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„Hätte ich meine Kinder nicht gehabt ...“ – Petra Rost mit ihren Zwillingssöhnen Oliver (li.) und Niclas.

Dramatische Geschichte

Zwillinge (11) retten eigene Mutter vor sicherem Tod

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Poing - Ohne ihre elfjährigen Zwillingssöhne Oliver und Niclas wäre Petra Rost (48) jetzt nicht mehr am Leben. Die Poingerin erlitt zuhause einen schweren Herzinfarkt.

Bis zum Zeitpunkt der Tragödie war es ein wunderbarer Tag für Petra Rost und ihre Söhne Oliver und Niclas. Die drei genossen das schöne Wetter im Wildpark Poing (Kreis Ebersberg). Wieder zuhause, gingen die elfjährigen Buben nicht, wie sonst, in den angrenzenden Bergfeldpark zum Spielen, sondern hoch in ihre Zimmer, um sich mit den Weihnachtsgeschenken zu beschäftigen.

Unten, im Wohnzimmer des Reihenhauses, bemerkte die Mutter, dass sie plötzlich Atemnot bekam. Die 48-Jährige wurde bewusstlos. „Als ich wieder aufwachte, lag ich am Boden und hatte enorme Schmerzen“, erzählt Petra Rost. „Alles Gefühl war weg, der Schmerz zog sich von der linken Hand hoch.“ Sie robbte in Richtung Wohnzimmertür und versuchte zu rufen. „Ich habe nur ganz leise ,Oliver’ herausgebracht.“ Die erste Antwort von oben: „Ich komme gleich.“ Danach noch einmal: „Oliver.“ Pause. „Schnell.“

„Es war so sonderbar ruhig, deshalb bin ich die Treppe hinunter gelaufen“, erzählt der Elfjährige. Seine Mutter lag mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden und deutete auf ihre Brust.

Der Bub handelte schnell, lief zum Telefon, wählte die 112 und schilderte die Situation: „Meine Mutter liegt auf dem Boden und hat irgendwas im Brustbereich.“ Petra Rost erinnert sich: „Ich konnte mich nicht mehr bewegen, ich konnte nicht mehr reden. Es fiel mir wahnsinnig schwer, die Augen offen zu halten.“ Ihre Gedanken in diesem Moment: „Ich sterbe. Ich hoffte, dass es bald vorbei sein wird, weil die Schmerzen so stark waren.“

Die Nummer 112 hat Oliver Rost im Kopf. „Wir haben beim THW gelernt, was man in solchen Situationen tun und wen man anrufen muss.“ Seit gut einem Jahr sind er und sein Bruder Niclas in der Jugendgruppe des Technischen Hilfswerks (THW) Markt Schwaben. Erst vor Kurzem hatten beide einen Ersthelfer-Kurs absolviert.

Während Oliver bei seiner Mutter blieb, rief Niclas den Vater an und rannte danach, barfuß, zur Nachbarin, um auch sie zu verständigen. Bis zum Eintreffen des Notarztes wartete Oliver im Wohnzimmer, Niclas vor der Haustür auf der Straße, um Arzt und Sanitätern gleich den Weg zum Haus zeigen zu können.

Als Notarzt und Sanitäter Petra Rost auf einer Trage in den Krankenwagen trugen, fiel von den Zwillingssöhnen die erste Spannung ab. „Sie saßen da und heulten Rotz und Wasser“, erinnert sich die Mutter an das, was sie noch gesehen hat. In einem Münchner Krankenhaus wurde die 48-Jährige sofort operiert, sie bekam einen Herzkatheder und es wurden zwei Gefäßstützen (Stents) gesetzt. „Ich hatte jede Menge Blutgerinsel im Herz“, erzählt Petra Rost. Und: „Während der OP stellten die Ärzte zwei ältere Infarkte fest, die ich aber nicht bemerkt hatte.“

Nach drei Wochen in der Klinik, sechs Tage davon auf der Intensivstation, ist Petra Rost nun auf Reha. Aktuell macht ihr ein Blutgerinnsel im Herz zu schaffen. Und die Frage nach dem Warum. „Bis vor einem halben Jahr habe ich für den Marathon trainiert, ich bin regelmäßig beim Bergsteigen und Klettern, ich rauche nicht.“

Die Ärzte konnten ihr auch keine Antwort geben. Zuhause läuft der Betrieb so gut es geht normal weiter. Um die Buben kümmert sich der 19-jährige Bruder, der Soldat ist, und der Papa, von dem Petra Rost getrennt lebt und der kurzfristig wieder eingezogen ist. „Das Zusammenspiel, auch mit den Nachbarn, und die Hilfe klappt wunderbar.“ Darüber ist die 48-Jährige sehr froh.

Wie es nach der Reha weitergeht? „Ich weiß es nicht.“ Die Poingerin arbeitet im Sekretariat der Seerosenschule, dorthin möchte sie – sofern das Herz mitmacht – schrittweise zurückkehren. Das Reinigungsunternehmen, das sie noch selbstständig betreibt, werde sie wohl nicht mehr weiterführen können. Aktuell habe sie zwar Angst vor einem weiteren Herzinfarkt, aber auch vor der Zukunft. „Ich bin alleinerziehend, die Kosten für Haus, Kinder und Lebensunterhalt laufen weiter.“ Sie sei froh, überhaupt noch am Leben zu sein. „Hätte ich meine Kinder nicht gehabt“, beginnt sie einen Satz. Dann unterbricht sie, streicht ihren Zwillingsbuben durch die Haare und sagt: „Das sind sehr brave Kinder.“

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