+
Experten: LBV-Referentin Anne Schneider aus Hilpoltstein und Kreisverband-Vorstand Richard Straub.

Vogelschützer warnen vor Gefahr

„Der unsichtbare Tod“

„Der unsichtbare Tod“: So lautete das Thema der Fachreferentin Anne Schneider aus Hilpoltstein, die zu Gast war bei der Kreisgruppe Ebersberg des Landesbundes für Vogelschutz. Der Titel klingt wie ein Krimi, was sich aber täglich ereignet, ist ein großes Drama. Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland jährlich mindestens 20 Millionen Vögel an Glasscheiben ihr Leben verlieren.

Zorneding– Oft sind die Vögel nicht gleich tot, aber so benommen, dass sie nicht mehr fliegen können und dann zum Beispiel Katzen oder Mardern ausgeliefert sind.

Vögel haben ein anderes Sichtbild als wir Menschen. Durch die meist seitlich am Kopf liegenden Augen ist ihnen zwar eine Rundumsicht möglich, aber dafür ist der räumliche Blick nach vorne nur schwach vorhanden. Was Jahrtausende gut funktionierte, ist heute nicht mehr ausreichend.

Transparentes Glas kann von den Vögeln nicht wahrgenommen werden. Spiegelndes Glas gaukelt den Himmel oder eine attraktive Umgebung vor, was bei den Vögeln zu fatalen Fehleinschützungen führt.

Neben den Vogelfanganlagen im Mittelmeerraum bilden Glasflächen die zweitgrößte Todesfalle für die Piepmätze, mit steigender Tendenz. Dies hängt mit der modernen Bauweise unter Verwendung von immer mehr Glasflächen zusammen.

Leider finde Vogelschutz im Baurecht keine Berücksichtigung, so die Expertin des LBV. Anstatt im Vorfeld schon bei der Planung tödliche Fallen auszuschließen oder zumindest zu entschärfen, werde munter darauf los gebaut. Und die Bewohner könnten dann schauen, wie sie mit der Situation zurecht kommen, immer wieder kollidierte Vögel vorzufinden. Mitunter würden sogar mitten in vorhersehbaren Flugkorridoren der Vögel durchsichtige Scheiben quer zur Flugrichtung eingebaut, zum Beispiel als Windschutz für Innenhöfe.

Oft würde es laut den Experten schon genügen, undurchsichtiges, spiegelfreies Glas zu verwenden. Aber ist das durchsichtige Glas schon mal eingebaut, so bleibt es meist dabei. Durch Nachbessern kann die Situation bestenfalls leicht entschärft werden. Herausragende Balkone mit durchsichtigem Witterungsschutz können von den Vögeln nicht erkannt werden.

Leider seien die bekannten aufklebbaren Vogelsilhouetten wirkungslos. Besser seien ungeputzte Scheiben zu erkennen, erklärte die Expertin. Eine wirklich absolut befriedigende Lösung sei noch nicht gefunden, wohl aber könnten viele problematische Glasflächen vermieden werden, wenn Architekten und Bauherren darauf achten würden.

Auch das gemütliche Gartenhäuschen scheint Konkurrenz zu bekommen. Durchsichtige Glasräume im Garten ließen zwar das Gefühl von Naturnähe aufkommen, seien aber für die Vögel eine Katastrophe und das „Naturerlebnis-Kabäuschen“ werde zur Vogelfalle. Jedenfalls mache es nur Sinn, wenn Markierungen an den Scheibenaußenseiten erfolgten. Mitunter helfe eine ausgemusterte CD an einer dünnen Schnur, um die Aufmerksamkeit des Vogels zu erlangen. Es könnten auch mit Spezialstiften, genannt „birdpen“, an der Scheiben-außenseite für Menschen fast nicht wahrnehmbare Linien aufgetragen werden. Diese reflektierten UV-Licht, was die Vögel erkennen würde. Dadurch würde das Risiko deutlich verringert. Spezielle durchsichtige, UV-reflektierende Folien hätten den gleichen Effekt.  oh

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Mehr Auslauf am Schlittenberg
Im Bergfeldpark, nahe des Monopteros‘, wird derzeit das Biotop verkleinert. Damit im Winter die Schlittenfahrer dort mehr Auslauf haben. 
Mehr Auslauf am Schlittenberg
„Charly“ und sein Wirtshaus 
Die Traditionsgaststätte „Zur alten Post“ in Parsdorf, ehemals im Eigentum der katholischen Kirche, hat einen neuen Besitzer. Der ist im Ort kein Unbekannter. Karl …
„Charly“ und sein Wirtshaus 
Augenzeuge der Vergewaltigung: „Keiner hat geholfen“
Sechs Tage nach der Gruppen-Vergewaltigung eines Mädchens (16) im Ortskern von Höhenkirchen-Siegertsbrunn sitzt nun auch der dritte Täter in U-Haft.
Augenzeuge der Vergewaltigung: „Keiner hat geholfen“
Nach brutaler Vergewaltigung: Dritter Tatverdächtiger verhaftet
Entsetzen herrscht in Höhenkirchen-Siegertsbrunn, nachdem zwei Afghanen am Freitag eine 16-jährige Münchnerin vergewaltigt haben. Die Regierung von Oberbayern kündigt …
Nach brutaler Vergewaltigung: Dritter Tatverdächtiger verhaftet

Kommentare