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Nach Rücktritt des Pfarrers

Zorneding: Bürger starten Online-Petition

Zorneding - Der Fall des Zornedinger Pfarrers, der nach rassistischen Anfeindungen zurückgetreten ist, sorgt bundesweit für Aufsehen. Viele im Ort wollen zeigen, dass sie dagegen aufstehen.

Einige Bürger planen für Mittwochabend in Zorneding eine Lichterkette auch eine Online-Petition für den Verbleib von Olivier Ndjimbi-Tshiende in der Gemeinde wurde gestartet. Bis Dienstagmittag hatten bereits knapp 45.000 Menschen die Aufforderung „Unser Pfarrer soll in Zorneding bleiben“ unterschrieben. Zur Begründung heißt es: „Wenn wir den Weggang des Pfarrers nun stillschweigend akzeptieren, überlassen wir kriminellen Nationalsozialisten das Feld. Wir signalisieren, dass es in Deutschland wieder so weit ist, dass eine Gruppe, die Angst verbreitet, nicht mit Gegenwehr zu rechnen hat.“

Doch viel bringen dürfte die Petition nicht: Der nach Morddrohungen zurückgetretene dunkelhäutige Pfarrer von Zorneding hat die Kirchengemeinde bereits verlassen. Er habe um seine sofortige Beurlaubung gebeten, teilte ein Sprecher des Erzbischöflichen Ordinariats am Dienstag in München mit: „Er ist weg.“

Die Kirchenleitung rechnet dementsprechend nicht damit, dass die Online-Petition den katholischen Priester umstimmen kann. Ein Bistumssprecher nannte den Schritt des 66-Jährigen „eine persönliche Entscheidung“. Kardinal Reinhard Marx habe dies akzeptiert. Auch in der Pfarrei herrsche Verständnis für den Rücktritt des Priesters.

Solidarität aus dem Landkreis

Eine Solidaritätsbekundung kam inzwischen außerdem vom Landkreis Ebersberg, zu dem die 9000 Einwohner zählende Gemeine Zorneding gehört. Darin äußern Landrat Robert Niedergesäß (CSU) und alle 21 Bürgermeister des Landkreises ihr Entsetzen über die Morddrohungen gegen den Geistlichen. „Dieses verabscheuungswürdige Verhalten Einzelner verurteilen wir auf das Allerschärfste“, heißt es in dem Brief. „Wir schämen uns für dieses unwürdige und inakzeptable Verhalten einzelner Menschen in unserem Landkreis.“

Lesen Sie hier einen Kommentar zu den Ereignissen: "Zu lange zugeschaut"

Die Bevölkerung „in ihrer sehr breiten Mehrheit“ verurteile die rassistische Hetze ebenfalls: „Die Menschen stehen hinter Ihnen.“ Und weiter: „Mit Ihnen verlieren die Gemeinde und der gesamte Landkreis einen aufrechten und geradlinigen Menschen und einen engagierten Pfarrer.“

Der Zornedinger Bürgermeister Piet Mayr (CSU) hatte die Morddrohungen bereits am Montag „auf das Schärfste“ verurteilt. „Ich hoffe, dass die Täter ermittelt werden“, sagte der Rathauschef. Er wünsche sich, dass die Drohbriefe nicht aus der Bevölkerung von Zorneding stammen, fügte Mayr hinzu. Er erinnerte aber auch daran, dass die Hetzkampagne gegen den Pfarrer erst nach ausländerfeindlichen Äußerungen von Zornedinger CSU-Mandatsträgern begonnen hatte.

Zorneding sorgt für internationales Medienecho

dpa

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