Auf den ersten Blick macht das Eindruck. Doch Töpfe, Besteck und Messer sind Fälschungen.

2.870 Euro verloren

An Ampel abgefangen: Betrüger zocken Mann auf Straße ab

Altenerding - Ein Erdinger steht mit seinem Auto an einer Ampel. Ein BMW hält neben ihm, der Fahrer fragt nach dem Weg zum Flughafen. Eine knappe Stunde später ist der Erdinger um 2870 Euro ärmer. 

Seit gut zehn Jahren ist die Betrügerbande mit immer dem gleichen Trick unterwegs, der Schaden geht in die Millionen. Oft sind ältere Menschen die Opfer. Die Gauner fragen nach dem Weg zum Flughafen und erzählen dann, dass sie von einer Messe kommen und wertvolle Töpfe, teure japanische Messer-Sets und Besteckkoffer im Auto haben. Die Sachen seien zu schwer, um sie im Flugzeug mitzunehmen, deshalb müssten sie die Gegenstände verkaufen. Weit unter ihrem Wert, versteht sich. Außerdem seien sie in Zeitnot.

Genau das passiert auch Anfang Februar in Altenerding. Der 82-jährige Erdinger, seinen Namen möchte er aus Scham nicht genannt sehen, denkt sofort daran, dass er ja gerade nach einem Geburtstagsgeschenk für seinen Sohn und dessen Familie sucht. Der Sohn kocht gerne. Da wird die Vernunft schnell ausgeschaltet. Der Senior glaubt, er könne ein Schnäppchen machen.

Das Schnäppchen kostet 2870 Euro – ein Bruchteil des tatsächlichen Wertes, versichert ihm der edel gekleidete Mann mit holländischem Akzent. Er fährt einen schwarzen BMW mit Harzer Kennzeichen, der SUV macht Eindruck, wie der Typ selbst. An der Ampel in Altenerding bei der Einmündung der Straße aus Hörlkofen in die B 388 findet die Anbahnung des schrägen Deals statt. Man fährt in die Max-Planck-Straße, wo der Betrüger dem Erdinger die Ware zeigt. Auf den ersten Blick stimmt alles. Die Verpackung lässt vermuten, dass es sich um Original-Besteck von WMF handelt. Das Zeichen der Firma steht auch auf dem Besteck selbst. Auch die vier Topfsets stecken in Qualitiät signalisierenden Kartons.

Da der 82-Jährige nicht genug Geld dabei hat, fahren beide zur Altenerdinger Sparkassenfiliale, wo der alte Herr sogar ein Festgeldkonto auflöst, um über die 2870 Euro verfügen zu können. Dann lädt der Gauner die Ware in den Wagen des Erdingers, kassiert das Geld und fährt davon. Noch glaubt der Betrogene, ein tolles Geschäft gemacht zu haben.

Das böse Erwachen kommt, als er die Geschenke seinem Sohn gibt. Der erkennt schnell, dass es sich um wertlose Fälschungen handelt. Bei dem alten Herren fließen die Tränen. Er schämt sich in Grund und Boden. Der ganze Plunder dürfte maximal 400 Euro wert sein.

„Ich habe einen Blog im Internet gefunden, da haben sich 1200 Geschädigte gemeldet“, sagt der Sohn (50) des Geprellten. Kein Wunder, ist doch alles bis ins letzte Detail perfektioniert. „Die Topfsets sind hochwertig verpackt, eine Dokumentenmappe mit Magnetverschluss ist dabei, die Garantiekarten sind im Scheckkartenformat mit integriertem Chip gefertigt. Die vier angeblichen Seki-Japan-Messersets stecken in edlen Holzschatullen. Das macht alles mächtig Eindruck.“

Es gibt sogar eine opulent gestaltete Website der angeblichen Topf-Herstellerfirma mit horrenden angeblichen Endverkaufspreisen, falls jemand mitten im Verkaufsgespräch nachsehen will. „Die heißt aber jetzt nicht mehr wie die echte Firma AMC, sondern AMW Swiss. Das steht auch auf den Kartons“, so der Sohn des Opfers. Auch WMF werde nun in der ausgeschriebenen Form des Herstellernamens mit einem Fantasienamen versehen. So wollen die Betrüger wohl Klagen der echten Unternehmen vermeiden.

Der 82-Jährige hat am Freitag bei der PI Erding Anzeige gegen Unbekannt gestellt. Und was macht sein Sohn jetzt mit den Töpfen, Messern und dem Besteck? „Das stifte ich vielleicht für eine Tombola. Auf ebay wie viele andere Geschädigte stelle ich die Sachen nicht. Da käme ich mir komisch dabei vor.“

Von Michael Luxenburger

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