Vor Gericht 

Betrunken, bekifft und abgebrannt

Altenerding/Landshut – Er hat drei Jugendliche mit dem Messer bedroht und Bargeld gefordert. Ob der Angeklagte (25) zur Tatzeit wegen seines Drogen- und Alkoholkonsums schuldfähig war, muss jetzt ein Gutachter klären.

Er war nach eigenen Angaben betrunken und bekifft, dazu „abgebrannt“. Nur so kann sich ein Kfz-Mechatroniker (25) aus Erding erklären, wie es im Juni 2016 zur Bedrohung kam. Diese brachte ihn jetzt wegen versuchten schweren Raubes auf die Anklagebank der Jugendkammer des Landshuter Landgerichts.

Laut Anklage war der 25-Jährige am 9. Juni 2016 gegen 22.15 Uhr auf dem Parkplatz des S-Bahnhofs Altenerding auf drei junge Burschen gestoßen, hatte sein Klappmesser gezogen und Bargeld gefordert. Dabei drohte er damit, dass „sein bosnischer Freund auch für fünf Euro töten würde“. Die damals 16 und 17 Jahre alten Jugendlichen aus Ottenhofen und München konnten flüchten.

Vor Gericht legte der Angeklagte ein umfassendes Geständnis ab. Er sei von einer München-Tour, wo er getrunken, gekifft und auch Speed „gezogen“ habe, zurückgekommen. Warum er die Jugendlichen bedrohte, könne er sich nicht mehr erklären. Er sei zwar „abgebrannt“, aber nicht direkt in finanzieller Not gewesen: „Die drei standen einfach da, es hätten auch andere sein können.“

Zu seinem Werdegang berichtete er, dass er nach der Schule Kfz-Mechatroniker gelernt habe, später als Werkarbeiter und schließlich nur noch als Gelegenheitsarbeiter tätig gewesen sei. 2015 habe er den Job auf dem Geflügelhof bekommen, „der erste Job, bei dem ich mich wohl gefühlt habe“. Als er den verlor, habe er wieder getrunken und Drogen konsumiert.

Frühe Drogenkarriere

Seine Drogenkarriere hatte schon mit 15 begonnen. Nach einer Therapie habe er aber zunächst alles „im Griff gehabt“ und sei auch bei seiner Arbeit stets „clean“ gewesen.

Der Vater (52) berichtete vor Gericht, dass sein Sohn zunächst behütet aufgewachsen sei. Nach der Scheidung allerdings sei er mit der Mutter im „Erdinger Getto“, einer Ecke „mit großem sozialen Sprengstoff“, gelandet. „Eigentlich unverständlich, weil ich viel Unterhalt bezahlt habe“, so der Vater.

Die Verbindung zum Sohn sei nie abgerissen. „Ich sehe ihn nicht als Verbrecher, er wird nur mit Alltagsproblemen nicht fertig.“ So habe er es nicht geschafft, sich arbeitslos zu melden. Auf Mahnungen wegen seiner rund 10 000 Euro Schulden habe er nicht reagiert, die Schuldnerberatung nicht in Anspruch genommen: „Stattdessen schafft er es nur in die nächste Kneipe.“

Ihn nur einzusperren, so der Vater, sei nicht der richtige Weg: „Er muss gecoacht werden, sonst gibt es nach seiner Entlassung wieder die gleichen Probleme.“ Wenn etwas schief laufe, gebe er sofort auf. Diese Erfahrung hatte auch sein Bewährungshelfer gemacht, der ihm nach einer früheren Verurteilung zur Seite gestellt worden war.

Elf Vorstrafen

Das Vorstrafenregister mit elf Eintragungen spricht Bände: Als Jugendlicher hatte der Angeklagte wegen Diebstählen, Verkehrsdelikten, vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung sowie Widerstands gegen Polizeibeamte auf der Anklagebank gesessen, war aber mit Jugendarresten und einer Bewährungsstrafe davon gekommen. 2016 hatte er sich vor dem Amtsgericht Erding wegen Drogendeals in 162 Fällen zu verantworten. Auch da kam er mit einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren davon.

Diese dürfte widerrufen werden, wenn es im aktuellen Verfahren zu einer Verurteilung kommt. Allerdings zeichnete sich eine Wende im Verfahren ab. Angesichts der Angaben des 25-Jährigen zu seinem Drogenkonsum stelle sich die Frage nach einer Unterbringung in einer Entziehungsanstalt, sagte Vorsitzender Richter Oliver Dopheide. Dazu sei aber ein psychiatrisches Sachverständigengutachten erforderlich – auch für die Beurteilung der Schuldfähigkeit zur Tatzeit. Dazu erklärte sich der Angeklagte bereit. Der Prozess, der am Donnerstag zu Ende gehen sollte, wird sich deshalb länger hinziehen. Heute sollen die drei geschädigten Jugendlichen aussagen. Ein Urteil könnte es frühestens am 7. März geben.

Walter Schöttl

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