Zornedinger Gemeinderat treibt's bunt

Zorneding - Ein dunkleres Grün, ein helleres Grün oder das normale „Sicht-Grau“? Zornedings Lärmschutzwände und Bahn südlich der S-Bahn-Gleise zwischen dem Zornedinger Gewerbegebiet und der Anzinger Straße, die heuer gebaut werden sollen, bekommen gleich alles.

Die Diskussion in der jüngsten Gemeinderatssitzung ähnelte der in einer lebhaften Familie, die ihre Wohnung neu streichen will: Jeder hatte so seinen Vorschlag, neigte dann doch wieder auch zu einem anderen, um dann doch vielleicht noch ganz anderer Meinung zu sein. Die Gemeinderäte hatten so viel Lust am „Mitgestalten“, dass Martin Strobl von der früheren Bürgerliste mit seinem Geschäftsordnungsantrag auf Ende der Debatte in Bausch und Bogen durchfiel.

Vor rund einer Woche hatte die Deutsche Bahn der Gemeinde eine ganze Palette mit Farbvarianten geschickt. Die wohlgemeinte Offerte - „Gerne können Sie auch einen eigenen Farbvorschlag ausarbeiten“ - wurde dankend angenommen.

Alles nur im sogegnannten „Licht-Grau“ zu halten, war das erste Plädoyer. Es kam von Grünen-Gemeinderätin Barbara Weiß, die von Beruf Gestalterin ist. Das sei am Unauffälligsten, lasse den gewünschten Lärmschutz am besten „verschwinden“. Durchsetzen konnte sie sich damit nur für einen begrenzten Bereich im Bahnhofsgelände. Ob der aber nun für jeden Sprayer freigehalten wird, oder nach dem Wunsch von Johann Haindl (CSU) „ein schönes Graffiti“ bekommt, bevor andere etwas „Vogelwildes“ dort aufsprühen, oder ob dieser Abschnitt quasi geordnet künstlerisch gestaltet wird, steht in den Sternen. Fest steht nur, dass die gut einen Kilometer lange Lärmschutzwand, an mehreren Stellen mit Glasflächen unterbrochen wird, um die Sichtbeziehung zwischen den beiden Ortsteilen Zorneding und Pöring zu erhalten. Fest steht auch, dass die knapp vier Meter hohe Lärmschutzwand auf einem dunkelgrauen Betonsockel steht, auf denen sechs je einen halben Meter hohe Panele zwischen den grauen Stürzen eingehängt werden. Und fest steht auch, dass es im westlichen Bereich grüne Farbe geben wird. Weil dort der Lärmschutz nicht nur durch Bebauung, sondern zum Teil auch grüne Landschaft geht.

Die unterste Pannele soll laut Mehrheitsbeschluss dunkelgrün werden, die nächstobere hellgrün und die vier obersten Pannelen eben im besagten „Licht-Grau“. Grüne Wellen, wie von Peter Pernsteiner (FDP) an der A 99 bei Aschheim zu seiner eigenen Freude optisch registriert, wird es nicht geben. Das scheiterte aber weniger an der Lust der Gemeinderäte, sondern daran, dass die Bahn eben einzig die rechteckigen Pannele aus Aluminium in Farbmodifikationen vorgegeben hatte. Dafür aber werden sie auf beiden Seiten nun mit den gewünschten Grüns versehen sein.

Mitte des Jahres will die Bahn AG nach eigenem Bekunden mit dem Bau der Lärmschutzwand beginnen. Damit alles schnell gehen sollte, dafür hatte der Gemeinderat schon im März 2010 den Weg frei gemacht: Verzichtet wurde nämlich auf ein aufwändiges Verfahren anstelle eines Plangenehmigungsverfahren.

Dass zum Grün noch wachsendes Grün kommt, ist auch schon ausgemacht. Die Forderung nach Begrünung wurde in dem dann einfachen Verfahren von der Bahn AG zwar als nicht wesentlicher Belang mit dem Hinweis zurückgewiesen, dass die auf Stock gesetzten Sträucher und Büsche nach Beendigung der Baumaßnahme in ursprünglicher Höhe wieder austreiben werden. Doch Bürgermeister Piet Mayr (CSU) weiß sich zu helfen: „Wir werden da einfach selbst schauen, was noch zu tun wäre.“ Dass nicht auch an der Nordseite der S-Bahn-Gleise Lärmschutzwände errichtet werden, hat der Rathauschef schon 2009 mitteilen müssen.

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