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Kunst an den Lärmschutzwänden des Zornedinger Bahnhofs: Zur 1200-Jahrfeier der Gemeinde wurden die Elemente an den Gleisen von einem Künstler besprüht und dekorieren seither den Bahnhof von der Südseite.

Serie: Mein Bahnhof

Zorneding: Nicht barrierefrei, dafür Kunst

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Tausende Reisende nutzen täglich die S-Bahnen im Landkreis. Doch in welchem Zustand sind die Bahnhöfe? Wir haben den Bahnhof Zorneding unter die Lupe genommen.

Zorneding – Jetzt pressiert’s – raus aus der S-Bahn, rein in die Toilette. Wem das passiert, der hat – wenn er in Zorneding aussteigt – Pech. Eine Toilette gibt es dort am Bahnhof nicht. Vielleicht am Pendlerparkplatz? Der ist übrigens zur Ferienzeit August nur halb voll. Dort steht tatsächlich ein blau-weißes Dixi-Klo. Es schaut nicht einladend aus, aber immerhin, denkt der Reisende. Doch die Enttäuschung, ein großes Vorhängeschloss hängt daran. Auch hier: Pech gehabt! Die Toilettenbox passt sowieso nicht auf den Parkplatz, der mit dem grünen Gestrüpp recht idyllisch wirkt. Pluspunkt dafür.

Garniert wird die nette Parkplatz-Atmosphäre durch Graffitis an den Lärmschutzwänden entlang der Gleise, die alles andere als nur dahin geschmiert worden sind. Im Zuge der 1200-Jahrfeier der Gemeinde hatte diese 2013 einen Künstler beauftragt, der unter anderem die Silhouette Zornedings und das Konterfei von Herzog Ludwig V., der im 14. Jahrhundert in Zorneding lebte, an die Wände sprühte. Bis heute wirkt die Spraykunst stilvoll.

Bahnhof soll barrereifrei sein – die Praxis schaut anders

Das Umfeld des Bahnhofs kann, auch wenn es wenige Einkaufsmöglichkeiten gibt, punkten. Anders schaut es mit dem Bahnsteig aus, der zumindest einen der notdürftigen silbernen (nicht verdreckten) Süßigkeitenautomaten hat. Zwar ist der Steig sauberer als der in Baldham und weniger versifft, dennoch kritisieren Reisende einen entscheidenden Punkt: die fehlende Barrierefreiheit.

Nicht unwohl, aber dafür eingeschränkt, fühlt sich Walburga Hofmann aus München, wenn sie in Zorneding aus der Bahn steigt. Die 88-Jährige muss einen weiten Weg über Rampen und Stufen zurücklegen, um vom Bahnsteig zur Straße zu gelangen. Das sei sehr anstrengend, sagt sie. Ein Aufzug am Steig würde es Vielen leichter machen, sagt Hofmann. Älteren Herrschaften, Rollstuhlfahrer und denjenigen, die einen Kinderwagen dabei haben. Zorneding sei ein Sonderfall, an anderen Bahnhöfen gebe es schließlich Aufzüge.

Die langen Rampen, bergauf und bergab, sind für gehbehinderte Menschen ein Unding.

Die Bahn lässt wissen, dass der Bahnhof in Zorneding durch die Rampen „barrierefrei“ ausgebaut sei. In der Praxis könne davon aber keine Rede sein. Gregor Schlicksbier, der Behindertenbeauftragte der Gemeinde, kritisiert den Zustand des Steiges: Die Rampen seien eine Zumutung. Das weiß er aus eigener Erfahrung, der Zornedinger sitzt im Rollstuhl. Im Winter, wenn Schnee liegt, sei das Anfahren des Steiges schier unmöglich. Von tatsächlicher Barrierefreiheit fehle jede Spur, ein großer Minuspunkt dafür für Zorneding.

Sauber und wenig Vandalismus

Hubert Tögel (77) kritisiert ebenfalls, dass der Bahnsteig über die Rampen nur sehr schlecht zu erreichen sei. Gut findet er, dass der Bahnhof recht sauber ist, an Beschädigungen durch Vandalismus kann er sich nicht erinnern. Auch Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Bahn bemängelt er nicht – im Gegensatz zu vielen anderen Fahrgästen. Negativ weiter: An bestimmten Stellen des Steiges fehle es an Absperrungen, monieren Reisende. Der Durchgang unter den Gleisen sei – wie die meisten – versifft.

Auch spannend: Dieser Nahverkehr ist der 1,5-Millionen-Stadt München unwürdig

Wie zufrieden sind Sie?

Wir haben Fahrgäste nach ihrer Meinung zum Bahnhof in Zorneding gefragt.

Hubert Tögel (77) aus Zorneding

„Wenn ich mit der S-Bahn fahre, ist meistens alles gut. Vandalismus ist bei uns kein Problem, der Bahnhof ist sauber. Die Zornedinger scheinen gut situiert zu sein. Die Rampen zum Bahnsteig sind schlecht. Für gehbehinderte Menschen ist das eine Qual.“

Hubert Tögel.

Walburga Hofmann (88) aus München

„Dreimal in der Woche fahre ich von München nach Zorneding. Ein Aufzug wäre sehr gut, ältere Herrschaften tun sich mit den Stufen und Rampen zu den Gleisen sehr schwer. Auch Mütter mit Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer haben es nicht einfach. Da müsste sich dringend etwas ändern.“

Walburga Hofmann.

Meine S-Bahn fällt aus - wir helfen Ihnen sofort 

Wir haben für jede S-Bahn-Linie eine Facebook-Gruppe gegründet, in der sich Fahrgäste selbst organisieren können: Bilden Sie Fahrgemeinschaften, wenn Ihre S-Bahn ausfällt. Organisieren Sie ein Taxi und teilen Sie sich mit mehreren die Kosten. Oder bitten Sie andere Betroffene schlicht um Hilfe - oder bieten Sie einen Platz in Ihrem Auto an. Zusammen mit anderen Pendlern sind Sie im S-Bahn-Chaos weniger allein. Nutzen Sie die Gruppe Ihrer S-Bahn-Linie auch, um sich und andere darüber zu informieren, bis wann ungefähr mit Zug-Ausfällen und -Verspätungen zu rechnen ist. Hier entlang zur Liste aller S-Bahn-Gruppen auf Facebook

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