzer seinen Aufenthalt in Schanghai begann, war er in einem Alter, in dem sich andere Eisenbahner längst in Pension befanden. Er hingegen fuhr den Transrapid und wunderte sich, mit welcher Geschwindigkeit die Chinesen damals die Strecke für die Magnetschwebebahn bauten, die auf der 30 Kilometer langen Trasse in China eine Geschwindigkeit von 480 Stundenkilometern entwickelte und zum Bremsen einen Bremsweg von etwa fünf Kilometern benötigte. In Deutschland hingegen führten Bremsen politischer Art dazu, dass die Vorzeigetechnik schließlich überhaupt nicht zum Einsatz kam.

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Kulzer war ein gebürtiger Münchner, den seiner früheren Aussage nach keine zehn Pferde aufs Land ziehen konnten. Das änderte sich aber, als er seine Johanna kennen lernte, „eine gebürtige Zornedingerin“, wie sie stolz sagt.

Heimat Zorneding

1961 war es dann so weit. Als die beiden ein Paar wurden, wurde auch Zorneding zu Kulzers neuer Heimat, in der er zum Schluss sogar ein gefragter Referent war, der bei gut besuchten Veranstaltungen zum Beispiel vor Mitgliedern des örtlichen CSU-Ortsvereines von seinem China-Abenteuer und seinen Eindrücken dort berichtete. Unter anderem mussten in China 40 Meter lange Betonpfähle in den Boden des dortigen Schwemmlandes gerammt werden, damit die Trasse den Zug sicher tragen konnte.

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