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Forschungsergebnisse vom Königshof präsentierten (v. l.) Professor Bernd Päffgen, Doktorand und Grabungsleiter Marc Miltz sowie Harald Krause vom Museum am Donnerstag am Gaugrafenweg in Altenerding.

Grabungen am Königshof in Altenerding 

Drei Jahrtausende Siedlungsgeschichte

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Die archäologischen Grabungen am frühmittelalterlichen Königshof in Altenerding stehen vor dem Abschluss. Am Gaugrafenweg als Keimzelle der heutigen Stadt Erding darf nun gebaut werden. Bis zu 2500 Jahre alte Funde konnten gesichert werden.

Altenerding – Es dürfte eine der spektakulärsten archäologischen Grabungen in ganz Bayern sein, die im Sommer 2017 begonnen hat und in diesen Tagen abgeschlossen wird. Wissenschaftlern der Ludwig-Maximilians-Universität München und des Museums Erding sowie Mitgliedern der Archäologischen Vereins und des Archäologischen Arbeitskreises haben einen Königshof aus der Karolingerzeit ausgegraben und hunderte Funde gesichert. Gestern stellten Prof. Dr. Bernd Päffgen, sein Doktorand und Grabungsleiter Marc Miltz sowie Museumsleiter Harald Krause die Ergebnisse aus der Keimzelle der Stadt Erding vor.

Damit steht fest: Die Ufer der Sempt sind seit drei Jahrtausenden Siedlungsland. Denn bei der Erforschung des Königshofs traten auch Scherben zutage, die auf die Kelten (um 350 vor Christus) und die Römer (etwa 250 nach Christus) schließen lassen.

Päffgen gewährte einen Einblick in die frühmittelalterliche Adelsgeschichte – die Anlage am Gaugrafenweg wird um das Jahr 891 datiert. Die Wissenschaft geht davon aus, dass der Königshof die „Altersversorgung“ von Liutswinth gewesen sei. Sie war die Mutter des karolingischen Kaisers Arnulf, die in der Gegend geboren wurde und aus einer Grafenfamilie aus dem Erdinger/Freisinger Raum stammt. Sie heiratete König Karlmann, der in Altötting bestattet ist. Arnulf wurde nach den Worten Päffgens als illegitimer Spross der Adelsfamilie angesehen. Fest steht aber, dass die Ehe mit Liutswinth standesgemäß war.

Immer wieder kam die Dame nach Altenerding zu ihrem Königshof. Logiert haben dürfte sie in einem etwa 30 Meter langen Bau. Nachgewiesen werden konnte vor allem der Doppelgraben, der das nicht zuletzt gewerblich genutzte Areal umgab. Miltz erinnerte daran, „dass wir aus den Quellen wussten, dass es hier einen Königshof, den Hof Ardeoingas, gegeben haben muss. Im Zuge eines Bauvorhabens haben wir ihn dann 2010 beziehungsweise 2017 tatsächlich gefunden.“ Er will größere Ausmaße nicht ausschließen, doch die Nachbarschaft ist bereits bebaut.

Arnulf übertrug den Königshof schließlich dem Bischof von Salzburg. Die Gräben wurden zugeschüttet, es entstand eine neue wirtschaftliche Nutzung, eine sogenannte „Aufwirtschaftung“, so Päffgen. Miltz berichtete von mindestens zwei so genannten Grubenhäusern aus dem neunten und zehnten Jahrhundert, die bis zu 1,50 Meter tief in die Erde gegraben und mit einem Zeltdach versehen waren. „Wir sind überzeugt, dass hier unter anderem mit Stoffen gearbeitet wurde“, so der Doktorand. „Wir haben Löcher im Boden entdeckt, auf denen Webstühle gestanden haben. Außerdem wurden Webgewichte und Nadeln gesichert.“

Später seien auch die Grubenhäuser aufgegeben worden. „Danach waren es Müllkippen“, so Miltz, der daran nichts Anrüchiges erkennen kann. Im Gegenteil: „Diese Funde sind sehr aufschlussreich, darunter waren Knochen von Rindern, Ziegen, Schafen, aber auch Pferden.“

Das gesamte Projekt Königshof wird nicht nur in Miltz’ Doktorarbeit fließen, sondern laut Päffgen auch in eine populärwissenschaftliche Veröffentlichung.

Der Altenerdinger Königshof sei ein archäologischer Glückfall: „Es kommt selten vor, dass man den Kern einer Stadt so offenlegen kann, weil der in der Regel überbaut ist.“ Hier habe man eine Wiese vorgefunden. So intensiv forschen habe man nur gekonnt, weil das Gelände bebaut werden soll. „Es bestand Eile.“ Dabei dankte Päffgen den Stadtwerken, die Strom gesponsert hätten, „sodass wir auch im Winter vorankamen“. Lob zollte er auch der Stadt: „Dieses Engagement bei der Erforschung der eigenen Geschichte ist außergewöhnlich.“

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