Das Wetter zeigte sich gnädig während des Festumzuges und des Gottesdienstes im Freien. fotos: stefan rossmann

Zupacken, wenn andere zuschauen: Die Bilanz der Feuerwehren im Landkreis Ebersberg

Hohenlinden - Das Festzelt in Hohenlinden war am Sonntag voll von Feuerwehrleuten. Beim Kreisfeuerwehrtag zog Kreisbrandrat Gerhard Bullinger Bilanz und sprach trotz des Festes auch ernste Worte.

"Es ist beruhigend zu wissen, dass es Sie gibt." Kürzer und treffender lässt sich die Arbeitsbilanz der Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Ebersberg wohl kaum beschreiben, wie sie Kreisbrandrat Gerhard Bullinger anlässlich des 135. Kreisfeuerwehrtages am Sonntag in Hohenlinden definiert hat. Doch nicht nur über die Arbeit wurde geredet, die Floriansjünger feierten auch zünftig im Festzelt, nach einem Festgottesdienst und einem Umzug durch die Straßen der Gemeinde.

Insgesamt sind 2290 Feuerwehrleute, darunter 153 Frauen, in den 47 verschiedenen Freiwilligen Wehren sowie einer Werksfeuerwehr im Kreis tätig. Sie sind im Jahr 2010 zu 1379 Einsätzen ausgerückt, was in Summe über 29 000 Einsatz- sowie rund 85 000 Übungsstunden ergab. Das sind die nüchternen Zahlen aus der Bilanz der ehrenamtlichen Helfer in den Freiwilligen Feuerwehren. Bei 193 Bränden konnten 42 Personen gerettet werden, 15 Mal handelte es sich dabei um Brandstiftung.

135. Kreisfeuerwehrtag des Landkreises Ebersberg

135. Kreisfeuerwehrtag des Landkreises Ebersberg

Der weitaus größte Anteil aller Feuerwehreinsätze, so Bullinger, habe allerdings technischen Hilfeleistungen bei schweren Verkehrsunfällen gegolten. Hierbei wurden 70 Personen gerettet und 168 Unfallopfer erstversorgt. Allerdings berichtete der oberste Feuerwehrmann im Kreis auch darüber, dass "wir immer auch tragische, oft belastende Bilder von eingeklemmten oder verstümmelten Opfern sehen - elf Menschen konnten wir leider nicht mehr retten."

Doch auch motivierende Einsätze zeigt die Bilanz der schnellen Helfer mit ihren roten Autos: So kümmerten sie sich etwa 42 Mal um Tiere in Not, von der Katze auf dem Baum bis zum Pferd im Sumpf. Sie wurden 53 Mal bei Sturmschäden gerufen, verfolgten nahezu jede gemeldete Rauchentwicklung, standen einmal sogar vor einer angebrannten Pizza. Leider, bedauerte Bullinger, fehle manchen Alarmierungen das nötige Nachdenken über die Folgen. So könne es nicht angehen, dass Feuerwehren wegen einer Pfütze im Keller oder eines abgebrochenen Astes im Garten ausrücken, schließlich würden die Einsatzkräfte dafür jedes Mal von ihrem Arbeitsplatz geholt werden. "Es ist auch völlig falsch zu glauben, dass wir für unsere Einsätze bezahlt werden", bemerkte der Kreisbrandrat.

Feuerwehren, so gab Bullinger noch einen Ausblick in die Zukunft, müssten sich zunehmend mit neuen Techniken beschäftigen. Nicht nur die passive Sicherheit moderner Fahrzeuge verlange ein stetes Dazulernen, auch Biogas- und Photovoltaikanlagen, Elektroantriebe oder die Verwendung neuer Kühlflüssigkeiten seien anspruchsvolle Themen.

Gerhard Bullinger bedankte sich schließlich bei allen Wehren für die geleistete Arbeit: "Wer sein Leben und seine Gesundheit für andere einsetzt, hat besondere Anerkennung und Wertschätzung verdient. Schließlich sind es meist die Feuerwehren, die zupacken, wenn andere wegschauen."

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