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Beim Online-Dating ist die 54-Jährige in eine Betrugsmaschinerie geraten und wurde am Ende selbst zur Täterin.

54-Jährige vor Gericht

Sie suchte online die große Liebe und wurde zur Geldwäscherin

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Nach dem Tod ihres Mannes hatte eine 54-Jährige aus dem nördlichen Landkreis gehofft, im Internet noch einmal die große Liebe zu finden. Auf dem Datingportal Lovescout24 geriet sie jedoch in eine große Betrugsmaschinerie. Das Opfer wurde dabei auch zum Täter: Die Witwe musste sich wegen Geldwäsche in acht Fällen vor dem Erdinger Amtsgericht verantworten. Am Ende stand eine Verwarnung in Höhe von 3000 Euro.

Nördlicher Landkreis – Die Staatsanwaltschaft warf der Angeklagten vor, sie habe zwischen 7. Januar und 7. Februar 2018 ihr privates Bankkonto einer bislang unbekannten Tätergruppe zur Verfügung gestellt. Insgesamt habe sie Gutschriften von diversen Personen – Geschädigte der Betrüger, wie im Prozess deutlich wurde – in einer Gesamthöhe von 62 500 Euro erhalten. Das Geld überwies die Frau weiter, unter anderem nach Ghana.

Über die Datingseite war die Frau an einen gewissen Andreas F. geraten. Dieser lebte zu der Zeit angeblich in Peking und war in Besitz eines kanadischen Passes. So zumindest schrieb er es seinem Opfer. Dass es jenen Andreas F. überhaupt gibt, schloss der damals ermittelnde Beamte der Erdinger Kripo, der als Zeuge geladen war, mit hoher Wahrscheinlichkeit aus. Sämtliche Recherchen deuteten darauf hin. So wurde etwa unter dessen Münchner Anschrift eine ältere Person angetroffen, deren Adresse schon öfter missbraucht worden war.

„Ich wollte mit dem Geld nie etwas anfangen, ich habe es gleich weitergegeben“, berichtete die Angeklagte, die immer wieder mit den Tränen zu kämpfen hatte. „Ich habe nur gesehen: Da ist jemand, der Hilfe braucht. Und ich habe ihm alles geglaubt.“ Unter anderem hatte der ominöse Herr F. der Frau weisgemacht, das Geld sei für ein 95 Millionen Euro teures Hotelprojekt in Peking. Er wolle bald zurück nach Deutschland kommen und dort dann ein Konto für seine Geschäfte eröffnen.

Die Angeklagte hatte gegen einen Strafbefehl von 60 Tagessätzen à 40 Euro (insgesamt 2400 Euro) Einspruch eingelegt. Das begründete die Verteidigerin mit dem Verweis auf den gesundheitlichen Zustand ihrer Mandantin. Dem Gericht lag ein fachärztliches Attest vor. Seit September 2015 befindet sich die 54-Jährige in ambulanter psychiatrischer Behandlung. Sie leidet an Depression und einer dissoziativen Störung. Unter Stress verliere sie die Kontrolle über ihr Leben, heißt es in dem Attest.

Bei ihrer Mandantin müsse ein subjektiver Maßstab angesetzt werden, schlussfolgerte die Verteidigerin. Zumal noch eine Freundin auf sie eingeredet habe, sie solle dem Hilfegesuch des Herrn F. doch nachkommen. Außerdem nehme die 54-Jährige Medikamente und habe auf die große Liebe gehofft. „Es ist uns allen klar, dass sie auch Opfer einer Betrugsmaschinerie geworden ist“, so die Anwältin, die auf Freispruch plädierte.

Krankheit und Medikamente hin oder her, der Betrug hätte ihr auffallen müssen, befand der Staatsanwalt. Sie habe Gelder aus unbekanntem Hintergrund erhalten. Er honorierte zwar, dass die Angeklagte sich einsichtig zeigte und das Geschehene bedauerte. Allerdings habe sie nur vier Tage, nachdem die Polizei wegen der dubiosen Bankgeschäfte an sie herangetreten war, erneut eine Überweisung getätigt. Die Forderung des Staatsanwalts: 60 Tagessätze à 50 Euro (insgesamt 3000 Euro).

Ganz so streng fiel das Urteil von Richterin Michaela Wawerla nicht aus. Die 3000 Euro legte sie als Verwarnung aus, was mit einer Bewährungsstrafe vergleichbar ist. Lässt sich die Angeklagte innerhalb eines Jahres nichts zuschulden kommen, muss sie die Strafe nicht zahlen. Die 62 500 Euro, die sie an Gutschriften erhalten hat, werden aber eingezogen. Außerdem muss die Verwaltungsangestellte, die monatlich gut 1860 Euro verdient, die Verfahrenskosten tragen.

Die 54-Jährige habe leichtfertig Geldwäsche in acht Fällen betrieben. „Sie haben die Augen zugemacht, haben erkannt, dass da was schiefläuft“, sagte die Richterin zu ihr. „Die eigentlichen Täter erwischen wir nicht, die sitzen im Ausland.“

Aber durch ihre Leichtfertigkeit habe sie es ermöglicht, dass weitere Personen geschädigt wurden. Und das, obwohl die Angeklagte in einem anderen Fall schon einmal Opfer eines Betrugs geworden war. Genaueres dazu kam im Prozess allerdings nicht zur Sprache.

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