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A94-Baustelle: Anlieger rasen wegen Schleichweg

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Doppelt genäht hält besser: Am Schleichweg ist nun sogar ein zweites Verbotsschild aufgestellt worden. Foto: prä
Doppelt genäht hält besser: Am Schleichweg ist nun sogar ein zweites Verbotsschild aufgestellt worden. Foto: prä

Dorfen - Eine Vollsperrung der ED2086 bei Lappach sorgt für Ärger. Autofahrer nützen nun einen verbotenen Schleichweg - sehr zum Leidwesen der Anlieger.

Seit die Staatsstraße ED2086 von Dorfen nach Isen wegen Bauarbeiten an der A94 bei Lappach komplett gesperrt ist, suchen sich viele Autofahrer Schleichwege. Die Umleitung führt offiziell von Dorfen nach St. Wolfgang und über die ED18 nach Isen. Trotz Ausschilderung nehmen viele eine Abkürzung über eine sehr schmale Straße von Moos, Richtung Isen, und umgekehrt nach Dorfen. Die Straße ist aber nur für Anlieger und landwirtschaftlichen Verkehr frei, Begegnungsverkehr ist zudem kaum möglich. An der ohnehin gesperrten Anliegerstraße wurde nun ein zusätzliches Verbotsschild aufgestellt.

Das schert aber offenbar eine ganze Reihe von Autofahrern nicht, ärgert sich eine Anwohnerin aus Moos, die direkt an der Straße wohnt. „Seit der Sperrung fahren ab vier Uhr früh die ersten Autos vorbei“, erzählt sie der Heimatzeitung. Da sei es vorbei mit der Ruhe, und das auch noch im Urlaub. „Von überall her, sogar aus Österreich, fahren die hier jetzt durch.“ Das „Navi“ im Auto macht’s heutzutage möglich. „Manche rasen vorbei, das ist lebensgefährlich“, berichtet die Anwohnerin. Gestern habe einer „bereits in unserem Garten gestanden beim Ausweichen“. Hätten wir noch kleine Kinder, „müsste wir die einsperren“. Einige Autofahrer habe sie auf das Verbot schon angesprochen und dafür nur Unverständnis geerntet. „Was geht sie denn das an“, sei noch harmlos gewesen. Von besonders rabiaten Fahrern habe sie den Vogel oder „Scheibenwischer“ gezeigt bekommen. „Die Polizei könnte jetzt eine Menge Geld verdienen“, empfiehlt die Anwohnerin, wenn sie früh und am späten Nachmittag kontrollieren würde.

Nach „massiven Anwohnerbeschwerden kontrollieren wir dort, wann immer wir Zeit haben“, sagt Karl-Heinz Lauffer von der Polizeiinspektion Dorfen auf Nachfrage. Die Umleitung sei ausreichend ausgeschildert, was vom Landratsamt angeordnet werde. Wer trotzdem bis zur Sperrung fahre, habe „zwei Mal ein entsprechendes Verbotszeichen ignoriert“. Lauffer hat jetzt noch angeregt, dass auch ein letzter Wegweiser nach Isen, in der Stadt Dorfen am Marienplatz, durchgestrichen werde.

Die Polizeikontrollen hätten ergeben, dass neben dem Berufsverkehr „vor allem Einheimische“ die verbotene Abkürzung bei Moos nehmen, informiert Lauffer. Das sei wohl „ein Geheimtipp in Mund-zu-Mund-Propaganda“, der aber teuer werden könne. Wer das Verbotsschild ignoriert und ertappt wird, muss mit einem Bußgeld von 20 Euro rechnen. Die Gefahr, erkannt zu werden drohe auch von Anwohnern, denn sie könnten sich das Kennzeichen merken und der Polizei mitteilen.

Die Ausschilderung sei laut Polizei wie üblich und ordnungsgemäß angebracht. Ein Mitarbeiter der Heimatzeitung traf vor Ort dennoch einen fast verzweifelten Fahrer aus dem Landkreis Donau-Ries. Er sei von Dorfen gekommen und fragte, wo es hier weiter gehe: „Ich will hier nur raus aus dem Schilderwald.“ Wer bis an die Sperrung fährt, sieht nur die Weisung „frei bis Lindum“ und eine Umleitung wieder nach Dorfen. Eine Umleitung an dieser Stelle wäre über die Abzweigung ED2086 nach Oberdorfen möglich. Dorthin leitet wohl auch das Navi - und dann in die nahe Anliegerstraße. „Das Navi“ sei auch „die häufigste Ausrede“ der Ertappen, berichtet Lauffer. Schwer zu glauben, weil es meist Einheimische seien.

Ursache für die zweiwöchige Komplettsperrung der ED2086, die noch bis Mittwoch, 4. September dauert, ist, „dass die bestehende Staatsstraße im Bereich der künftigen Autobahn A94 durch das Staatsstraßenunterführungsbauwerk bei Lappach in ihre endgültige Lage verlegt wird“, erklärt Markus Kreitmeier von der Autobahndirektion Südbayern. Dazu müsse die neue Straße „an den Bestand angeglichen werden“. Die Arbeiten würden in den Ferien ausgeführt, „weil da kein Schulbus fährt“. Kreitmeier geht davon aus, dass in den zwei Wochen alles fertig wird und das untergeordnete Straßennetz wieder für den Verkehr frei sei. Und spätestens dann haben die Anlieger endlich wieder ihre Ruhe.

Hermann Weingartner

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