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Flüchtlinge lernen mit Flüchtlingen - ADIA Erding macht's möglich!

Neue Lernplattform im Internet

Neue Lernplattform im Internet: Mit ADIA gratis zu Sprache und Bildung

Erding - Wenn die Integration von Flüchtlingen in der neuen Heimat Deutschland gelingt, hat Anna Maria Blau daran einen Anteil. Mit ADIA Erding hat die Hofsingldingerin eine Lernplattform entwickelt, die es beiden Seiten leicht(er) macht.

ADIA Erding steht für Asyl, demografischen Wandel, Integration und Arbeit. Die Online-Lern-Basis setzt auf „Perspektive durch Bildung“, so das Credo. Die Idee dafür ist so alt wie die jüngere Flüchtlingsgeschichte in Erding. „Begonnen hat es 2012 mit der Ankunft der ersten syrischen und afghanischen Flüchtlinge bei uns“, erzählt Blau. Sie erinnert sich noch genau: „Damals war keine Behörde vorbereitet. Es hat sich auch niemand zuständig gefühlt.“ Die ersten Helferkreise entstanden – und mit ihren reifte die Erkenntnis: Die Ankömmlinge müssen schnell Deutsch lernen, um sich integrieren zu können. „Mir kam aber damals schon in den Sinn, mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen“, sagt die Beraterin mit Verweis auf die alternde Gesellschaft (demografischer Wandel) und auf die zunehmende Not der Wirtschaft, geeignete Azubis sowie Arbeitskräfte zu finden.

Blaus Schlussfolgerung: „Wir brauchen einen Sprachzugang für alle.“ Sagte es – und legte ihn. „Mir kommt es darauf an, dass das Verfahren sehr einfach ist.“ Nur etwa jeder dritte Asylbewerber hat ihren Erfahrungen zufolge die Möglichkeit, an einem offiziellen Sprachkurs, initiiert von den Behörden teilzunehmen. Hinzu kommt: Die Kurse kommen nur noch denen zu Gute, die eine realistische Bleibeperspektive haben. Aktuell, so Blau, hätten nur vier von 38 Nationen im Landkreis die Chance, an institutionellen Sprachkursen teilzunehmen: Iraner, Iraker, Eritreer und Syrer. Auch bei ihnen scheitere es mitunter an langen Wegen und fehlenden Kapazitäten.

„Mir lag der Rest am Herzen“, gesteht Blau und schuf eine Internet-Seite, die mittlerweile sogar bundesweit Beachtung findet. „Die ADIA-Plattform ermöglicht einen kostenlosen Online-Zugang zu ganz vielen Bildungsangeboten – von der Alphabetisierung bis zum Hochschulabschluss.“

Das ist die eine Seite. Auf der anderen hat Blau auch auch an die gedacht, die mit den Flüchtlingen zusammenarbeiten – vor allem Helferkreise, aber auch Gemeinden, Firmen und Organisationen.

Blau ist stolz, dass ihr Modell so gut gestartet ist. Partner vor Ort sind die Helferkreise aus aktuell 17 Gemeinden, das Schulamt Erding und die Berufsschule. Bis März sollen alle 26 Gemeinden und alle 50 Helferkreise mit im Boot sein – „und dann gut 1500 Erdinger Asylbewerber sowie alle sonstigen Nutzer kostenlosen Zugang zu Sprache und Bildung haben“. ADIA ist darüber hinaus auch weltweit abrufbar. „Ich bekomme viele positive Rückmeldungen. Das zeigt mir, dass wir mit ADIA auf einem sehr guten Weg sind“, so die Initiatorin.

Vier Monate nach dem Start besteht das Netzwerk aus sechs ehrenamtlichen Experten, die nicht nur das Angebot pflegen, sondern die auch dabei sind, die ADIA-Lernstationen an öffentlich zugänglichen Orten zu installieren – in Cafés, Medienzentren, Büchereien und teilweise auch in Füchtlingsunterkünften. „Wir geben dafür gespendete Laptops aus und bilden Sprachmultiplikatoren aus, die dadurch die Helfer entlasten“, berichtet Blau. Einige der Multiplikatoren sind übrigens selbst Flüchtlinge, die nun ihren Landsleuten und anderen Migranten helfen.

Als Nächstes nimmt Blau den Warteraum Asyl in Erding sowie die großen Erstaufnahmeinrichtungen in München ins Visier: „Jeder, der hier ankommt, soll die Möglichkeit haben, unsere Online-Sprachlern-Basis nutzen zu können.“ Für Blau ist das „ein würdiges Willkommen im Land der Bildung“.

Parallel dazu unterstützt ADIA Flüchtlinge bei der Ermittlung von Fähigkeiten und Potenzialen, „damit sich möglichst viele möglichst schnell in ihrem neuen Heimatland einbringen können“.

ADIAs hehres Ziel ist nach den Worten Blaus, „jedem sehr früh die Möglichkeit zu geben, sein Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Das entlastet Helferkreise und Gemeinden. Migranten, die gut integriert sind, bringen sich schneller ein, finden eigenen Wohnraum und sind in der Lage, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen.“ Davon profitiere auch die Gesellschaft. „Und selbst die, die wieder in ihre Heimat zurückkehren, können dank ADIA bei Wiederaufbau und Demokratisierung ihrer Herkunftsländer helfen.“

Weitere Informationen unter www.adia-erding.de.

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