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Diese Flugblatt-Aktion brachte dem Elternbeiratschef die Kündigung ein.

AWO-Kinderhaus Hand in Hand

Steinberger: „Kinderbetreuung ist gesichert“

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Turbulenter Infoabend - Träger kündigt Elternbeiratsvorsitzendem und sucht weiter laufend Personal

Altenerding – Die Eltern, die ihren Nachwuchs im Kinderhaus Hand in Hand der Arbeiterwohlfahrt (AWO) angemeldet haben, müssen bis auf Weiteres keine Angst mehr haben, dass eine Gruppe aus Personalmangel kurzfristig geschlossen werden muss – und die Betreuungsverträge deswegen gekündigt werden. Das hatte sich im März abgezeichnet, was für enormen Wirbel in Elternschaft und Politik gesorgt hatte (wir berichteten). Die Dschungelgruppe konnte bekanntlich gerettet werden, weil es der AWO gelungen war, drei neue Kräfte zu engagieren.

Bei einem Infoabend am Dienstag in der Turnhalle versicherten sowohl Fritz Steinberger vom Erdinger AWO-Präsidium als auch Vorstandsvorsitzende Karin Seibt, „dass die Situation bis ins Kindergartenjahr 2018/19 stabil ist“. Man sei auch gegen unerwartete einzelne Kündigungen sowie Arbeitsverbote bei Schwangeren gewappnet. Allerdings wollte Steinberger keine Garantie geben, dass es nie wieder zu personellen Engpässen kommen könnte. Immer wieder wiesen er und AWO-Landesgeschäftsführer Wolfgang Schindele darauf hin, wie schwer es sei, Fachpersonal zu bekommen. „Das geht allen Trägern so.“ Steinberger rechnete vor, dass allein der Erdinger Kreisverband 23 000 Euro für Inserate ausgegeben habe – in ganz Deutschland. Seibt ergänzte, dass man mit den drei neuen Kräften nun einigermaßen stabil sei. „Aber wir suchen weiter, um uns noch stärker stabilisieren zu können.

Die Schließung hatte laut Steinberger gedroht, weil der Betreuungsschlüssel von 1:11 nicht mehr eingehalten werden konnte. „Dann würden wir die gesamte öffentliche Förderung riskieren“, erklärte Schindele.

Der gut besuchte Infoabend hatte das Ziel, die Wogen im AWO-Kinderhaus mit über 200 Mädchen und Buben zu befrieden. Doch die Aussprache erreichte dieses Ziel nur zum Teil. Zeitweise war die Stimmung aggressiv, Träger und Eltern sparten nicht mit gegenseitigen Vorwürfen.

Die Eltern monierten vor allem die mangelhafte Kommunikation im Zuge der drohenden Auflösung einer Gruppe. Dies gestand Steinberger ein und entschuldigte sich sogar dafür. Schindele und er kündigten an, die Unterrichtung der Eltern verbessern zu wollen.

Immer wieder wurde der AWO unterstellt, zu wenig für die Personalgewinnung zu tun. Auch hinterfragten einige, warum in dem Kinderhaus an der Pfarrer-Fischer-Straße eine so hohe Fluktuation an Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen zu beobachten sei.

Wütenden Protest erntete die AWO, als bekannt wurde, dass sie die Betreuungsverträge für die Kinder von Elternbeiratsvorsitzendem Christoph Lotter gekündigt hatte – „wegen des massiv gestörten Vertrauensverhältnisses“. Die Schreiben liegen unserer Zeitung vor. Nun steht fest: Die Kinder können zum 1. Mai in eine andere Einrichtung in Erding wechseln.

Als Steinberger einem Vater auf die Frage, ob man bei Kritik ebenfalls mit Kündigung rechnen müsse, erwiderte: „Dazu sage ich jetzt nichts“, verließen zwei Drittel der etwa 100 Eltern unter Protest die Turnhalle. Später revidierte der Präsident seine Aussage.

Seibt, Steinberger und Einrichtungsleiterin Mariella Grasso-Adams erklärten, Lotter habe im Alleingang übertrieben. Besonders übel nahmen sie dem jungen Vater, dass er Flugblätter vor der Kita verteilt hatte. Die AWO wirft Lotter vor, er habe Seibt und Grasso-Adams stürzen wollen. Der Vater verneint das. Über sein Vorgehen gibt es in der Elternschaft unterschiedliche Sichtweisen.

Der Elternbeirat ist ein größeres Problem im Kinderhaus. Nachdem sich im Herbst keine Eltern dafür gefunden hatten, wollte Grasso-Adams ohne Beirat auskommen. Das rief das Landratsamt als Aufsichtsbehörde auf den Plan. Die AWO wurde verdonnert ein Gremium zu rekrutieren. Es fanden sich tatsächlich einige Eltern. Doch die Kuh ist noch nicht vom Eis.

Steinberger berichtete, dass die Aufsicht drei Gremien verlange – je eines für Krippe, Kindergarten und Hort. Nun überlegt die AWO, aus dem Kinderhaus ein Haus der Kinder zu machen – dann würde ein Beirat reichen. Ganz am Ende eines dreistündigen Abends fielen die versöhnlichen Worte. Zumindest ein Teil der Eltern will nun konstruktiv mit der AWO zusammenarbeiten. 

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