Eine Gitarre und viel Wasser, damit die Wortspiele flutschen: Willy Astor gastierte in seiner „Lieblingshalle“. Foto: bauersachs

Astors „Literwochen auf den Spirituosen“

Erding - Willy Astor glänzt als Wortverdreher, ist sich aber auch für Kostümklamauk nicht zu schade. Das Publikum liebt ihn und verzeiht auch seine Texthänger.

Mit einem uralten Gag hat Willy Astor sein Publikum begeistert: mit der Verkleidungsnummer. Wäre das Klatschen und Schreien der gut tausend Zuschauer beim Sinnflut-Auftritt des bayerische Wortkünstlers in der Eishalle messbar gewesen, hier hätte der Zeiger am heftigsten reagiert.

Dabei hatte Astor doch nur einer Frau aus Tittenkofen, die ganz vorne saß, den Vorschlag gemacht, sein Hemd gegen ihren Pullover zu tauschen - „an einem der schönsten Abende in den letzten 24 Stunden“. Tatsächlich tobte seine „Lieblingshalle, als er in ihrem Pulli auf der Bühne stand, obwohl ihm am Tauschobjekt „die Komplementärfarben etwas fehlten“.

Brüller kamen auch auf, als Astor zu bekannten Songs, etwa zu „SOS“ von Abba, ein „bei Esso ess“ formte, in einem geistreichen Poetry Slam seine Taube Joachim fliegen ließ oder jenes Kult-Lied sang, in dem er den jeweiligen Kunden dezent nahe legte: „I hab d´Maschin´ scho putzt.“

Im letzten Urlaub, so outete er sich dann, sei er „auf den Spirituosen gewesen, bei meinen Literwochen“. Etwas ulkig fände er die Sprache der Franken, „lieben Menschen. Nur hat der liebe Gott hierbei ein Montagsauto gemacht, als er ihre Sprache formte“.

Überhaupt Dialekte: Da fallen Willy Astor nicht nur die Sachsen ein, über die er ein witziges Lied geschrieben hat, er singt auch über das hübsche Girl aus dem Schweizer Kanton Uri, die „Missouri“. Ob jene Besucherin, die er vor allen rügt, „weil sie beim Bieseln war - kennen sie Granufink nicht?“, ebenfalls herzlich lachte, war nicht auszumachen.

Lange blieb Astor in seiner eigenen Vergangenheit, berichtete aus der Kindheit, „als Kommunikation noch Bestand hatte, als wir, nachdem wir höflich gefragt hatten, den Finger in die Wählscheibe des quietschgrünen Telefons steckten und aufgeregt lauschten“. Ja, er saß damals sogar stundenlang vor dem Fernseher - aber nicht, um sich Soaps reinzuziehen, nein: Er malte angeblich das Testbild ab.

Er sei, so ließ er gleich zu Beginn seiner Show wissen, als er noch nach seinem Labello-Stift suchte, „sehr zufrieden mit der ersten Reihe hier“. Dass dabei ein Landwirt aus Poing, nur weil er Mais für Biogas anbaut, Pfiffe aus dem Publikum erntete, war etwas unfair. Schließlich kommentierte ja auch niemand die drei Text-Hänger von Willy Astor. (fez)

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