Jonas Steinmann am Strand auf den Azoren
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Verliebt in Land, Leute und seine spanische Freunden: Jonas Steinmann aus Aufkirchen auf den Azoren.

Jonas Steinmann aus Aufkirchen sammelt Auslandserfahrungen

Aufkirchener Student: Ein Praktikum auf den Azoren

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
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Auslandsaufenthalte sind in Corona-Zeiten ein schwieriges Unterfangen. So gesehen hat Jonas Steinmann Glück mit seinem Praxissemester auf den Azoren. Seit Oktober arbeitet der Aufkirchener in einem Institut für Vulkanologie.

Aufkirchen - Die Azoren sind eine portugiesische Inselgruppe im Atlantik. Steinmann befindet sich in der Hauptstadt Ponta Delgada auf der Hauptinsel Sao Miguel. Schon nach dem Abitur war er auf die Azoren gereist. Es gefiel ihm so gut, „dass ich zurückkommen wollte“. Steinmann studiert Umweltsicherung an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf nahe Ansbach. Und als im fünften Semester das Praktikum winkte, nutzte Steinmann die Chance zur Rückkehr.

Seine Arbeit im Institut ist spannend und wichtig zugleich. Zunächst beprobte Steinmann aufsteigende Gase aus dem Boden. Diese Gase werden auf ihre Zusammensetzung überprüft, um Vulkanausbrüche vorauszusagen. „Es geht darum, die Bevölkerung präventiv zu schützen.“ Schwere Ausbrüche gebe es zwar selten, gefeit sei man davor aber nicht. „Einen schwereren Ausbruch gab es mal in den 50er/60er Jahren auf einer der anderen Inseln“, erzählt Steinmann. Und um das Jahr 1500 sei die ehemalige Hauptstadt ausgelöscht worden – mit mehreren Tausend Todesopfern.

1400 Kilometer entfernt vom europäischen Festland

Im Bereich der Azoren – sie befinden sich rund 1400 Kilometer westlich vom europäischen Festland im Atlantik – treffen drei Kontinentalplatten aufeinander. Das hat Folgen: „Jeden Tag gibt es zehn messbare Erdbeben. Die meisten spürt man nicht“, berichtet Steinmann. Einmal im Monat kämen aber durchaus mal Erdbeben der Stärke zwei vor. Die spüre man mitunter dann doch.

Derzeit befasst sich Steinmann in seinem Praktikum mit Hangrutschen. Er nimmt Proben, um den Untergrund auf bodenmechanische Eigenschaften zu untersuchen. Denn wenn es viel regnet, drohen Hänge zu rutschen. Auch hier gehe es um Prävention. „Das Hauptziel des Instituts ist, die Bevölkerung und beispielsweise Badegäste zu schützen“, sagt der angehende Umweltingenieur.

Portugiesisch-Kurs fürs Einkaufen

Später will der 22-Jährige einmal in einem Ingenieurbüro mit Schwerpunkt Geologie arbeiten. In Waldkraiburg hat er bereits ein entsprechendes Praktikum absolviert. „Ich könnt’s mir aber auch hier vorstellen“, sagt Steinmann.

Die Amtssprache auf den Azoren ist Portugiesisch, mit Englisch kommt Steinmann jedoch gut voran. „Ich mache aber auch einen Portugiesisch-Kurs auf dem Anfängerlevel A1, damit ich zum Einkaufen gehen kann, ohne dass es peinlich wird“, erzählt der gebürtige Erdinger lachend.

„Wahnsinnig nette Menschen“

Er schwärmt von den „wahnsinnig netten Menschen. Sie sind gerade Ausländern gegenüber sehr aufgeschlossen. Die Azorianer sind stolz darauf, wenn sie einem ihre Insel zeigen können“, sagt Steinmann, der es noch viel länger dort aushalten könnte als bis Anfang März, wenn sein Praktikum endet. „Mir wird’s nicht langweilig“, sagt er.

Fulmarolen heißen vulkanische Dampfaustrittsstellen, deren Gase Steinmann untersucht hat.

Unabhängig von der spannenden Arbeit und den sympathischen Menschen, die er auch im Studentenwohnheim kennenlernt, hätten die Azoren viel zu bieten. „Ich bin Taucher, außerdem habe ich einen Surfkurs gemacht“, erzählt Steinmann und schwärmt vom beständigen, angenehmen Wetter. Auch Segeln und Wandern sei möglich, und man könne Delphine und Wale beobachten.

Sportlich in der Heimat, sportlich auf der Insel

Viel Abwechslung also für einen jungen Mann, der sportlich auch in der Heimat schon in Erscheinung getreten ist. Denn Steinmann war bis Ende der Saison 2018/19 Torhüter des Eishockey-Viertligisten Erding Gladiators, bis er wegen seines Studiums aufhörte. Die Entfernung zwischen Triesdorf und Erding – immerhin gut 200 Kilometer – war ihm letztlich zu weit. Ein Angebot des Drittligisten Höchstadter EC schlug Steinmann daraufhin aus, auch das wären noch über 70 Kilometer Fahrt gewesen – „zu stressig“, wie er sagt.

Auf den Azoren spielt Eishockey keine Rolle. Dafür allerdings ein Virus, das derzeit die ganze Welt in Schach hält: Corona. „Als ich im Oktober 2019 mein Praktikum organisiert habe, war das noch gar kein Thema. Doch je näher das Praktikum kam, desto mehr musste ich zittern“, blickt Steinmann zurück. Als es im Oktober 2020 dennoch losgehen konnte, war die Lage auf den Azoren ruhig. „Ich durfte mit einem negativen Test einreisen und musste mit Abstand von einer Woche einen zweiten Test auf der Insel machen.“

Corona-Maßnahmen deutlich lässiger als in Deutschland

Steinmann lobt die Politik, die für eine ruhige Lage auf den Azoren sorge. Er könne auch Ausflüge unternehmen. „Ich weiß das schon zu schätzen“, sagt der Aufkirchener. Denn während Deutschland im Dezember in den harten Lockdown gegangen ist, habe er einen Surfkurs machen können. „Genieß’ es bis zum Schluss“, habe er sich über seinen Aufenthalt gedacht.

Prächtige Aussichten und atemberaubende Landschaften genießt Jonas Steinmann auf den Azoren.

Auf seiner Insel leben genau so viele Menschen wie im Landkreis Erding, rund 138 000. „Hier wird aber ungefähr das Fünffache getestet. Deswegen gibt es eine geringere Dunkelziffer, Infektionen sind gut nachverfolgbar. Das Infektionsgeschehen ist unter Kontrolle“, sagt Steinmann, der den Taschenrechner angeworfen hat. Seinen Zahlen zufolge lag die Inzidenz, wie sie in Deutschland berechnet wird, schon mal bei 400, aktuell bei rund 200 auf seiner Insel. Der Schnitt aller neun Inseln der Azoren-Gruppe zusammengenommen liege bei 120.

Seine Kollegen arbeiten im Homeoffice

Aktuell hat die Regierung allerdings verhältnismäßig strenge Maßnahmen ergriffen. Für zwei Wochen mussten Fitnessstudios zumachen, Restaurants und Bars schließen schon ab 20 Uhr. „Im Vergleich zu Deutschland ist das aber Meckern auf hohem Niveau“, weiß Steinmann, der in der Arbeit einen Mund-Nasen-Schutz tragen muss. Viele seiner Kollegen arbeiten nun im Homeoffice. Er selbst nicht – denn für die Auswertung der Bodenproben braucht es ein Labor.

Familie und Freunde hält Steinmann in Telefonaten, Videoanrufen oder mit Bildern auf dem Laufenden. Eine Freundin warte zuhause nicht auf ihn, erzählt der Aufkirchener. Dafür hat er auf der Insel die Spanierin Andrea, ebenfalls Studentin, ins Herz geschlossen. Selbst die Liebe hat Steinmann auf den Azoren gefunden. Gut möglich also, dass man den jungen Mann im März nur schwerlich von der Insel losbekommt.

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