Lustvolle Entfesselungskünstlerinnen des Bairischen: Die Isarschixn (v. l.) Andrea Lenz, Sabine Schubart, Birgitt Binder und Dagmar Kratzer gastierten mit ihrem neuen Programm „Überdaggelt“ im Gasthaus Adlberger. Foto: Vogel

Die Isarschixn beim Adlberger 

Suppenhenna-Tango und Wohlstandsblues

Altenerding – Frech, witzig und mit einer gehörigen Portion Selbstironie: Die Isarschixn gastierten im Altenerdinger Gasthaus Adlberger und begeisterten das aufmerksame Publikum, das im Verlauf des Kleinkunstabends immer ausgelassener wurde, mit vielen Lachern reagierte und auch als aufgescheuchter Hühnerchor beim Suppenhenna-Tango mitgackerte.

Dieses Kultstück stammt von der ersten CD „Ois im Fluss“. Die neue Scheibe ist ebenfalls einem Tier gewidmet: dem eigensinnigen Dackel. „Überdaggelt“ heißt die pinkfarbige CD, die das flotte Frauenquartett in ihrem aktuellen Programm vorstellte.

Und was bedeutet jetzt überdaggelt? Auf diese Frage könnte der Kratzer Hans bestimmt eine wortwitzige und wortgeschichtlich spannende Antwort geben. Der Journalist war beim Auftritt im Adlberger der Hahn im Korb unter den Prachthennen. Kratzer ging mit launigen Anekdoten, fundierten und unterhaltsamen Ausflügen dem Dialekt auf den Grund.

Die Isarschixn mit Frontfrau Birgitt Binder als schräger Sängerin, Multi-Instrumentalistin Andrea Lenz, Dagmar Kratzer (Akkordeon, Klavier, Gesang) und Sabine Schubart (Bass, Gesang) betätigten sich als lustvolle Entfesselungskünstlerinnen der Mundart jenseits weiß-blauer Zuckerbäckerei.

Das wilde Eibach wurde ebenso erkundet wie eine ganz besondere Route 66 und die Rasertour des Milli-Willi. Die Isarschixn lieferten Partnerschaftsüberdrüssigen 365 Trennungsgründe.

Doch in manchen Lebenslagen half nur noch „Zähn zambeissn“. Das zumindest war bei Lucys grausig-grünem „Smoothie“ anzuraten, dessen appetitfeindliche Ingredienzien die Frauen in einem Lied verrieten. Wie tröstlich, dass der Aperol Spritz auf den Tischen goldorange in den Gläsern leuchtete. „Ora et labora“ lautete ein Titel, der sich lässig mit der Doppelmoral auf dem Dorf auseinandersetzte. Den „überdaggelten“ und übersättigten Möchtegerns widmeten die Isarschixn ihren Wohlstandsblues – eine Litanei gelangweilter Selbstbespiegelung. Langweilig wurde es dem Publikum nicht, das sich köstlich amüsierte und enthusiastisch applaudierte.

vev

Auf der CD „Überdaggelt“ wirkt unter anderem Christoph Well von der „Biermösl Blosn“ als Gastmusiker mit. Die Scheibe ist zu 15 Euro im Dorfener Buchladen sowie online auf der Seite www.isarschixn.de erhältlich.

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