In der Einfahrt von Bernhard Osterloher (Mitte) aus Außerbittlbach bekam Verkehrsminister Hans Reichhart (2. v. r.) den Ärger der Autobahn-Anlieger zu hören.
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In der Einfahrt von Bernhard Osterloher (Mitte) aus Außerbittlbach bekam Verkehrsminister Hans Reichhart (2. v. r.) den Ärger der Autobahn-Anlieger zu hören.

Anwohner-Protest hält an

Isentalautobahn: Geplagte bestürmen Minister -  „Wir wurden...“

  • Dominik Göttler
    vonDominik Göttler
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Der Anwohner-Protest gegen die Lärmbelastung durch die neue A94 Isentalautobahn reißt nicht ab. Nun hat sich Verkehrsminister Hans Reichhart vor Ort ein Bild gemacht.

  • Autos und Sattelzüge befahren ein neues Teilstück der A94 östlich von München.
  • Doch der neue Abschnitt der Isentalautobahn führt nun bereits seit Monaten zu massiven Bürgerprotesten.
  • Nun hat Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) die Lärm-geplagten Bürger besucht. 

Außerbittlbach – Bernhard Osterloher steht in seiner Einfahrt und redet dem Verkehrsminister ins Gewissen. „Der Lärm beginnt um drei Uhr früh, wenn die ersten Lkw durchrauschen“, sagt Osterloher. „Meine Frau und ich, wir haben einen guten Schlaf. Und wir haben Schallschutzfenster. Aber mittlerweile werden wir um diese Uhrzeit regelmäßig wach.“

Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) hat sich zu Osterloher gebeugt und hört sich dessen Ärger an. Die rund 30 Dorfbewohner, die in der Traube um die beiden stehen, haben Probleme, dem Gespräch zu folgen. Denn gut 100 Meter hinter Osterlohers Garten rauschen die Lastwagen über die neue Isentalautobahn. Schallschutzwände gibt es hier keine. Und das ist der Grund für Osterlohers Wut auf die Politik. „Wir wurden beim Lärmschutz komplett vergessen.“ Von ihrem einstigenParadies sei nicht mehr viel übrig, so der Tenor.

Lesen Sie dazu: Seit der Eröffnung der neuen Isentalautobahn A94 hatte es aufgrund der Lärmbelästigung Proteste gegeben. Nun wurde ein Tempolimit festgelegt - jedoch mit Einschränkungen.

Isentalautobahn: Geplagte bestürmen Minister -  „Wir wurden beim Lärmschutz...“

Seit Anfang Oktober rollt der Verkehr über den neuen, 33 Kilometer langen Abschnitt der A 94 zwischen dem Ort Pastetten im Kreis Erding und Heldenstein im Kreis Mühldorf. Doch der Protest nimmt auch nach Abschluss der Bauarbeiten kein Ende. Anwohner laufen Sturm gegen die Lärmbelastung. Nun kam der Verkehrsminister vor Ort vorbei.

Bereits vor dem Gespräch in Osterlohers Einfahrt war Reichhart rund zehn Kilometer weiter östlich bei Familie Numberger im Dorfener Ortsteil Lindum. Maria Numberger, die ebenfalls nur knapp 100 Meter von der Autobahn entfernt wohnt, hat ihren Rasenmäherbulldog laufen lassen, als der Minister kam, wie sie erzählt. „Es waren 64 Dezibel, wir haben nachgemessen“, sagt sie. Die Lärmbelastung, mit der sie jeden Tag leben müsse. Sie habe Reichhart mitgegeben, dass sich die Autobahnplaner über den Planfeststellungsbeschluss hinweggesetzt hätten, indem sie beim Lärmschutz an den Brücken Abstriche gemacht hätten. „Er hat sich unsere Sorgen angehört“, sagt sie. Mit „unsere“ meint sie auch den Ärger von über 100 Anwohnern, die spontan zu dem Ortstermin angerückt waren. „Es war ein gutes Zeichen, aber jetzt brauchen wir Taten.“

Die lauten Lkw sind für Maria Numberger und Erich Aschenbrenner aus Lindum bei Dorfen ein Zumutung.

Lärm-Geplagte Bürger: Der Protest gegen die Isentalautobahn bricht nicht ab

Schon im Vorfeld hatte die Autobahndirektion auf Drängen der Politik angekündigt, die Höhen der Lärmschutzwände und Erdwälle nachzumessen. „Wir werden prüfen, ob auch alles so gebaut wurde, wie vereinbart“, sagte Reichhart gestern – auch mit Blick auf den immer wieder kritisierten Straßenbelag. Bei einzelnen Anwesen soll die Lärmbelastung von einem unabhängigen Ingenieurbüro dokumentiert werden. Auch am Haus der Familie Osterloher, versprach der Minister. Zudem wolle er sich auf Bundesebene dafür einsetzen, dass in solchen Fällen der tatsächliche Lärm berücksichtigt und nicht auf Berechnungen zurückgegriffen werde.

Auf eine Resolution des Erdinger Kreisrats reagierte Reichhart allerdings zurückhaltend. Die Kreisräte fordern ein sofortiges Limit von Tempo 100 für Autos und Tempo 60 für Lkw – mindestens so lange, bis die Lärmmessungen abgeschlossen sind. „Wir prüfen alles“, versprach Reichhart, aber ein Tempolimit sei Sache des bayerischen Innenministeriums. Bei der Frage nach zusätzlichem Lärmschutz, der über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehe, verwies Reichhart auf Berlin. „Wir verbauen hier das Geld des Bundes, dafür brauchen wir natürlich eine Freigabe.“ Allerdings gebe es auch Fälle, wo gemeinsam mit den Kommunen ein Mehr an Lärmschutz erreicht wurde.

Proteste gegen den neuen Abschnitt der A94 gab es bereits zur Eröffnung: 

Isentalautobahn: Geplagte bestürmen Minister -  „Wir wurden beim Lärmschutz...“

Für Bernhard Osterloher war der Ortstermin zumindest ein kleiner Erfolg. Dass an seinem Haus konkret die Lärmbelastung gemessen werden soll, „das ist ein Fortschritt“. Er betont, dass er auch selbst natürlich die Autobahn nutze. „Ich bin kein grundsätzlicher Autobahngegner. Wir wollen einfach nur einen Lärmschutz, der auf dem Stand der Technik ist.“ Damit er morgens nicht vom Pfeifen der Lkw geweckt wird. Und sich nach Feierabend wieder auf die Terrasse setzen kann, ohne sich zu ärgern.

Erste Pläne zu einer Autobahn von München nach Passau reichen zurück in die NS-Zeit. Jahre später begann ein Widerstand, der letztlich nicht erfolgreich war. 

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