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Ab an die Werkbank: Florian Aigner (2. v .r.), Auszubildender zum Industriemechaniker, lässt die Flüchtlinge Dawit Esak und Naham Daniel (v. r.) in der Ausbildungswerkstatt selbst zum Werkzeug greifen. 

IHK-Ausbildungsbus für junge Flüchtlinge 

Über die Werkbank zum Traumberuf

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Altenerding - Berufsinformationen aus erster Hand bekamen gestern 22 junge Flüchtlinge auf Initiative der IHK für München und Oberbayern. Im IHK-Ausbildungsbus gingen sie auf Tour durch die Kreise Erding und Freising. Erste Station: Bucher Hydraulics in Altenerding.

Ohne zu zögern greifen die jungen Männer zum Werkzeug. Es sind keinerlei Berührungsängste zu spüren, als sie an die Werkbank treten und den Anweisungen von Florian Aigner folgen. Er ist bei Bucher Hydraulics im ersten Lehrjahr zum Industriemechaniker und erklärt gerade Dawit Esak und Naham Daniel, wie seine Arbeit funktioniert.

Die jungen Männer aus Eritrea sind zwei von 22 Flüchtlingen der Berufsintegrationsklassen (BIK) der Erdinger Berufsschule, die gestern bei Bucher Hydraulics zu Besuch waren. Im Rahmen einer IHK-Aktion lernten sie die Berufe kennen, die dort ausgebildet werden. Im Anschluss ging es mit dem IHK-Ausbildungsbus, der nach dem Berchtesgadener Land und dem Kreis Weilheim-Schongau nun in Erding und Freising auf Tour war, zum Hotel Mövenpick in Hallbergmoos und zum Logistikdienstleister ITG in Schwaig.

Julia Meier aus der Personalabteilung und Ausbildungsleiter Georg Hupfer stellten die Berufe vor, die man bei Bucher Hydraulics erlernen kann – von der Industriekauffrau bis zum Zerspanungsmechaniker. Aktuell beschäftigt das Unternehmen rund 20 Azubis, heuer kommen elf neue hinzu.

„Im praktischen Arbeiten top“

Nach den Worten Hupfers ist bei Bucher Hydraulics derzeit ein Mitarbeiter mit Migrationshintergrund beschäftigt, der seit 2015 in Deutschland lebt. „Das erste Jahr war es vor allem sprachlich sehr schwierig für ihn“, sagt Hupfer. „Jetzt hat er keine Probleme mehr.“ Dabei helfe unter anderem der Deutschunterricht, der über die beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) kostenlos angeboten werde. „Bei uns bekommt jeder Mensch die gleiche Chance“, betont Produktionsleiter Albrecht Hale. „Aussehen, Herkunft, Glaube – das alles ist für uns nicht relevant.“

Die 22 Flüchtlinge, darunter drei Frauen, folgen den Worten aufmerksam. Mit Bairisch haben einige Probleme. „Aber wenn man langsam und Hochdeutsch spricht, klappt das sehr gut“, sagt BIK-Lehrer Stefan Voggenreiter. Ein junger Mann will es genau wissen und erkundigt sich nach erforderlichen PC-Kenntnissen sowie Praktikumsplätzen in den Osterferien. Voggenreiter ist zuversichtlich, dass sich einige seiner Schüler bewerben werden. „Erfahrungsgemäß sind sie im praktischen Arbeiten top“, erzählt er.

Die jungen Leute kommen unter anderem aus Somalia, Afghanistan, Nigeria und Pakistan. Dawit Esak und Naham Daniel stammen beide aus Eritrea. Der 21-jährige Daniel ist seit September 2015 in Deutschland und lebt in einer Asylunterkunft in Poing. Er hat bereits Praktika in den Bereichen Schlosserei und Karosseriebau absolviert. „Ich würde am liebsten Kfz-Mechatroniker werden“, sagt der junge Mann mit dem Basecap auf dem Kopf und erzählt, dass er seit Januar 2017 eine Aufenthaltserlaubnis für zunächst drei Jahre habe.

Auch Esak würde gerne Automechaniker werden. „Oder Schreiner“, sagt der 20-Jährige mit einem breiten Grinsen. Aber auch eine Arbeit wie in der Werkstatt bei Bucher Hydraulics kann sich der Eritreer, der seit Oktober 2016 in Deutschland ist und in der Gemeinde Taufkirchen lebt, gut vorstellen.

Kfz-Mechatroniker – „das ist der Top-1-Beruf der Geflüchteten. Das wollen alle gerne machen“, erklärt Stefanie Gutzeit. Sie gehört zum IHK-Integrationsteam, das Unternehmen, die Geflüchtete in Ausbildung übernehmen möchten, unter anderem zu Anerkennungsverfahren oder rechtlichen Fragen berät. Mit dem Ausbildungsbus will die IHK den Asylsuchenden Alternativen aufzeigen, Berufsorientierung bieten und Einblicke gewähren. Eventuell entwickeln sich daraus Praktika – und später im Idealfall ein Ausbilungsverhältnis.

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