Der Erhalt des dörflichen Charakters ist ein Ziel des „Aßlinger Modells“. Ein Vorbild auch für Zorneding? Foto: sro

Zornedinger holen sich Rat in Aßling

Zorneding - Für den Aßlinger Bürgermeister Hans Fent hatte der Zornedinger Gemeinderat eine Sondersitzung einberufen.

Fent informierte die Räte über das „Aßlinger Modell“, einen Grundsatzbeschluss zur Siedlungsentwicklung in der Gemeinde Aßling. „Das ist kein Hexenwerk“, meinte Fent, „uns war wichtig, eine gemeinsame Grundlage zu finden, bevor Bauprojekte gestartet werden.“ Ein halbes Jahr habe die Entstehung des Grundsatzpapiers gedauert, um viele Punkte wurde gerungen, aber am Ende sei der Beschluss im Gemeinderat einstimmig gefasst worden.

Worum genau geht es im „Aßlinger Modell“? Übergeordnetes Ziel ist die Erhaltung des dörflichen Charakters und ein organisches Bevölkerungswachstum von maximal einem Prozent pro Jahr. Ausweisung von Bauland soll daher vorrangig für Einheimische und sozialen Wohnungsbau erfolgen.

Um das zu gewährleisten, will die Gemeinde Aßling im Vorfeld einer Baulandausweisung ein Drittel des betreffenden Grundstücks erwerben. Der Kaufpreis wird von einem Gutachter festgelegt und richtet sich nach dem Verkehrswert für Bauerwartungsland. Von diesem Drittel soll ein Teil der Fläche - je nach Größe zwischen 50 und 100 Prozent - für Einheimischenmodelle oder sozialen Wohnungsbau verwendet werden. Dafür erhält die Gemeinde hier schon beim Kauf der Fläche einen Abschlag von 30 Prozent auf den Grundstückspreis.

„Warum kauft die Gemeinde nicht generell 100 Prozent ihrer Fläche zum reduzierten Preis, um so ihren Aufgaben hinsichtlich sozialem Wohnungsbau und Einheimischenmodelle noch besser nachkommen zu können?“, wollte Vincent Kalnin (Grüne) von Fent wissen. „Das war schwierig umzusetzen, weil wir die Bereitschaft der Grundstückseigentümer nicht überstrapazieren wollten“, so der Aßlinger Rathauschef. Natürlich könne man keinen Grundstückseigentümer zum Verkauf zwingen, „die Bereitschaft muss schon da sein.“ Deshalb sei es wichtig, die Satzung konsequent durchzuziehen und nicht aufzuweichen, „das versteht dann auch jeder.“

Wilhelm Ficker (FWG) bescheinigte Fent „eine sehr gerechte, gut handhabbare Satzung“ und wollte außerdem wissen, welche Erfahrungen Aßling inzwischen mit dem im Herbst 2014 verabschiedeten Grundsatzpapier gemacht habe. Aktuell gebe es drei Projekte, wovon bei einem gerade die Ausschreibung laufe, so Fent. Vor allem bei Bauprojekten für Einheimische sei die Nachfrage sehr groß. „Wir arbeiten gerade mit Hochdruck an einem entsprechenden Kriterienkatalog.“ Im sozialen Wohnungsbau gebe es aktuell noch kein Projekt. Die Gemeinde sei aber im Gespräch mit der Ebersberger Wohnungsgenossenschaft. Grundsätzlich sei das „Aßlinger Modell“ auch auf Gewerbeflächen anwendbar, da sei aber derzeit nichts geplant.

„Wie wird das Modell bei Grundstücken angewandt, die zu klein zum Teilen sind? Wenn also zum Beispiel ein Bauer ein Grundstück mit einem Einfamilienhaus für seinen Nachwuchs bebauen will?“, wollte Christian Krumpholz (CSU) wissen. Dazu Fendt: „Da handelt es sich ja sowieso um ein Bauprojekt für Einheimische. Wichtig ist uns, dass die Grundstücke keine Spekulationsobjekte werden, das wurde auch notariell so festgeschrieben.“

Von Robert Langer

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