Amtsgericht Erding 

Geldwäsche mit Gutscheinkarten

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Dass Geldwäsche nicht zwangsläufig etwas mit Bargeld zu tun hat, musste jetzt ein Mann aus dem nördlichen Landkreis vor Gericht lernen.

Nördlicher Landkreis Seine Naivität kommt einem 59-Jährigen aus dem nördlichen Landkreis teuer zu stehen. Er hat für eine Frau, die er nur über WhatsApp kannte, 14 Gutscheinkarten des Online-Händlers Thalia im Gesamtwert von 700 Euro freigerubbelt und ihr die PINs zugeschickt, mit denen sie dann wiederum im Internet einkaufen konnte. Das Problem: Die Karten waren im Namen von sieben Geschädigten bestellt worden, nachdem deren Daten vermutlich durch Computerbetrug ausgespäht worden waren. Wegen leichtfertiger Geldwäsche stand der Mann nun vor dem Amtsgericht.

Im März 2017 hatte sich laut Staatsanwaltschaft „eine bislang nicht identifizierte Tätergruppe über eine bislang nicht identifizierte Person“ per WhatsApp das Vertrauen des Angeklagten erschlichen. Die Frau, die angab, in den USA zu leben, wollte dem 59-Jährigen von sich und ihren Freunden bestellte Gutscheinkarten zuschicken, auf denen er die PINs freirubbeln und ihr diese wiederum übermitteln sollte. Als Grund, warum sie dies nicht selbst machen könnten, gab sie an, dass Thalia nicht nach Amerika verschicke.

Vermutlich hatten die Täter über eine Software die Daten der insgesamt sieben Geschädigten ausgespäht, auf deren Namen die Karten gekauft wurden. Lieferadresse war jedoch in allen Fällen die des Angeklagten, was wiederum die Polizei auf dessen Spur brachte. War man anfangs von einem Betrug seitens des 59-Jährigen ausgegangen, hatte sich in den Ermittlungen der Tatbestand der leichtfertigen Geldwäsche ergeben.

Der Angeklagte räumte vor Gericht ein, die Frau nur über WhatsApp gekannt zu haben. Der Kontakt sei über seine Arbeit in einem Parkhaus am Flughafen entstanden. Sie habe ihm eines Tages geschrieben, dass sie sich von dort kennen. „Meine Visitenkarten lagen aus, da muss sie eine mitgenommen haben“, mutmaßte der Angeklagte und erklärte, er habe sein Handy der Polizei zur Auswertung geben wollen, „aber das hat sie nicht interessiert“.

Den Vorwurf von Richterin Michaela Wawerla, er sei naiv gewesen und habe sich „keine Gedanken gemacht“, wollte er nicht auf sich sitzen lassen. Er habe im Internet extra recherchiert, ob es die Firma Thalia überhaupt gebe. Und er habe dort angerufen, um sich bestätigen zu lassen, dass das Unternehmen keine Gutscheinkarten in die USA verschickt. Die unterschiedlichen Namen seien ihm durchaus aufgefallen. „Aber weil Rechnungen dabei waren, dachte ich mir, die wissen Bescheid“, meinte er. Schließlich bekomme man eine Bestätigungsmail, wenn man online bestellt.

Was die ihm zur Last gelegte Straftat angeht, zeigte sich der Mann wenig einsichtig. „Das hat nichts mit Geldwäsche zu tun, sondern rührt aus einem Computerbetrug her“, wehrte er sich. „Das ist juristisch ein bisschen anders“, meinte Wawerla dazu. „Sie waren extrem naiv und haben sich strafbar gemacht“, sagte die Richterin – und das nicht das erste Mal. Bereits 2012 war der Mann wegen leichtfertiger Geldwäsche verurteilt worden, 2016 zudem wegen Vortäuschen einer Straftat. Laut Wawerla ist der Tatbestand der Geldwäsche erfüllt.

Die Staatsanwaltschaft sah es genauso, konnte sich aber die Einstellung des Verfahrens gegen eine Zahlung von 600 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung vorstellen. Damit erklärte sich der Angeklagte letztlich einverstanden – jedoch nicht, ohne etwas trotzig sofort klarzustellen, dass er diese Summe in Raten zahlen müsse. Monatlich will er 100 Euro überweisen. „Das wird eng, aber könnte hingehen“, meinte der Mann.

Rubriklistenbild: © dpa / Malte Christians

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