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Fühlen sich zurückgewiesen: Rudolf Körner und Irina Petronela Mocanu mit Sohn Marcel.

Wirbel in Altenerding

Pfarrer verweigert Eltern die Taufe ihres Sohnes: „Das sind zwei nicht römisch-katholische Personen“

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Ein Altenerdinger Paar fühlt sich von Pfarrer Dr. Jan-Christoph Vogler zurückgewiesen. Er wollte ihren Sohn Marcel nicht taufen.

Altenerding Rudolf Körner (34) aus Altenerding ist vor fünf Jahren aus der Kirche ausgetreten. Seine Frau Irina Petronela Mocanu (23) ist gebürtige Rumänin und Angehörige der orthodoxen Kirche. Trotzdem wollten die beiden ihren vier Wochen alten Sohn Marcel Constantin katholisch taufen lassen – und zwar vom Altenerdinger Pfarrer Dr. Jan-Christoph Vogler (44).

Eltern wollen Sohn taufen lassen: „Ich habe die Taufe nicht verweigert“

„Aber dieser Herr verweigert meinem neugeborenen Sohn die Taufe“, ärgert sich Körner: „Das darf er nach geltendem Kirchenrecht nicht.“ Pfarrer Vogler wehrt sich gegen die Vorwürfe: „Ich habe die Taufe nicht verweigert.“ Trotzdem bekennt er, einen Fehler gemacht zu haben.

Ende Juni klingelte das Ehepaar im Altenerdinger Pfarramt durch, um einen Termin fürs Taufgespräch auszumachen: „Aber eine Dame vom Pfarramt hat uns gesagt, dass der Pfarrer nur tauft, wenn mindestens ein Elternteil in der Kirche ist“, erzählt Körner. Er kritisiert Voglers Entscheidung: „Das widerspricht doch dem geltenden Kirchenrecht.“

Altenerding: „Wer hat hier einen Abschluss in Kirchenrecht mit 1,0?“

Pfarrer Jan-Christoph Vogler verweigerte die Taufe für den Bub.

Vogler schüttelt im Gespräch mit der Heimatzeitung den Kopf und sagt: „Wer hat hier einen Abschluss in Kirchenrecht mit 1,0?“ Grundsätzlich gelte bei Paaren, die beide nicht in der römisch-katholischen Kirche sind: Der Pfarrer darf die Taufe nicht verweigern, sagt Vogler. Jedes Kind hat ein Recht auf das Sakrament.

Allerdings kann der Pfarrer die Tauffeier aufschieben, zum Beispiel bis zum siebten Lebensjahr des Kindes: „Dann kann es selbst Ja zu Gott sagen.“ Denn das eigentliche Problem sei: „Wenn Eltern nicht in der Kirche sind, dann wird es schwierig, dass der Täufling in die Kirchengemeinschaft hineinwächst.“

Bevor die Taufe aufgeschoben wird, findet eigentlich ein Gespräch mit den Eltern statt. Dabei fragt der Pfarrer, warum sie aus der Kirche ausgetreten sind und klärt, ob er ihr Kind tauft oder die Tauffeier aufschiebt. Rudi Körner kritisiert: „Mit uns hat der Pfarrer kein Wort geredet.“

Altenerding: Pfarrer verweigert Eltern die Taufe ihres Sohnes

Vogler gesteht, dass er dieses Gespräch nicht geführt hat: „Für mich war klar: Das sind zwei nicht römisch-katholische Personen.“ Und da sei es schwierig, dass jemand in der Familie dem Täufling Marcel den Glauben vermittelt. Aber: „Es war wahrscheinlich ein Manko, dass wir nicht persönlich über die Taufe gesprochen haben.“

Körner fühlt sich von Pfarrer Vogler abgelehnt. Er ist Fahrdienstleiter bei einem Busunternehmen und wegen der Kirchensteuer ausgetreten: „Aber trotzdem sind meine Frau und ich gläubig. Die Taufe gehört einfach dazu und ist für mich eines der wichtigsten Sakramente.“

Nun entschied sich das Paar, in der Pfarrei St. Margaret in Markt Schwaben anzufragen. „Aber dafür habe ich keine Entlassbescheinigung von Pfarrer Vogler bekommen“, sagt Körner. Diese Bescheinigung ist notwendig, um in einer anderen Pfarrei als der Heimatpfarrei das Sakrament zu empfangen. „Es hat mich auf die Palme gebracht, dass der Pfarrer dieses Stück Papier nicht unterschrieben hat“, sagt Körner.

Markt Schwabens Pfarrer will Marcel taufen

Vogler erklärt, er habe das ganz bewusst gemacht: „Ich wollte, dass mein Kollege ganz genau hinschaut, ob er das Kind tauft oder nicht.“ Das tut Markt Schwabens Pfarrer Herbert Walter. Er sagt: „Mir geht es ums Kind. Bei mir überwiegt die Hoffnung, dass es in den Glauben hineinwächst, obwohl die Eltern nicht in der Kirche sind.“ 

Denn später gehe Marcel zum Beispiel in den katholischen Religionsunterricht. Außerdem: „Auch bei christlichen Eltern weiß ich manchmal nicht, inwieweit sie ihre Kinder im christlichen Glauben erziehen.“

Vogler akzeptiert diese Meinung: „Das ist okay.“ Auch er macht mal eine Ausnahme – nach eigenem Bekunden in etwa fünf Prozent der Fälle bei nicht-katholischen Eltern. „Einmal hatte ich einen Papa aus der ehemaligen DDR und eine kroatische Mutter. Sie ist aus der Kirche ausgetreten, weil sie in ihrer Münchner Glaubensgemeinschaft wegen ihrer Herkunft gemobbt wurde.“ Ihr Kind hat Vogler getauft.

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