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Ganztags-Übergangsklasse an der Mittelschule Altenerding 

18 Schüler, 15 Nationen

Die halbe Welt in einer Klasse vereint: In der Ganztags-Übergangsklasse an der Mittelschule Altenerding kümmern sich Fachkräfte um 18 junge Leute mit 15 Nationalitäten – ein Beispiel, wie Integration im Kleinen gelingen kann.

Altenerding – „Die Ü-Klasse ist für mich wie eine neue Heimat geworden, weil meine Mitschüler in derselben Situation sind wie ich und weil ich neue Kulturen kennenlernen kann.“ Diese Aussage einer Schülerin der Übergangsklasse beschreibt sehr gut das Lernklima in der Gruppe von Jugendlichen mit nichtdeutscher Muttersprache und keinen oder sehr geringen Deutschkenntnissen. Ermöglicht wird sie seit dem Schuljahr 2016/17 durch die Förderung des Europäischen Sozialfonds, die das Engagement von Sozialpädagogin Kerstin Gräwert vom Verein Brücke finanziert. Sie ist mit 15 Wochenstunden als zusätzliche Fachkraft neben Klassenlehrerin Carmen Kimmerle für die sozialpädagogische Betreuung und Unterstützung zuständig.

Die Ü-Klasse ist sehr heterogen besetzt, was anfangs zu vermehrten Konflikten geführt hat. Durch den Einsatz Gräwerts konnten diese jedoch stark reduziert werden. Sie legt Wert auf Maßnahmen, die an der gesamten Persönlichkeit des Schülers ansetzen, wobei sie sensibel Rücksicht auf mögliche psychische Belastungen oder Traumata durch Fluchterfahrungen nehmen muss.

„Meine Arbeit mit den Schülern erfordert ein hohes Maß an Flexibilität, da ich meine Arbeitsinhalte immer wieder an die aktuelle Situation anpassen muss“, berichtet die Sozialpädagogin. Erschwerend kämen etwa die belastende familiäre Situation, die Unsicherheit bei einem laufenden Asylverfahren und mitunter Antriebslosigkeit dazu.

Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Einzelfallhilfe. Gräwert bietet Gespräche zur Konfliktlösung und Alltagshilfen an, stellt den ersten Kontakt zu Vereinen her, begleitet und organisiert das gemeinsame Mittagessen oder vermittelt Arzt- und Behördenbesuche.

Ohne eine gezielte Elternarbeit könnte sie nicht erfolgreich arbeiten. Deshalb versucht sie in regelmäßigen Elterngesprächen, Ängste und Unsicherheiten abzubauen, konkrete Hilfen bei Problemlagen anzubieten und Eltern mit ihren Kindern an Fachstellen weiterzuvermitteln. Manchmal reicht bei Familien das Geld nicht fürs Mittagessen in der Schule. Auch hier bietet Gräwert konkrete Hilfestellung an.

Neben dem Fachunterricht führte die Sozialpädagogin mit der Klassenleitung eine Reihe von Unterrichtsprojekten durch, darunter ein Fußballtraining, das Drehen eines Films, ein Computerprojekt mit Senioren und eine Klassenfahrt.

Gräwerts Fazit: „Durch gezielte Förderung und Begleitung gelingen die Integration und der Übergang in Regelklassen wesentlich besser.“ Das bestätigt auch Rektorin Karin Rausch: „Die Integration der Schüler der Übergangsklassen ist uns ein großes Anliegen. Wir sehen diese Herausforderung als gesamtschulische Aufgabe an. Besonders wichtig ist es uns dabei, Zeit für interkulturelle Begegnungen zu schaffen, Vorurteile abzubauen und Kontakte zu knüpfen.“

Sie nehme die Schüler als grundsätzlich äußerst leistungsbereit und oft auch sehr ehrgeizig wahr. „Sie fühlen sich an unserer Schule wohl und haben das Ziel, sich schnell und erfolgreich in unser Schulsystem zu integrieren“, lobt Rausch. „Die Kinder, die wir heute intensiv in ihren Befindlichkeiten unterstützen, sind Teil unserer Kultur von morgen.“

Mit der Einrichtung der Übergangsklasse als gebundene Ganztagsklasse und sozialpädagogischer Begleitung „tragen wir dazu bei, dass diese junge Leute auch in unserer Gesellschaft Fuß fassen können“.

Peter Libossek

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