Die „Keltin von Oberding“: bauvorgreifende Notbergung im März 2009 einer Bestattung aus der Zeit um 120 v. Chr. durch den Archäologen Harald Krause gemeinsam mit dem „Archäologischen Arbeitskreis am Städtischen Heimatmuseum Erding“. Foto: Georg Gruber.

Auf der A94-Trasse Kelten auf der Spur

Dorfen - Seit diesem Schuljahr gibt es am Gymnasium Dorfen erstmals das Wahlfach Archäologie. Über 20 Schülern sind mit Begeisterung dabei. Auf der geplanten Isentaltrasse sollen jetzt Spuren der Vergangenheit gesucht werden.

Der aus dem Landkreis stammende Archäologe Harald Krause hat vor den Schülern einen Vortrag über die Kelten gehalten und in einem bilderreichen Vortrag unter anderem kostbare Kunstwerke dieses hochentwickelten Volkes aufgezeigt. Dabei ging er auch auf die keltischen Befunde im Landkreis ein, darunter die Viereckschanze bei Papferding und das Grab einer Keltin in Oberding, das 2009 im Rahmen einer bauvorgreifenden Rettungsgrabung geborgen werden konnte.

Die so genannten Viereckschanzen waren nach gegenwärtigem Forschungsstand befestigte Gutshöfe, wobei etwa allein zehn Prozent aller in Bayern entdeckten Anlagen im Landkreis Erding zu finden sind. Wie Gymnasiallehrer Gregor Meilchen berichtete, stellte Krause anschaulich auch die verschiedenen Methoden der Archäologie vor, um Spuren der Vergangenheit im Boden oberirdisch zu erkennen, beispielsweise mit der Luftbildarchäologie oder Geländebegehung. Somit erhielten die Schüler auch einen Einblick in die Arbeitsweise des Archäologen.

Ein wichtiges Anliegen Krauses ist es, die Belange der Archäologie einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. Aus diesem Grund ist er gerade als Fachbeirat unterstützend und beratend zugange, gemeinsam mit weiteren Archäologie-Interessierten aus dem Landkreis die Gründung eines Archäologischen Vereins für den Gesamtlandkreis Erding in Form eines Netzwerkes erfolgreich „auf den Weg zu bringen“.

Auch den Vortrag am Gymnasium nutzte Krause erfolgreich zu diesem Zweck, da er zahlreiche Schüler für gemeinsame Geländebegehungen (oberflächliche Aufsammlung etwa von Scherbenmaterial in enger Absprache mit den Grundstückseigentümern und dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege) auf der zukünftigen Trasse der Isentalautobahn gewinnen konnte. Vielleicht entdeckt man dann dort bisher unbekannte Siedlungsstellen unserer Vor- und Frühgeschichte welche dann bauvorgreifend wissenschaftlich untersucht werden können. So wie jüngst 2009 auf der Trasse der A 94 bei Pastetten und auf der Flughafentangente. Die interessierten Schüler sind dann nicht mehr nur auf Abbildungen - so wie im Vortrag - angewiesen, sondern können Geschichte an selbst entdeckten Fund-Objekten aktiv „erleben und begreifen“ und damit möglicherweise helfen, die Geschichte des Isentals „neu zu schreiben“. (ar)

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