Regelmäßig macht sich Bürgermeister Alfons Beilhack selbst ein Bild vom Voranschreiten der Arbeiten am Gemeinschaftshaus.  Foto: Fabian Holzner
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Regelmäßig macht sich Bürgermeister Alfons Beilhack selbst ein Bild vom Voranschreiten der Arbeiten am Gemeinschaftshaus.

Gemeinschaftshaus in Hohenpolding

Apfelpfarrer Korbinian Aigner als Namenspate

Das Hohenpoldinger Gemeinschaftshaus ist aktuell das wichtigste Projekt der Gemeinde. Es soll nach Korbinian Aigner benannt werden.

Hohenpolding – Für Alfons Beilhack wäre es heuer die erste Bürgerversammlung als Bürgermeister von Hohenpolding gewesen. Die Kontaktbeschränkungen haben das zunichte gemacht. Ein zentrales Thema seines Berichts wäre das aktuell kostenintensivste Projekt in der Gemeinde geworden: das Gemeinschaftshaus. Auf circa 810 000 Euro wurde der Bau in der Ortsmitte veranschlagt, für den das alte Pfarrhaus abgerissen wurde.

Die Gemeindekasse wird nach Abzug der Fördergelder mit weniger als einem Drittel der Gesamtsumme belastet. Fast 200 000 Euro kommen vom Erzbischöflichen Ordinariat, was der Pacht für 30 Jahre im Voraus entspricht. Das Gemeinschaftshaus war ursprünglich nur als Neubau für das baufällige Pfarrhaus gedacht. 2018 hat die Gemeinde die bis dahin schleppenden Planungen übernommen. Ziel ist es nun, Räume sowohl für Vereinsaktivitäten als auch für kirchliche Zwecke zu schaffen.

Der Rohbau mit Dach steht, Fenster, mit Ausnahme der großen Glasfront auf der westlichen Giebelseite, sind gesetzt, über den Winter folgen kleinere Arbeiten. Für die Gestaltung des Außenbereichs wurde noch keine Firma beauftragt. Wahrscheinlich wird das stark abschüssige Gelände terrassiert.

Bereits gefunden ist ein geschichtsträchtiger Name: Korbinian-Aigner-Haus soll es nach dem bekanntesten Sohn Hohenpoldings genannt werden. 1885 geboren, verbrachte der „Apfelpfarrer“ seine Kindheit im Dorf und studierte später Theologie in Freising. Schon in diesen Jahren widmete er sich intensiv dem Obstanbau und gründete 1908 den Hohenpoldinger Obstbauverein.

Ebenso politisch interessiert, wurde er Mitglied der bayerischen Zentrumspartei und kämpfte schon Mitte der 1920er Jahre, auch in seinen Predigten, gegen den Nationalsozialismus. Seine Widerstandshaltung brachte den Geistlichen schließlich ins Konzentrationslager Dachau. Dort gelang es ihm, zwischen den Häftlingsbaracken Apfelbäume zu züchten.

Von vier Sorten überdauerte bis heute nur die Züchtung „KZ 3“. Mindestens ein Baum davon soll zu Ehren von Korbinian Aigner, der den Krieg überlebte und 1966 in Freising starb, im Garten des Gemeinschaftshauses gepflanzt werden. Die Einweihung ist im Sommer 2021 geplant.

Derweil wird auch das neue Baugebiet Am Klausenholz, das sich an die Siedlung Klausenberg II anschließt, wachsen. Kürzlich wurde die Erschließungsstraße geteert, die 24 Bauparzellen, überwiegend Gemeindeeigentum, sind vermessen, und „die Grundstückskäufer scharren bereits mit den Hufen“, fasst Beilhack zusammen. Als Datum für den Baubeginn nennt er das Frühjahr 2021.

Viele junge Familien werden sich am Klausenholz ihr Eigenheim schaffen. 17 Geburten gab es in der Gemeinde 2019. Das erst sechs Jahre alte Kinderhaus Mariä Heimsuchung ist schon an der Kapazitätsgrenze. In beiden Gruppen werden 22 Kinder betreut, dazu die Krippe. Auch in der Grundschule wird es eng. „Um einen Anbau für die Mittagsbetreuung kommen wir nicht herum. Fraglich ist momentan, inwieweit wir auch für Ganztagesunterricht Platz schaffen müssen, denn ab 2025 hat jedes Kind Anspruch auf einen Ganztagesplatz.“

Aktuell findet die Mittagsbetreuung im Werkraum oder auf dem Flur statt, „das geht so nicht“, sagt Beilhack. Ideen für den Anbau gibt es bereits, eine konkrete Planung steht allerdings noch aus. Schon jetzt wird das Personal der Mittagsbetreuung einbezogen. Denkbar ist, die Kinderkrippe ins Schulgebäude auszulagern.

Darüber hinaus möchte Beilhack im kommenden Jahr und den folgenden bei den Investitionen nur kleinere Schritte wagen. Dazu zählt die dringend notwendige Sanierung der Gemeindestraße von Reitgarten nach Burgharting. „Große Sprünge machen wir aber bewusst nicht. Corona wird sich wahrscheinlich erst in den Jahren ’22 und ’23 in den Finanzen bemerkbar machen.“ Außerdem sei in Hohenpolding in den vergangenen 20 Jahren sehr viel geschehen, „und ich möchte nicht, dass der Ort immer noch größer wird.“

Fabian Holzner

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