Archäologische Sensation: Die Prinzessin mit dem Goldkleid

Langenpreising - Ein Mädchen aus reichem Hause wurde vor Jahrhunderten bei Langenpreising bestattet. Nun haben Archäologen das Grab und weitere Fundstücke geborgen.

Jochen Haberstroh vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege spricht von einer „Super Sensation“, die in Langenpreising gefunden wurde. Wochenlang war das Grabungsteam auf dem Gelände beschäftigt, auf dem die Firma Crustanova ihre Garnelenzucht-Halle bauen möchte. Der Hauptfund im künftigen Gewerbegebiet Straßäcker war das Grab eines möglicherweise adligen Mädchens, möglicherweise aus dem Frühmittelalter.

Dass das Kind aus der Oberschicht kommen musste, wissen die Archäologen, weil in den Resten des Kleides Goldfäden eingewebt waren, die sehr gut erhalten sind. Eine genaue Datierung steht noch aus. Und derzeit ist auch nur aus diesem wertvollen Detail heraus klar, dass es sich um ein Mädchen gehandelt haben muss. Das Skelett war am Fundort massiv zusammengedrückt, die Zuordnung der einzelnen Knochen war nur einem geübten Grabungsprofi sofort möglich.

Das Team hat zwei Gräber ausgehoben. Das kleinere mit dem Mädchen wurde zum Schutz vor kriminellen Raubgräbern als so genannte Blockbergung gehoben. So wurde das Verfahren auch beschleunigt. Dazu bauten die Archäologen einen Holzkasten um das komplette Kindergrab und hoben es in einem Stück aus der Grube. Das alles brachten sie nach München, wo die weiteren Untersuchungen stattfinden werden. Die Ergebnisse sollen in einer Pressekonferenz in München später im Monat vorgestellt werden.

Das Grab war zudem aufwändig gestaltet: Eine Holzpalisade aus Halbstämmen war um die Grabstätte errichtet, und dann der eigentliche Grabhügel. Die Grabkammer ist zweimal 3,5 Meter groß, was Haberstroh „ungewöhnlich“ nannte. Die Überreste der Palisade konnten die Mitarbeiter des Grabungsteams im einzelnen nachweisen. Sie konnten aber anhand dieser Funde auch feststellen, dass Grabräuber am Werk gewesen sein mussten, und zwar mehrfach. Sie mussten erfolgreich gewesen sein.

„Die haben uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die zweite, größere Grabkammer, auf die wir so große Hoffnungen gesetzt hatten, war leer“, berichtete Beate Zarges, Pressesprecherin des Landesamtes für Denkmalpflege.

Die Grabungsprofis konnten mehrere verschiedene Fälle von Grabraub in grauer Vorzeit voneinander unterscheiden, was die ganze Stelle nach den Worten der Sprecherin weiter interessant macht. Die Unterscheidung der verschiedenen Versuche gelang anhand des Materials für die Verfüllung.

Die Funde lagen in etwa 1,5 Meter Tiefe. Die Helfer haben den Aushub teilweise durchgesiebt, um ja kein Detail zu übersehen. Im Bauwagen lagen, sorgsam beschriftet, Dutzende Tüten mit verschiedenen Knochen und Keramikteilen, die alle noch darauf warten, genauer ausgewertet zu werden.

Vize-Bürgermeister Josef Straßer gab jetzt im Gemeinderat bekannt, dass die Grabungen auf diesem Bauplatz abgeschlossen sind. Er sprach von einer Sensation und setzte hinzu: „Das ist gut, dass wir so etwas haben.“ Tatsächlich sagte auch Zarges, dass ein Weg gefunden werden müsse, diese Funde in Langenpreising zu zeigen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie sei darüber mit Bürgermeister Peter Deimel im Gespräch. Das lasse sich, ergänzte Zarges gegenüber der Heimatzeitung, durchaus touristisch verwerten. „Die Gemeinde hat dann wirklich was davon.“

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