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Gibt nicht auf: Peter Pernsteiner. Als freier Journalist in der Technikbranche ist er gut informiert und stellt die Bahn vor unangenehme Fragen . 

Bahnhof Zorneding: Ein Schandfleck

Kämpfer auf der Außenbahn

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Seit Jahren kritisiert Peter Pernsteiner die Zustände am Bahnhof in Zorneding. Sogar eine eigene Internetseite hat er dazu angelegt. Doch es gleicht einer Sisyphusarbeit. 

Zorneding – So ungemütlich das Wetter an diesem eisigen Nachmittag im März ist, so ungemütlich sind die Worte von Peter Pernsteiner. Er spricht von einem Schandfleck, von einem von der Bahn verwahrlosten Ort. Der 58-Jährige steht am Bahnsteig in Zorneding. Der kalte Wind pfeift an seiner roten Jacke vorbei und wirbelt den Müll im Gleisbett auf.  Fahrgäste könnten Pernsteiner fast für einem Mitarbeiter der Deutschen Bahn halten mit seiner Leuchtjacke und seinen inspizierenden Blicken dort am Bahnsteig. Vielleicht würden sie ihm gerne sagen, in welch schlechtem Zustand der Bahnhof sei. Doch Pernsteiner ist kein Bahnmitarbeiter. Der Zornedinger ist selber verärgert und sauer auf die Deutsche Bahn. Als FDP-Kommunalpolitiker und als Bürger, wie er sagt, kämpfe er seit Jahren für bessere Zustände am Bahnhof. Meistens vergeblich.

Auf taube Ohren gestoßen

Würde Pernsteiner einmal einen Verantwortlichen der Bahn erwischen, dann würde er ihm gewaltig die Meinung geigen. „Bisher ist nahezu jede Kritik bei der Bahn auf taube Ohren gestoßen“, sagt Pernsteiner. Eine Antwort bekäme man auf Kritik selten, und wenn, dann „nicht hinnehmbar“.

Erst jüngst, als Pernsteiner, der im Gemeinderat in Zorneding sitzt, auf seine Beschwerdemail, dass seit Januar der Zugzielanzeiger am Bahnhof defekt sei, von der Bahn als Antwort bekam: Die Fehlersuche und Fehlerbehebung sei aufgrund der exponierten Lage der Zugzielanzeige nur unter erschwerten Bedingungen möglich. Weil der Bildschirm, der die S-Bahnen und deren Verspätungen anzeigt, über den Treppen, die zum Bahnsteig führen, angebracht ist, müsste die Bahn ein Gerüst aufbauen. Das sei bereits schon mal im letzten Jahr passiert, erzählt Pernsteiner kopfschüttelnd. Warum die Bahn die Anzeige nicht einfach an einen günstigeren Ort versetzt, wenn sie so oft kaputt ist, brummt er vor sich hin. „Ich kann es nicht nachvollziehen.“

Ein Armutszeugnis

Die Bahn teilt mit, dass eine Reparatur beauftragt sei. Seit drei Monaten wartet Pernsteiner, doch die Anzeige bleibt schwarz. Der Bahn schreibt er: Es sei ein „Armutszeugnis“ des Bahn-Konzerns. Die ständige Kritik Pernsteiners an der Bahn gleicht einer Sisyphusarbeit. Wenn das eine repariert sei, sei was anderes kaputt. Vieles werde erst gar nicht repariert. Oder es tauchen andere Probleme auf. Warum Pernsteiner sich das alles antut? Er kam vor 20 Jahren von München nach Zorneding. Er genieße das Leben hier, weg von der stressigen Großstadt. „Es gibt einen Bürgermeister zum Anfassen“, sagt Pernsteiner. Er wollte mitgestalten in der Gemeinde, hier sei das eben möglich. Er trat in die FDP ein – die CSU sei im zu groß gewesen – und schaffte es in den Gemeinderat.

Weil der Journalist technisch interessiert sei, die Bahn selber hin und wieder nutze und dafür „viel Geld“ zahle, habe er begonnen, für einen besseren Bahnhof zu kämpfen. Sogar eine eigene Homepage „tagebuch-eines-schandflecks.de“ hat er mit zwei Mitstreitern vor vier Jahren erstellt und dokumentiert dort seither alle Mängel und Schildbürgerstreiche am Zornedinger Bahnhof. Wenn er davon erzählt, schaut er in das dunkle Gleisbett neben sich und zeigt auf den Müll darin.

Das sei auch so eine Sache. Der Müll. Vor einiger Zeit sei ein Abfalleimer am Bahnsteig abgebaut und an anderer Stelle wieder aufgebaut worden. Nur dass dort, an der neuen Stelle, bereits Abfalleimer stehen, sagt Pernsteiner und schüttelt den Kopf. Natürlich lande nun mehr Müll auf dem Boden, weil Abfalleimer an anderer Stelle fehlen.

Unnötige Energieverschwendung

Ein Schildbürgerstreich sei auch die Beleuchtung in der Glasüberdachung des Treppenabgangs am Parkplatz, wo es unter den Gleisen zum Bahnsteig geht. Große LED-Lampen wurden in den Windfang installiert, die nachts und tagsüber durchgehend an sind. Unnötig, findet Pernsteiner. Energieverschwendung sei das, denn am Tag gebe es dort genug natürliches Licht, weil es eben ein Glaskasten sei. Aus Sicherheitsgründen müssten die Lampen rund um die Uhr brennen, verteidigt die Bahn. Verspricht aber im gleichen Satz auf Anfrage unserer Zeitung: „Wir werden demnächst die beiden Beleuchtungssysteme trennen und für den Treppenaufgang einen Dämmerungsschalter einbauen.“ Die Kabelverlegungen an der Stelle, die Pernsteiner als „dilettantisch“ bezeichnet, stellen nach Information der Bahn „keine Gefahr dar“.

Graffiti und Vandalismus

Pernsteiner schlendert vom Bahnsteig die Treppen zum Durchgang hinunter. „Das nächste“, sagt er dann und zeigt auf blaue Schilder an den verschmierten weißen Fließen. Dort sollte stehen, dass es zur Ortsmitte geht. Die weiße Schrift gehe aber regelmäßig weg. „Für Gäste, die sich nicht auskennen, ungünstig“, sagt der FDP-Mann.

„Die schlecht lesbaren Schilder zur Wegeleitung werden ausgetauscht oder mit einer neuen Folie versehen“, teilt die Bahn nun mit. Und: „Leider müssen wir feststellen, dass Bahnanlagen in Zorneding häufig durch Graffiti oder Vandalismus beschädigt werden.“ Für Pernsteiner bleibt der Bahnhof ein Schandfleck der Gemeinde. Er zieht seine schwarze Mütze tiefer über die Ohren. Der Wind pfeift durch die Unterführung. Am Ende des Ganges leuchten die LED-Lampen.

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