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Bilanz übers Jagdjahr wird alljährlich bei der – gesetzlich vorgeschriebenen – Hegeschau gezogen. Hier wird sichtbar, was in welchem Revier erlegt wurde. Jäger und Behörden kommen dazu traditionell im Isener Klementsaal zusammen.

Hegeschau in Isen 

Abschusszahlen teils viel zu niedrig

Im Bereich Isen konnte der Wildverbiss stark reduziert werden. Im Hegering Erding-Süd fiel die Abschusszahl allerdings gravierend zu niedrig aus. Bei der Hegeschau in Isen wurde (selbst-)kritisch Bilanz übers Jagdjahr gezogen.

Isen Knapp 900 Rehe haben im Landkreis 2016 ihr Leben auf der Straße gelassen. Den Grund dafür sahen die Fachleute bei der Hegeschau am Freitag in Isen in neuen Straßen und einem ständig wachsenden Verkehrsaufkommen.

Die Hegeschau soll, so Kreisjagdverbandsvorsitzender Thomas Schreder, mehr sein als der bloße Nachweis, dass Abschusszahlen erfüllt wurden, oder die Dokumentation von Kondition und Zustand des Wildes. „Sie soll dafür sorgen, dass alle Akteure zusammenkommen und in Dialog treten können.“ Tatsächlich waren nicht nur zahlreiche Jäger – der Klementsaal war restlos gefüllt – nach Isen gekommen. Auch die Vertreter von Ämtern, Kommunen und Verbänden kamen bei der Pflichtveranstaltung zu Wort.

Schreder nützte vor dem öffentlich-rechtlichen Teil die Gelegenheit, um die 560 Jäger, die landkreisweit im Jagdverband organisiert sind, deutlich zu positionieren: „Wir Jäger sind nicht in erster Linie Dienstleister für die Aufträge anderer. Wir sind Jäger geworden, weil uns die Jagd am Herzen liegt.“

Hohe Zahl an Wildunfällen

Die Jagd sei mehr als der Schutz der Land- und Forstwirtschaft vor Wildschäden oder gar „Schädlingsbekämpfung“. Jäger pachteten nicht Reviere, „um Biber zu entnehmen, Wildunfall-Wild zu bergen, Maisschläge zu bewachen“ oder sich von Teilen der städtischen Bevölkerung beschimpfen zu lassen. Ein „Gegenmittel gegen unqualifizierte Kritik“ sah der studierte Wildbiologe in Fachwissen und -kompetenz. Wichtig sei daneben, „den Respekt vor den Wildtieren wieder mehr in den Mittelpunkt zu rücken“.

Auch Kreisjagdberater Walter Zwirglmaier plädierte für eine Jagd, die den respektvollen Umgang mit der Natur als Grundlage hat. Den Grund für die Wildunfälle, deren Zahl im Landkreis „sehr hoch“ sei, in zu hohen Wildbeständen zu suchen, sei zu kurz gegriffen. Neben neuen Straßen und gestiegenem Verkehrsaufkommen lägen die Gründe auch in „Kleinstwaldflächen“, die den Wildtieren nicht ausreichend Schutz bieten und zu Wildwechsel führen.

Rotwild breitet sich stark aus

Die Abschusszahlen für 2016 gab wie immer Werner Pirschlinger von der Unteren Jagdbehörde im Landratsamt bekannt. Im zweiten Jahr der Abschussplanung, die für drei Jahre konzipiert ist, seien 3549 Rehe zur Strecke gebracht worden. „Um das Soll zu erfüllen, fehlen noch 48 Tiere. Bei einem Defizit von 1,3 Prozent brauchen wir nicht in Sack und Asche gehen“, sagte er.

Zufrieden war Pirschlinger vor allem mit der Situation im Hegering Isen, wo die Verbisssituation im jüngsten Vegetationsgutachten als zu hoch eingestuft worden war. Allerdings zählt Isen zusammen mit Dorfen zu den wildunfallreichsten Gebieten des Landkreises. Der Anteil des Fallwildes an der gesamten Hegeringstrecke beträgt hier 32,8 Prozent.

Post von der Unteren Jagdbehörde werden die Jagdpächter des Hegerings Erding-Süd bekommen: Sie haben die Abschusszahl gravierend unterschritten.

Sorgen bereitet Pirschlinger auch die Verbreitung des Rotwildes. 58 Tiere seien in an sich rotwildfreien Revieren geschossen worden. „Das darf nicht sein, das Gesetz sieht vor, diese Reviere rotwildfrei zu halten“, sagte er.

Wildschweine auf dem Vormarsch

Auch bei den Kormoranen gab Pirschlinger ein Plus in Höhe von zwölf Prozent bekannt: 383 Tiere wurden 2016 abgeschossen. Große Probleme werden durch die Vermehrung der Wildschweine auf die Jäger zukommen. 201 Tiere, 27 mehr als im Vorjahr, wurden 2016 zur Strecke gebracht.

Für Jagdchef Schreder war die Entwicklung beim Schwarzwild zu erwarten. Die Tiere kämen vor allem im Norden aus den Isarauen und im Süden aus dem Ebersberger Forst auf Erdinger Boden. Dabei sehe es vor Ort noch verhältnismäßig gut aus: Im Nachbarlandkreis Freising seien 2015 rund 860 Tiere erlegt worden. „Wir werden alles tun, damit die Schäden in Grenzen gehalten werden. Ausrotten wollen wir die Tiere nicht“, sagte Schreder.

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