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„Eines musst du: die Leute mögen“: Mathias Häusl, 53, wird der neue katholische Pfarrer von Zorneding. Er tritt seinen Dienst Ende September an.

Er tritt im September seinen Dienst an

Zornedings neuer Pfarrer: „Das Vergangene will ich gar nicht wissen“

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Wenn Mathias Häusl im September seinen Dienst als Pfarrer in Zorneding antritt, ist das ein willkommener Neuanfang für beide Seiten: Der 53-Jährige, zuletzt Pfarrvikar in Höhenkirchen-Siegertsbrunn (Landkreis München), will wieder selbst eine Gemeinde leiten. Und die Gläubigen der Pfarrei St. Martin dürfen auf ein Ende des Seelsorger-Provisoriums hoffen.

Zorneding – Seitdem Olivier Ndjimbi-Tshiende im April vergangenen Jahres die Zornedinger Pfarrgemeinde nach Morddrohungen gegen ihn verlassen hat, stehen die Gläubigen von St. Martin ohne eigenen Pfarrer da. Zwei Geistliche halfen jeweils über ein paar Monate in der Pfarrei aus, eine langfristige Lösung gab es nicht. Doch im September endet die Zeit der Übergangslösungen. Am 24. September wird Mathias Häusl im Rahmen eines Gottedienstes mit Dekan-Stellvertreter Czeslaw Lukasz als neuer Pfarrer offiziell eingeführt.

Eines verspricht Häusl den Zornedingern bereits, bevor er Ende Juli ins Pfarrhaus am Ingelsberger Weg zieht: „Ich gehe völlig unvoreingenommen in die Gemeinde.“ Über den Konflikt zwischen seinem aus dem Kongo stammenden Vorgänger und der früheren CSU-Chefin Sylvia Boher aufgrund deren rechtspopulistischen Äußerungen sowie über die späteren Morddrohungen gegen Olivier Ndjimbi-Tshiende hat der Geistliche nur in der Zeitung gelesen. Kontakt zu Ndjimbi-Tshiende hat er nicht aufgenommen. „Ich weiß lediglich, dass er jetzt an der Universität in Eichstätt tätig ist.“ Zufälligerweise kennt der 53-Jährige Pfarrer, die bereits in Zorneding tätig waren, und ihm von ihrer Zeit dort erzählen wollten. „Da habe ich gleich Stopp gerufen. Das will ich gar nicht wissen“, erzählt Häusl. Schließlich könne sich seine Beziehung zu den einzelnen Menschen dort ganz anders entwickeln, als sich die Beziehungen dieser Menschen zu seinen Vorgängern entwickelt haben.

„Ich gehe erst einmal hin und schaue mir das alles an“, sagt. Häusl. Er hat auch nicht vor, anfangs an den Abläufen und Gewohnheiten, die sich in der Pfarrgemeinde eingespielt und bewährt haben, etwas zu ändern. „Warum sollte ich das Rad neu erfinden?“, fragt er.

Der aus Aufham im Landkreis Berchtesgadener Land stammende Häusl, der erst eine Ausbildung zum Technischen Zeichner absolvierte, ehe er im Spätberufenenseminar St. Matthias in Waldram das Abitur nachholte und Theologie studierte, macht auch nicht den Eindruck, als sei er jemand, der mit der Tür ins Haus fällt. Und auch wenn er sich für seine Primiz die Textstelle ausgesucht hat, in der Jesu seine Jünger am See Genezareth dazu auffordert, Menschenfischer zu werden, so liegt es ihm doch fern, die Leute unbedingt bekehren zu wollen. Da kann es dann schon sein, wie unlängst als der begeisterte Bergsteiger und Weltenbummler beim Himalaya-Trekking in Nepal tagelang mit Gleichgesinnten unterwegs war, dass die Menschen schlichtweg staunen, wenn Häusl nach Tagen zufällig erzählt, dass er ein katholischer Priester ist. Derartige Reaktionen sind für ihn ein Zeichen dafür, dass die Kirche kein hohes Ansehen bei einem Großteil der Bevölkerung mehr hat. Und zumindest das will der 53-Jährige durch sein Wirken ändern.

„Ich will die Leute für etwas gewinnen, wovon ich zutiefst überzeugt bin, das aber heute nicht mehr so hoch im Kurs steht“, sagt er. „Ich will ein positives Bild der Kirche vermitteln.“ Was ihm am katholischen Glauben besonders begeistert, ist die Botschaft Jesu Christi, dass die Menschen zur Freiheit berufen seien. Und diese Begeisterung will er mit anderen teilen. „Das Christentum ist für mich die Religion, die mich zu einer größtmöglichen Freiheit führt“, sagt er. Natürlich werde der Kirche oft vorgeworfen, sie mache den Menschen Vorschriften und drohe mit Sanktionen.

Aber für Häusl lässt sich die ganze Moral der Kirche in einem Satz des großen Kirchenlehrers Augustinus zusammenfassen: „Liebe – und dann tue was Du willst.“ Damit sei auch durchaus die Aufforderung verbunden, sich selbst zu lieben. Denn wenn man sich selbst akzeptiere und annehme, so Häusl, werde man nicht verbittert, sondern bleibe ein positiv eingestellter Mensch, der aufgeschlossen und mit offenen Augen durchs Leben gehe – und auch einen offenen Blick für die Nöte anderer Menschen habe.

Auch Häusl selbst ist vor wenigen Jahren in Not geraten. Als Leiter des Pfarrverbands Chieming mit vier Pfarreien, sechs Kirchen und zwei Kindergärten wurde er mehr und mehr zum Verwalter und Personalchef und konnte der Aufgabe, für die er sich zuallererst berufen fühlt, der Seelsorge, immer weniger nachgehen. „Ich habe gemerkt, dass meine physischen und psychischen Kräfte mehr und mehr nachließen“, erzählt Häusl. Schließlich habe er die Reißleine gezogen und nach zehn Jahren die Pfarrei verlassen. „Die Leute haben ein Recht auf einen guten Pfarrer, aber auch auf einen gesunden Pfarrer“, sagt er. So rückte er 2013 auf eigenen Wunsch ins zweite Glied, trat im Pfarrverband Höhenkirchen-Siegertsbrunn die Stelle als Pfarrvikar an und war dort unter der Leitung von Pfarrer Toni Wolf hauptsächlich seelsorgerisch tätig.

„Die Zeit habe ich sehr genossen“, sagt Häusl. Zwar habe er erst lernen müssen, dass jemand anderes das Sagen hat. „Dafür konnte ich das nachholen, was in den Jahren zuvor ein Stück weit zu kurz gekommen war.“ Und er konnte wieder Kräfte tanken. An der neuen Stelle in Zorneding reizt den 53-Jährigen, dass er als Pfarrer wieder selbstständig arbeiten kann. Angst, sich zu noch einmal zu überarbeiten, hat er dabei nicht. Er habe aus seinen Erfahrungen als Pfarrverbandsleiter wichtige Schlüsse gezogen und zu delegieren gelernt, betont Häusl. Am meisten freut er sich nun darauf, die Menschen vor Ort kennenzulernen. Denn ihm kommt es auf die Begegnung an: „ Zu mir hat einmal jemand gesagt: Mathias, du brauchst nicht besonders gescheit sein oder sonst irgendwelche Fähigkeiten haben, wenn du Pfarrer werden willst. Aber eines musst du: die Leute mögen.“

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