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Beim FDP-Stammtisch (v. l.): Bundestagskandidat Peter Pernsteiner, Gastredner Thomas Sattelberger und Kreischef Thomas Schuster. 

Politischer Aschermittwoch 

FDP: Große Koalition bedeutet Stillstand

Er hat Elektrotechnik studiert, schreibt als freier Journalist für Fachzeitschriften der Kommunikationstechnik und sitzt im Gemeinderat seines Wohnorts Zorneding (Kreis Ebersberg). Diplom-Ingenieur Peter Pernsteiner (57) stellte sich beim Aschermittwoch-Stammtisch der FDP im Gasthaus Adlberger als Bundestagskandidat für den Wahlkreis Erding-Ebersberg vor.

Altenerding– Pernsteiners Meinung nach bedeutet eine Fortführung der Großen Koalition Stillstand. „Ich bin seit 15 Jahren bei der FDP. Wir als Partei möchten in Bayern acht Prozent erreichen“, sagte er selbstbewusst. Vor allem für eine Vereinfachung der Steuergesetze („Sie gängeln kleine Gewerbebetriebe und junge Firmengründer“), für bezahlbares Wohnen und für ein Zuwanderungsgesetz will er sich einsetzen. „Was wir gar nicht brauchen, sind ein Abrutschen der Gesellschaft in eine Drei-Klassen-Medizin, Abgastricks der Autohersteller und noch mehr Bürokratie“, sagte er weiter. Für „völligen Unfug“ hält er das G 8 („Auch meine Kinder leiden darunter“) und die Pkw-Maut.

Neben Pernsteiners Vorstellung galt das Interesse der Besucher dem Vortrag von Thomas Sattelberger (67). Der Gastredner aus München, der viele Jahre als Vorstand in großen deutschen Dax-Unternehmen gearbeitet hat, referierte über die „Deutsche Wirtschaft im Sandwich zwischen Maschinenland China und Digital House USA“. Dabei sieht der Experte auf vier Gebieten dringenden Handlungsbedarf: Unternehmensführer sollten keine Kontrolleure und Kommandeure mehr sein, sondern Motivatoren.

Großer Bedarf besteht laut Sattelberger bei mehr Bildung, und zwar in Richtung Denk-Freiheit und Digital-Kompetenz. Schließlich forderte er dringend eine Veränderung der Arbeitszeitgesetze sowie eine Europäisierung. Sattelberger: „Digitalisierung geht heute in alle Bereiche. Wir in Deutschland müssen da viel aufholen. Wir haben zwar herausragende Autohersteller, aber keinen international renommierten Internet-Giganten. Auf dem IT-Sektor sind wir gegen kleine Nachbarn wie Estland noch ein Entwicklungsland.“

Zwar seien die so genannten „Hidden Champions“ – führende Firmen im Mittelstand – technisch gut aufgestellt. Doch es fehle an Innovationen: „Wir beginnen zu lahmen.“ Vonnöten sei heute eine professionelle Führung in die digitale Zukunft, das hätten vor allem die Chinesen schnell gelernt.

Sattelberger plädiert dafür, „couragiert neue Strukturen zu schaffen“. Die Arbeitnehmer von morgen benötigten mehr Raum und freie Zeitgestaltung, um neue Ideen zu kreieren und damit im Wettbewerb bestehen zu können: „Alte Arbeitszeit-Regelwerke unserer Gesellschaft und der Gewerkschaften sind überholt.“

In der anschließenden Diskussion ging es auch um US-Präsident Donald Trump und dessen Protektionismus-Vorstellungen. Dazu sagte Sattelberger: „Wir werden uns wohl auf vier eher unangenehme Jahre einstellen müssen.“

Friedbert Holz

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