+
An der Nordseite der Bahn gibt es in Zorneding bisher keinen Lärmschutz.

Gemeinderat geht in die Offensive

Zorneding fordert Lärmschutz an der Bahn

  • schließen

Eine Lärmschutzwand an der Bahn von Baldham bis Eglharting fordert der Gemeinderat Zorneding in einem Schreiben an das Eisenbahn-Bundesamt. „Wenn ein Zug nach Eglharting aus dem Wald kommt, dann hört man das im ganzen Dorf“, so Bürgermeister Piet Mayr gegenüber der EZ.

Zorneding  Diesmal will es die Kommune im Verfahren zum „Lärmaktionsplan Schiene“ nicht bei einer Stellungnahme bewenden lassen, sondern offensiv an die Öffentlichkeit gehen. Das teilte das Rathaus am Freitagnachmittag mit.

Die parteien-übergreifende Arbeitsgruppe Bahnlärm des Gemeinderates hatte sich am Donnerstag getroffen. In ihrer Stellungnahme kritisieren die Teilnehmer, dass das Eisenbahn-Bundesamt bei seiner Veröffentlichung zur Lärmaktionsplanung im Januar 2018 „mit stark veraltetem Zahlenmaterial arbeitet“. So werde für Zorneding die Einwohnerzahl des Jahres 2013 zugrunde gelegt und nicht der aktuelle Wert. Auch die Zahl der Güterzüge werde von der Behörde deutlich zu niedrig angesetzt. Angegeben würden zwischen 20 000 und 30 000 Züge pro Jahr. Aber selbst Vertreter der Bahn hätten bereits über im Durchschnitt täglich 99 Züge von und nach Österreich und Italien gesprochen. „Das sind pro Jahr 36 135 Züge“, so Mayr in dem Schreiben an die Bahn.

Einschätzungen des Zornedinger Gemeinderates zu sich deutlich erhöhenden Zugzahlen seien anlässlich des Brenner-Verkehrsgipfels durch den bayerischen Innenminister unterstrichen worden. Dieser habe als Vorschlag zur Entlastung des Lkw-Verkehrs geäußert, dass bereits heute ohne weitere Maßnahmen eine Verdoppelung der Güterzüge durch das Inntal möglich sei. „Diese würde Zorneding und seinen Nachbargemeinden Vaterstetten und Kirchseeon schon kurzfristig weitere 36 500 Güterzüge pro Jahr bescheren“, so die Kritik aus der Gemeinde.

Mit der Fertigstellung des Brenner-Basistunnels im Jahr 2026 kämen nochmals mindestens 200 Güterzüge pro Tag dazu. Das entspreche dann einer Belastung von mehr als 140 000 Güterzügen pro Jahr. Und das alles „ohne einen einzigen Meter Lärmschutzwand an der Nordseite der Bahnlinie im Bereich der Gemeinde“.

Aus Sicht der Zornedinger Gemeinderäte „werde es höchste Zeit, dass sich die Deutsche Bahn und das Eisenbahn-Bundesamt dieser Probleme annehmen, um die Beeinträchtigung von Gesundheit und Lebensqualität unserer Bürger abzuwenden“. Bislang werde von der Bahn lediglich der Einbau von Schienstegdämpfern auf einer Strecklänge von 300 Metern in Aussicht gestellt. „Wir werde nur abgespeist“, so Mayr.

Verwundert ist der Gemeinderat auch darüber, dass das Eisenbahn-Bundesamt auf eine frühere Stellungnahme der Kommune auf Grund eines Beschlusses des Gremiums vom Juli vergangenen Jahres noch nicht geantwortet habe. Die Gemeinderäte weisen zudem auf die Ergebnisse der Öffentlichkeitsbeteiligung im Verfahren hin, in der sich viele Zornedinger Bürger zu Wort gemeldet hätten. Auch das zeige, dass viele Zornedinger mit der Bahnlärmsituation „außerordentlich unzufrieden sind“.

Der Gemeinderat Zorneding fordert vom Eisenbahn-Bundesamt „schnellstmöglich konkrete Vorschläge“ für Maßnahmen zur „deutlichen Reduzierung des bereits bestehenden und bald sogar noch stark anwachsenden Bahnlärms“. Als Verursacher der Lärmbelastung sieht die Gemeinde die Deutsche Bahn und das Eisenbahn-Bundesamt in der Pflicht, die Beeinträchtigung der Zornedinger Bürger durch „durchgreifende Maßnahme abzuwenden“. Da man bisher auf das Schreiben vom vergangenen Jahr keine Antwort erhalten habe, „erwarten wir dass die Gemeindeverwaltung auf die nun erneut vorgebrachten Einwendungen eine konkrete Antwort erhält“. Das wäre das Mindeste, so Mayr.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Umfahrung bekommt Schub
Nach schlechten Gutachternoten zu seinen Bürgermeister-Varianten wirbt Rathauschef Georg Reitsberger für Kompromiss, der eine breite Mehrheit bekommt. Das …
Umfahrung bekommt Schub
Ein Ebersberger Maibaum für Brüssel
Ein echter Ebersberger Maibaum vor der bayerischen Vertretung in Brüssel? Das gibt es tatsächlich.
Ein Ebersberger Maibaum für Brüssel
Motorradfahrer stürzt heftig zu Boden - Rettungshubschrauber landet auf der A99
Alleinbeteiligt verlor ein 54-Jähriger am Freitag die Kontrolle über sein Motorrad. Die Folge: Ein schlimmer Unfall auf der A99. 
Motorradfahrer stürzt heftig zu Boden - Rettungshubschrauber landet auf der A99
Reichsbürger kommt aus dem Gerichtssaal und fährt gleich der Polizei davon
Kaum aus dem Gerichtssaal entlassen, wurde ein 53-Jähriger schon wieder bei einem Gesetzesverstoß erwischt. Als ihn die Ebersberger Polizei zur Rede stellen wollte, fuhr …
Reichsbürger kommt aus dem Gerichtssaal und fährt gleich der Polizei davon

Kommentare