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Am Ort des Geschehens: Gerda Hettwer und Tochter Tanja. Sie möchten ihre Nachbarn mit dem Bericht überraschen: „Wir wollen uns für die tolle Unterstützung bedanken.“

Küche in Flammen

Nach Brand: Nachbarn nehmen Familie zehn Wochen lang auf

Altenerding - Es war ein schöner Abend, als Gerda Hettwer es sich in ihrem Fernsehsessel in der kleinen Doppelhaushälfte in Altenerding gemütlich machte. Vergessen wird ihre Familie diesen Tag vermutlich nie, denn ein Fettbrand zerstörte ihr Zuhause. Jetzt möchten sich die Hettwers bei ihren Nachbarn für die große Unterstützung in den Wochen danach bedanken.

„Reiner hat Pommes gemacht, und ist rübergekommen, um mich zu fragen, ob ich noch eine Portion haben möchte, und da habe ich meine Tochter Tanja schon schreien gehört“, erinnert sich die 67-Jährige. „Erst habe ich gedacht, die spinnt“, sagt Hettwer. In welcher grauenvollen Situation sich ihre Tochter befand, wurde ihr jedoch schnell bewusst, denn innerhalb von Sekunden hörte sie, wie die Abluftverdeckung des Herds zu Boden fiel. Auch, wie von Feuerwehren empfohlen wird, das Feuer mit einer Decke zu ersticken, half Tanja Hettwer nicht mehr weiter. In Sekundenschnelle hatten sich die Flammen in der Küche ausgebreitet.

Für Reiner Hettwer und seine Tochter zählte in diesem Moment nur eins: Gerda Hettwer so schnell wie möglich aus der Gefahrenzone zu bringen, denn sie leidet an Multipler Sklerose und kann sich ohne Rollstuhl nicht fortbewegen. „Einer unserer Nachbarn kam uns zur Hilfe, und mit vereinten Kräften haben sie mich dann aus dem Fernsehsessel gehoben und nach draußen gebracht“, erzählt Hettwer im Gespräch mit der Heimatzeitung. Die Altenerdinger Feuerwehr löschte den Brand. Auf rund 90 000 Euro schätzt die Versicherung den Schaden.

„Schnell stand dann die Frage im Raum, wo wir, gemeinsam mit der Katze und zwei Vögeln, unterkommen sollen“, sagt Hettwer. Die Nachbarn, Christoph Hering und Doris Heppa-Hering, stellten der Familie ihr Wohnzimmer bereitwillig zur Verfügung. „Am nächsten Tag haben wir dann stundenlang versucht, ein Hotelzimmer, oder eine Pension zu finden, die behindertengerecht ist, aber in Erding und Umgebung ist das ein hoffnungsloses Unterfangen“, bedauert die Altenerdingerin.

Sie möchte sich bei ihren Nachbarn bedanken, denn diese seien der lebende Beweis dafür, dass es auch heutzutage noch echte Hilfe unter Nachbarn gibt. „Christoph machte uns das Angebot, die nächsten sechs bis acht Wochen bei ihm zu wohnen, und das mit Rollstuhl, Katze und Vögeln“, erzählt Gerda Hettwer. „Die beiden sind auch schon 75 und 80 Jahre alt, da ist das wirklich eine Leistung.“ Reiner Hettwer richtete sich seinen Schlafplatz auf ein paar Matratzen ein, Gerda und die 30-jährige Tochter verbrachten die Nächte in den Fernsehsesseln im Wohnzimmer der Herings. „Uns wurde kein böses Wort entgegen gebracht, obwohl auch noch unsere Katze zu versorgen war, und die Vögel auch immer wieder Dreck hinterlassen haben“, sagt Hettwer.

Zehn Wochen haben die Herings ihr Heim mit den Hettwers geteilt, denn das komplette Haus vom Ruß zu reinigen und wieder bewohnbar zu machen, hatte länger gedauert als erwartet. „Wir haben ihnen immer gesagt, dass sie unbedingt sagen sollen, wenn es zu viel wird, aber sie haben sich kein einziges Mal beschwert. Dafür möchten wir uns ganz herzlich bei unseren lieben Nachbarn bedanken“, sagt Gerda Hettwer.

Julia Adam 

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