Großeinsatz läuft: Polizei evakuiert Rathaus von Augsburg - Gewalttat angedroht

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21-Jähriger rastet im S-Bahnhof aus

Schizophrener Mann beißt Bundespolizisten

Den Gerichtssaal betrat er in Fesseln, als – vorläufig – freier Mann konnte ein 21-Jähriger ihn wieder verlassen. Der zuletzt Wohnsitzlose war am Flughafen gegen Polizeibeamte gewalttätig geworden.

Flughafen/Landshut – Vor der 6. Strafkammer des Landshuter Landgerichts musste sich jetzt ein 21-Jähriger verantworten, der im Mai 2018 am Flughafen gegen Polizeibeamte gewalttätig geworden war. Weil der Täter psychisch krank ist, wurde seine Unterbringung in einer Klinik zur Bewährung ausgesetzt. Allerdings muss er sich umgehend in psychiatrische Behandlung begeben.

Der zuletzt Wohnsitzlose hatte sich laut der von Anna Kreiter verlesenen Anklageschrift am Tattag am S-Bahnhof unter dem Flughafen aufgehalten. Als er der Aufforderung von Bundespolizeibeamten, den Bereich um ein unbeaufsichtigtes Gepäckstück zu verlassen, nicht nachkam, sollte er einer Personenkontrolle unterzogen werden. Doch der junge Mann wollte davon laufen, ein Polizist packte ihm am Arm.

Daraufhin eskalierte die Situation: Der 21-Jährige versuchte, sich zu befreien und loszureißen, schlug mit den Fäusten wild in Richtung des Beamten und dessen Kollegen – ohne sie allerdings zu verletzen. Bei dem sich dann entwickelnden Gerangel fielen ein Polizeibeamter und der Angreifer gegen eine Reklametafel an einem Fahrkartenautomaten und dann zu Boden. Selbst bei der Fixierung am Boden leistete der Mann noch erheblichen Widerstand. Er biss einen Beamten in den linken Oberarm, fügte ihm eine tiefe Fleischwunde und erhebliche Schmerzen zu.

Nach kurzer Untersuchungshaft ließ ein Richter den Täter in die Psychiatrie einweisen. Denn es stellte sich heraus, dass der junge Mann an Schizophrenie leidet.

Im Sicherungsverfahren vor der 6. Strafkammer berichtete der 21-Jährige von seinem Leben bei der Mutter. Zum Vater habe er seit der Kindheit keinen Kontakt mehr. Seit seinem 16. Lebensjahr habe er gekifft, zeitweise auch harte Drogen „probiert“. Mit 18 sei er dann daheim rausgeflogen und habe bei einem Freund gewohnt. Richtig gearbeitet habe er nie.

An den Flughafen kam er im Mai vergangenen Jahres, nachdem die Freundschaft zerbrochen war und er die Wohnung des Kumpels verlassen musste. Der 21-Jährige räumte seinen Ausraster zwar ein, „gebissen habe ich den Polizisten aber nicht“. Er sei frustriert gewesen, berichtete er. „Inzwischen geht es mir aufgrund der Medikation aber ein bisschen besser.“

Der verletzte Bundespolizist (31) berichtete, dass er sich zusammen mit seinem Kollegen auf Sicherheitsstreife befunden habe. Da habe es dann Aufregung wegen eines herrenlosen Rucksacks und einer Reisetasche gegeben. Der Bereich um den Fahrkartenautomaten sei abgesperrt und sogar ein Sprengstoffspürhund eingesetzt worden.

Den Biss im Rahmen der Rangelei mit dem 21-Jährigen habe er zunächst nicht als solchen registriert, der sei erst beim Arztbesuch festgestellt worden. Eine Woche sei er deshalb krank geschrieben gewesen.

Der psychiatrische Sachverständige Dr. Rainer Gerth bescheinigte dem 21-Jährigen für die Tatzeit aufgrund einer schizophrenen Psychose „eine zumindest erheblich beeinträchtigte, vermutlich sogar aufgehobene Steuerungsfähigkeit – und damit Schuldunfähigkeit“. Inzwischen habe sich sein Zustand durch die Medikation in der Tat deutlich gebessert, so dass zwar die Unterbringung angeordnet, mit entsprechenden Auflagen aber zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Die 6. Strafkammer unter dem Vorsitz von Ralph Reiter entsprach, wie auch von den Verteidigern Michael Adams und Stephan Wedershoven beantragt, dem Gutachter, und setzte die Unterbringung zur Bewährung aus. Allerdings unter strengen Auflagen: So musste der Mann bereits zu Wochenbeginn in einer therapeutischen Einrichtung einpassieren. Drogen und Alkohol sind ab sofort tabu. Fünf Jahre darf er keine Straftaten begehen, sonst setzt er seine Freiheit aufs Spiel. WALTER SCHÖTTL

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